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Aus Liebe zur Natur: Bernhard Wahler (65) hat eine zweiwöchige Ausbildung durchlaufen und ist nun als Naturschutzwächter an der Isar unterwegs. „90 Prozent der Leute sind in Ordnung“, so seine erste Erfahrung.

Erlebnisse eines Naturschutzwächters

Mission: Erhaltung eines Paradieses

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Bernhard Wahler liebt die Isar mit all ihren Tieren, Pflanzen und landschaftlicher Schönheit. Deswegen setzt sich der Gaißacher für den Schutz dieses einmaligen und verletzlichen Gebiets ein: Er ist als Naturschutzwächter unterwegs – und sammelt ganz eigene Erfahrungen mit Freizeit-Kapitänen, Drohnen-Piloten und Lagerfeuer-Romantikern.

Gaißach – Unberührte Natur? Das war einmal. Wenn Bernhard Wahler an einem sonnigen Tag durch sein „Revier“ an der Oberen Isar streift, dann bleibt er dort nicht lange einsam. Vielmehr trifft er auf jede Menge Ausflügler – und leider auch auf deren Hinterlassenschaften.

„Die Besucherströme haben sich im Lauf der Jahre immer weiter nach Süden verlagert“, hat der Gaißacher beobachtet. „Früher war die Pupplinger Au überlaufen. Mittlerweile geht es immer weiter in den Bereich der Oberen Isar, wo die Menschen ungestört und unbeobachtet sein wollen.“

Mit der angestrebten Abgeschiedenheit ist es freilich nicht weit her. Am Brückentag zwischen Christi Himmelfahrt und dem folgenden Wochenende, „da sind an der Mautstraße Vorderriß-Wallgau die Mautzettel ausgegangen“, berichtet Wahler. „Da waren also allein 1200 Autos mit je mindestens zwei Personen unterwegs, zusätzlich die ungezählten Radfahrer.“

Dass der Besucheransturm keine allzu großen Verwüstungen hinterlässt, dafür setzt sich Wahler mit viel Energie und Zeitaufwand ehrenamtlich ein. Seit diesem Frühjahr ist er offiziell „Naturschutzwächter“.

„Ich bin schon seit 40, 45 Jahren leidenschaftlich im Karwendel und an der Isar unterwegs“, sagt er. „An der Isar gibt es von der Quelle bis ins Mühltal kein Fleckerl, das ich nicht kenne.“ Wenn er auf seinen Touren Müll herumliegen sah, dann nahm er ihn schon immer mit. Bis er eines Tages beim Landratsamt Alarm schlug: „Der ganze Müll passte nicht mehr in meine Hausmülltonne.“ Seither steht bei Vorderriß ein 1100-Liter-Container. Vergangenes Jahr fragte die Untere Naturschutzbehörde Wahler dann, ob er Naturschutzwächter werden wolle. Der Gaißacher sagte Ja, durchlief eine zweiwöchige Ausbildung an der staatlichen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen/Salzach und bekam nach erfolgreicher Abschlussprüfung Ausweis und Plakette.

Wenn das Wetter schön ist, geht er nun etwa dreimal pro Woche jeweils fünf bis sechs Stunden durch das ihm zugeteilte Gebiet: Dieses umfasst den kompletten Sylvensteinspeicher und die Isar bis zur österreichischen Grenze sowie bis zur Landkreisgrenze bei Wallgau inklusive dem „Abzweiger“ Rißbach – nach Wahlers eigener Schätzung etwa 15 000 Hektar.

Dort kommt Wahler mit den Erholungsuchenden ins Gespräch und klärt auf. „Meine Erfahrung ist, dass ich allgemein gern gesehen bin“, sagt der 65-Jährige. „Die Leute fragen mich nach den Gegebenheiten in der Isarlandschaft, nach Pflanzen und Tieren.“ Etwa 90 Prozent der Menschen seien „in Ordnung“ und gingen respektvoll und sorgsam mit der Natur um, meint Wahler. Dann seien da noch zehn Prozent, die ein paar Hinweise benötigen. Davon wiederum sei etwa die Hälfte „belehrbar“. Mit dem kleinen Rest könne es schon mal unangenehm werden, „vor allem wenn Alkohol im Spiel ist“. Doch auch in Situationen, in denen er sich Respekt verschaffen muss, behält Wahler die Ruhe. In seiner Ausbildung hat er neben viel naturkundlichem und rechtlichem Wissen auch ein Training im Umgang mit Menschen in Konfliktsituationen bekommen. Davon abgesehen bringt er genügend Erfahrung im Zwischenmenschlichen mit: Als Geschäftsführer in einem großen Lebensmittelkonzern war er für bis zu 2000 Mitarbeiter verantwortlich.

Was Wahler an der Isar immer wieder erklären muss: Feuermachen ist verboten. „Der Funkenflug ist extrem gefährlich. Man hat ja am Jochberg gesehen, was passieren kann.“ Deswegen ist der Naturschutzwächter auch zu späterer Stunde in lauen Sommernächten unterwegs, wenn Romantiker bei Lagerfeuer in freier Natur übernachten wollen.

