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Seit drei Jahren ein Paar: Die Gaißacherin Lena Hoffmann und Alban Corbeaux aus Verzy in Nordfrankreich.

Von Gaißach nach Verzy 

Aus Liebe zum Champagner

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Gaißach/Verzy – Auf einem australischen Weingut verliebt sich eine junge Gaißacherin in einen Franzosen. Dessen Familie produziert in der vierten Generation Champagner. Heute bestimmt das festlichste aller Getränke das Leben von beiden.

Ungefähr 1000 Menschen leben in Verzy, einem Dorf in Nordfrankreich, eine halbe Autostunde von Reims entfernt. „Wenn es bei uns Bier gibt, gibt es dort Champagner“, sagt Lena Hoffmann. Die 26-jährige Gaißacherin lebt seit einem Jahr und acht Monaten in der historischen Region Champagne, dem etwa 34 000 Hektar kleinen Fleckchen Erde, wo das festlichste aller Getränke zuhause ist. „Für mich war das eine komplett neue Welt“, sagt sie. Die Tür zu dieser Welt hat Alban Corbeaux aufgesperrt – und die zu ihrem Herzen auch.

Mildura, eine Kleinstadt im Südwesten Australiens im Jahr 2013: Zufälligerweise jobben Hoffmann und Corbeaux auf dem gleichen Weingut. „Work and travel“ – heute Standardprogramm für viele Menschen Anfang 20. Corbeaux erzählt Hoffmann von Verzy und seiner Familie, die dort seit vier Generationen Champagner herstellt. Von der gepflückten Traube bis zur Abfüllung. Fast alles in Handarbeit. Pierre Deville, Corbeaux’ Urgroßvater, verkaufte die erste Flasche 1963, sein Name steht noch heute auf dem Etikett.

Der Weinkeller im Hause Corbeaux: Drei Jahre gärt der Champagner in der Flasche, manchmal sogar fünf.

In Mildura verlieben sich die beiden, es dauert nicht lange, bis sie zu ihm zieht. „Ich habe kein Wort Französisch gesprochen“, sagt Hoffmann, die als Fremdsprachenkorrespondentin eigentlich immer nach Spanien wollte. Nun ist sie voll integriert im kleinen Familienbetrieb. 10 000 bis 15 000 Flaschen produziert er im Jahr, fünf Hektar bewirtschaften die Corbeaux’ mit den drei erlaubten Champagner-Rebsorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. „Ab drei Hektar kann man davon leben“, sagt Alban Corbeaux.

Seine Freundin aus Gaißach, mittlerweile schwanger, arbeitet in Weinbergen und Champagner-Museen und führt neugierige Touristen durch den Keller im Hause Corbeaux. Dort lagert der Wein drei Jahre lang, manchmal sogar fünf. Bei der Flaschengärung arbeiten Hefe und Zucker im Ausgangsprodukt: Möglichst klarer Weißwein muss es sein.

Deshalb denken die Corbeaux’ gar nicht daran, die Trauben mit der Maschine vom Feld zu holen. „Sie müssen perfekt sein, dürfen nicht die kleinste Druckstelle haben“, sagt der 25-jährige Sohn. 4000 Kilo der handgepflückten Trauben kommen zum Pressen dann doch in die Maschine. Vier Stunden wälzen sie sanft hin und her, bis reiner Saft übrig bleibt. Nicht rein genug, sagt Corbeaux. Also noch mal dekantieren. Erst dann darf sich der Traubensaft innerhalb einer Woche gärend in Wein verwandeln.

„Viele meinen, Champagner ist nur was für die Schönen und Reichen.“ Lena Hoffmann hat in Verzy gelernt, dass das Fest-Getränk durchaus erschwinglich ist. Wer den Pierre Deville direkt bei den Corbeaux’ abholt, zahlt 15 Euro pro Flasche.

Das Hauptgeschäft machen kleine Betriebe mit dem Traubenverkauf an industrielle Hersteller. 6,50 Euro verlangt die Familie Corbeaux für das Kilo. „Viele produzieren gar keinen eigenen Champagner mehr“, sagt Hoffmann.

Wann immer die Gaißacherin daheim ihre Eltern besucht, muss sie natürlich ein paar Flaschen mitbringen. „Silvester feiern wir ganz ruhig“, sagt sie. Aber nicht ohne ein Schlückchen Pierre Deville.

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