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Qualität vor Quantität: Milchwerke Geschäftsführer Bernhard Pointner (re.) bei der Generalversammlung in Gaißach. 

Generalversammlung

Die Milch macht‘s

Gaißach – „Berchtesgadener Land“ setzt auch nach dem Ende der Quote auf hohe Qualität. Der Auszahlungspreis soll gehalten werden.

Die Milchwerke Berchtesgadener Land haben sich schon vor Jahresfrist vom deutschen Milchmarkt losgelöst und liegen mit ihrem Auszahlungspreis im konventionellen Produktionsbereich deutschlandweit mit Abstand an der Spitze. „Wir wollen damit die Betriebe im Berggebiet erhalten, aber keinesfalls dazu animieren, die Kuhbestände zu vergrößern und die Produktion zu erweitern“, gab Molkerei-Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter jüngst den Lieferanten aus der Tölzer Region bei deren Generalversammlung deutlich zu verstehen. „Es ist mehr als genug Milch auf dem Markt.“

Mit dem Einfuhrstopp Russlands und der fehlenden Nachfrage aus China seien wichtige Absatzmärkte weggebrochen. Dass allgemein die Milchmenge nach der zum 31. März dieses Jahres beendeten Kontingentierung anwachsen würde, damit hatte man allseits gerechnet. „Wehe, wenn sie losgelassen“, meinte Jakob Wasensteiner, Vorsitzender der Tölzer Liefergenossenschaft, angesichts der Übermengen, die einen gravierenden und anhaltenden Preissturz verursachten.

Auch in der hiesigen Genossenschaft wurde die Produktion erhöht: 2014 betrug die Steigerung im Durchschnitt 7200 Kilogramm je Hof – mit knapp 30 Millionen Kilogramm Gesamtanlieferungsmenge wurde erstmals die anteilige Quote in Piding voll ausgeschöpft. Für 2015 erwartet man einen weiteren durchschnittlichen Zuwachs von zirka 4000 Kilogramm pro Lieferant. Der von Piding nach wie vor ausbezahlte Grundpreis von 38 Cent bilde im Vergleich zur andernorts teils weit unter 30 Cent liegenden Entlohnung „eine enorme Wertschöpfung. Berechnet nach der Auszahlung der preislich nachfolgenden Molkerei hat ein durchschnittlicher Betrieb bei uns einen Mehrerlös von 7000 Euro im Jahr.“ Dieser Erlös sei aber zur Deckung der Erzeugungskosten dringend notwendig.

Dass Piding zu diesem Alleingang imstande sei, beruhe auf jahrelanger vorausschauender Betriebsführung, intensiver Marktanalyse und hochqualitativer Produktentwicklung, so Wasensteiner. Die Beschickung mit ebenso qualitativer Rohmilch unter Einhaltung der QM-Kriterien und GVO-freier Fütterung sowie nach Möglichkeit eine Minimierung der Erfassungskosten durch zweitägige Abholung seien der Beitrag, den die Bauern leisten müssten.

Unterdessen wird in der Genossenschaftsmolkerei weiter investiert: 12 bis 15 Millionen Euro sind für das kommende Jahr eingeplant. So sollen etwa eine neue Abtank- und Verladehalle sowie eine neue Joghurtabfüllanlage mit chemiefreier Desinfektion der Becher entstehen, wie Geschäftsführer Bernhard Pointner ankündigte. Die Radiowerbung habe man mit eigenen Lieferanten erstellt – „auch um den Verbrauchern das Thema Genossenschaft nahezubringen“. Bei den Produkten ist Anpassung an Ernährungstrends angesagt, die Bereiche Topfen und Frühstücksmilch mit nur 0,7 Prozent Fett ließen sich noch weiter ausbauen. Überdies lege man bei den verwendeten Zutaten wie Bananen, Zucker und Kakao Wert auf fairen Handel. Grundsätzlich, so Pointner, bemühe man sich um eine breit gestreute Abnehmerschaft. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Auszahlungspreis noch eine Weile halten können.“ Allerdings spiele dabei auch eine Rolle, wie lange das Marktpreis-Tief noch anhalte.

  Rosi Bauer

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