Außerdem will er den Besuchern klar machen, dass sie an den Kiesbänken in der Nähe der Parkplätze bleiben sollen. Viele würden sich abgelegene Kiesinseln als Plätzchen zum Sonnenbaden aussuchen und damit Vogelbrutstellen stören. Gerade dieser Tage musste Wahler verärgert feststellen: Von allen Brutstellen der Wasseramsel, des Flussregenpfeifers, der Flussseeschwalbe und des Kormorans, die er im April noch gesehen hat, blieb kein einziges Nest erhalten. „Wenn sich das nicht ändert, werden wir überall Schilder, Schilder, Schilder brauchen.“

Mit Kopfschütteln registriert der Gaißacher zudem die Unmengen an Abfall, die er nach wie vor aufsammeln muss. Er hat immer eine Tasche mit einem 60-Liter-Müllsack dabei, der am Ende einer Tour stets voll ist. Flaschen, Plastikverpackungen, Schuhe, T-Shirts: All das liege in der Natur herum. Besonders ärgert sich Wahler über hinterlassene Einmalgrills. „An denen reiße ich mir ständig die Finger auf.“ Motorradfelgen und Autoreifen findet Wahler regelmäßig. Auch ein kaputtes Schlauchboot und ein ganzes Zelt musste er schon entsorgen – ebenso wie einen Auto-Rücksitz. „Darauf sitzt man natürlich besonders bequem an der Isar“, stellt er mit etwas Sarkasmus fest. Es seien aber nicht bloß Ausflügler, die das Naturschutzgebiet vermüllen. „Ich finde genauso Folien von Siloballen oder Baumaterial, wie Plastikrohre, Kübel und Werkzeug.“

Und dann gibt es da noch einige besondere Gruppen im „Isar-Klientel“, mit denen Wahler jeweils ganz eigene Erfahrungen macht. Ein relativ neues Phänomen: Viele Menschen wollen die landschaftliche Schönheit aus der Vogelperspektive fotografieren und lassen zu diesem Zweck Drohnen stiegen. Ihnen erklärt Wahler dann, dass seit April im Naturschutzgebiet ein absolutes Flugverbot gilt. „Die Leute sind dann einsichtig und packen ihre Drohnen sofort ein.“

Auf weniger Verständnis stieß Wahler bislang bei Mountainbikern. „Es gibt welche, die ein Bachbett runterbrettern. Sie hinterlassen einfach Spuren. In einer Rille kann sich zum Beispiel später Wasser sammeln und den Weg aushöhlen.“ Wenn Wahler erklärt, dass das Mountainbike-Fahren laut Gesetz „nur auf geeigneten Wegen“ erlaubt sei, stößt er nach eigener Schilderung auf taube Ohren. „Ich hatte noch kein angenehmes Gespräch mit einem Mountainbiker.“

Was die Schlauchboot- und Kanufahrer angeht, hat Wahler ebenfalls eine klare Haltung: „Ich bin ein Verfechter eines Bootfahrverbots“, sagt er. Zu rücksichtslos sei das Verhalten vieler Freizeitkapitäne im Naturschutzgebiet.

Als Naturschutzwächter setzt Wahler in fast allen Fällen auf Gespräche. Bei schwerwiegenden Verstößen – vor allem Feuermachen – stellt er aber auch schon mal die Personalien fest und leitet diese dann an die Untere Naturschutzbehörde weiter, die dann Bußgelder verhängen kann. Kürzlich fotografierte der 65-Jährige auch ein Auto, das zum Parken mitten durch geschützte Pflanzen hindurch in den Wald gesteuert worden war. So umgänglich und gesprächsbereit Wahler sonst ist: „Bei so etwas kenne ich keine Kompromisse.“

Das sind die wichtigsten Regeln im Naturschutzgebiet

Zum Start der Pfingstferien weist die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt auf die Spielregeln hin, die bei einem Ausflug ins Grüne gelten:

– Die gesamte Isar und ihre Auen im Landkreis inklusive des Sylvensteinsees befinden sich in Natur- beziehungsweise Landschaftsschutzgebieten. Auch der Walchensee und das Gebiet um den See herum sind Landschaftsschutzgebiet.

– „In Schutzgebieten sind Feuermachen und Grillen – auch mit einem geschlossenen Grill – brandgefährlich und deshalb verboten, auch wenn bereits vorhandene Feuerstellen dazu verlocken“, betont die Kreisbehörde. Neben der Waldbrandgefahr sollen so auch große Müllmengen minimiert werden. Wer trotzdem grillen möchte, dem steht ein offizieller Grillplatz an der Wasserwacht bei der Ortschaft Fall zur Verfügung.

– In den Schutzgebieten ist auch das Übernachten in Zelten sowie Wohnmobilen und -wagen in der freien Natur verboten. Damit soll die Tierwelt zumindest nachts ungestört bleiben.

– Entlang der Mautstraße Wallgau/Vorderriß und am Südufer des Walchensees gilt ein Nachtparkverbot. Für Wohnmobile gibt es in Fall am Sylvensteinsee, in Einsiedl am Walchensee und in Mittenwald Nachtparkplätze. – Camping ist nur auf ausgewiesenen Campingplätzen in Achenkirch, Maurach, an Kochel- und Walchensee sowie in Arzbach bei Lenggries, Krün bei Mittenwald und Scharnitz erlaubt.

– Isar-Ranger und Naturschutzwächter sind über das Landratsamt unter der Telefonnummer 0 80 41/ 50 53 25 erreichbar.

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