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Zieht seine erste Jahresbilanz: Oberland-Werkstätten-Geschäftsführer Oliver Gosolits (re.) mit Claudia Mager, Vertreterin der Werkstattrats, und Peter Theodossiades, Mitarbeiter in der Kühlgerätemontage. 

Oberland-Werkstätten

Erstmals über 600 Mitarbeiter

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Gaißach – Die Oberland-Werkstätten haben 2015 einen Rekord aufgestellt: Erstmals arbeiteten in den vier Betrieben in Gaißach, Geretsried, Polling und Miesbach über 600 Menschen mit Behinderungen.

Fast ein Jahr ist Oliver Gosolits als Geschäftsführer der Oberland-Werkstätten im Amt. Im Sommer 2015 trat der 42-Jährige die Nachfolge von Martin Zeller an, der nach über 30 Jahren als Geschäftsführer in den Ruhestand ging (wir berichteten). Gerade bastelt Gosolits an seinem ersten Jahresbericht. Er sei gut aufgenommen worden, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker und studierte Sozialpädagoge. „Das erste Jahr hier war sehr interessant.“ Er sei in ein „stabiles Unternehmen“ eingestiegen. „Das gilt es jetzt, so weiterzuführen.“

Seine erste Geschäftsbilanz fällt jedenfalls schon einmal positiv aus. „Das Unternehmen steht gut da“, sagt er. „Dank der stabilen Auftragslage mit unseren langjährigen Geschäftspartnern erzielen wir konstante Erträge, die unseren Mitarbeitern voll zugute kommen und uns Planungssicherheit bieten.“ Insgesamt waren im vergangenen Jahr 601 Menschen mit Behinderungen und 140 Angestellte in den vier Betrieben tätig. Das Angebot an Arbeitsstellen ist dabei vielfältig. Neben Metall- und Holzarbeiten – die Garnituren im Reutberger Biergarten stammen beispielsweise aus den Oberland-Werkstätten –, gibt es zahlreiche Montageleistungen, die für Firmen im ganzen Oberland erledigt werden. Aber auch in den Werkstatt-eigenen Küchen und Wäschereien gibt es zahlreiche Arbeitsplätze. Die Gaißacher Wäscherei ist hygienezertifiziert, darf also für Kliniken und Pflegeheime waschen. 1,2 Tonnen Wäsche wird dort jeden Tag gereinigt. „Wir sind gut voll, hätten aber schon noch Kapazitäten“, so Betriebsleiterin Carolin König.

Der Umsatz der Oberland-Werkstätten belief sich im vergangenen Jahr auf 19 Millionen Euro. Die Hälfte stammte aus den Betreuungserlösen der öffentlichen Hand. „Die andere Hälfte haben wir selbst erwirtschaftet“, sagt Gosolits. Aufgrund des guten Ergebnisses der Oberland-Werkstätten erhalten die behinderten Mitarbeiter einen Werkstattlohn, der weit über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Es wurde aber auch wieder in die Betriebe investiert. Allein 1,4 Millionen Euro flossen in Neubau und Erweiterung der Schreinerei in Polling (Landkreis Weilheim-Schongau). Heuer möchte Gosolits die Barrierefreiheit in den Betrieben optimieren. Eine Behinderteneinrichtung, die nicht barrierefrei ist? Gibt’s das? Tatsächlich sorgen Brandschutzmaßnahmen manchmal für ziemliche Hürden. „Beispielsweise kann die schweren Brandschutztüren kein Rollstuhlfahrer öffnen“, sagt König. Das soll nun verbessert werden.

Ein weiteres Zukunftsthema sind fürs Gosolits Außenarbeitsplätze – also Jobs außerhalb der geschützten Werkstattumgebung, oft nah am ersten Arbeitsmarkt. Vor allem der Miesbacher Betrieb ist hier gut aufgestellt: Hier gibt es Außenarbeitsgruppen bei Zweckform und bei der Firma Europed/Oped, die Medizinprodukte herstellt und vertreibt. Hier im Landkreis gibt es einzelne Außenarbeitsplätze – beispielsweise beim Tölzer Betriebshof und in der Gaißacher Fachklinik. „Wir sind eigentlich gut aufgestellt“, sagt Gosolits. „Auch Vermittlungen auf den ersten Arbeitsmarkt sind schon gelungen.“ Natürlich sei diese Außenorientierung nicht für alle Mitarbeiter das Richtige, „aber für einige eben schon“.

Eine Herausforderung sei die Integration von Menschen mit Hirnverletzung in den Werkstätten-Alltag, sagt König. 25 Menschen aus dieser Zielgruppe arbeiten in Gaißach. Um für eine sinnvolle Integration sorgen zu können, müsse auch der Betreuer erst einmal verstehen lernen, „was in einem Menschen vorgeht, der eine Schädel-Hirnverletzung erlitten hat und was für eine „komplexe Aufgabe beispielsweise schon Kaffeekochen sein kann“. Größer wird bei den Oberland-Werkstätten auch die Gruppe der Mitarbeiter, die an einer psychischen Erkrankung leiden. Diese Menschen, die früher oft mitten im Berufsleben standen, „stellen auch höhere Anforderungen an die Arbeitsplätze“, erklärt König. Hier seien vor allem Computerarbeitsplätze gefragt.

Waren früher Zivis in den Oberland-Werkstätten im Einsatz, setzt man heute auf Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder im Bundesfreiwilligendienst. Das Problem: Es gibt kaum Bewerber. Im Moment ist in Gaißach nur ein FSJler im Einsatz. Auch für Herbst liegt König bislang nur eine Bewerbung vor. Weitere Interessenten, sagt die Betriebsleiterin, seien jederzeit herzlich willkommen.

Tag der offenen Tür

Jedes Jahr richtet ein Betrieb der Oberland-Werkstätten einen Tag der offenen Tür aus. Heuer ist Gaißach an der Reihe. Am Samstag, 11. Juni, können sich Interessierte von 11 bis 16 Uhr ein Bild von dem Betrieb an der Lenggrieser Straße 19 machen. Neben der Präsentation der Arbeitsbereiche gibt es Infos über die Werkstätten, die Außenarbeitsplätze und über das Thema Freiwilliges Soziales Jahr. Die Gaißacher Blasmusik sorgt für Unterhaltung. Dazu gibt es Kutschenfahrten, Führungen und ein Werkstattquiz. Fürs leibliche Wohl der Besucher ist gesorgt.

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