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Bei der WM in Dänemark gelangen Yasin Ehliz (Mitte, Nr. 42) drei seiner bislang 20 Länderspieltore – hier das 2:0 gegen Korea.

Saisonbilanz von Eishockey-Nationalspieler Yasin Ehliz

Olympia: „Das geilste Erlebnis, das ich je hatte“

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Olympia, Weltmeisterschaft, DEL – die Saison von Eishockey-Profi Yasin Ehliz war anstrengend, aber voller Höhepunkte. Unser Mitarbeiter Patrick Staar hat den 26-jährigen Gaißacher telefonisch beim Urlaub in der Türkei erwischt und die Saison Revue passieren lassen.

-Herr Ehliz, nutzen Sie die Sommerpause für einen Besuch bei Ihrer Verwandtschaft in der Türkei?

Nein, ich bin mit Sasa Martinovic (Iserlohn Roosters, d. Red.) unterwegs. Das war eine spontane Aktion. Wir haben am Samstag gebucht und sind am Sonntag losgeflogen. Wir sind nach Antalya geflogen, haben uns ein Auto genommen und sind über Fethiye und Marmaris an der Küste entlang gefahren. Jetzt sind wir in Bodrum angekommen. Es ist toll hier, wir haben ein super, super Wetter. Meine Familie ist im Landesinneren, wir sind am Meer.

-Nach so einer langen Saison haben Sie den Urlaub vermutlich dringend nötig...

Ja, auf jeden Fall. Es war schon anstrengend. Eine lange Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Das Abschalten jetzt tut schon gut.

-Was war für Sie der Höhepunkt?

Olympia war unglaublich. Das mit Abstand geilste Erlebnis, das ich je hatte. Allein schon die Silbermedaille mitzunehmen. Die Mannschaft hat sich immer besser verstanden, je länger das Turnier gedauert hat. Es war toll, was ich in Südkorea alles gesehen habe – die Organisation, das olympische Dorf, die Athleten. Ich hab’ viele von den Leuten getroffen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Mit Laura Dahlmeier hab ich zum Beispiel gesprochen. Der Trip war perfekt. Ich hoffe, dass noch mehr solche Momente kommen.

-Was war der Tiefpunkt der Saison?

Einen extremen Tiefpunkt hatte ich Gott sei Dank nicht. In Nürnberg war es insofern schwierig, weil in der Sturmreihe, in der ich sechs Jahre lang spiele, immer jemand verletzt war. Zusammengerechnet haben wir 38 Spiele verpasst. Ich habe deshalb immer in einer anderen Reihe gespielt. Deshalb war es schwierig reinzukommen. Es ist teilweise nicht so gut gelaufen, aber wir haben uns durchgekämpft.

-Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die Weltmeisterschaft zurück?

Es war schwer. Ein paar Jungs hatten ihre Karriere beendet, dann kamen die Absagen hinzu. Wir hatten ein paar Neue drin. Das war anfangs schwer, gerade gegen die Gegner, gegen die wir gewinnen hätten können. In den vergangenen Jahren ist es anders gelaufen. Da haben wir am Anfang immer gegen die Favoriten gespielt. Wir waren der Underdog, konnten befreit aufspielen und leichter ins Turnier reinfinden. Dieses Mal haben wir uns auch im Verlauf des Turniers gefunden, haben nach Verlängerung gegen Finnland gewonnen und einigermaßen ordentlich abgeschnitten.

-Vor der Weltmeisterschaft gab es extrem viele Absagen. Haben Sie dafür Verständnis?

Ich hatte mit den Jungs, die abgesagt haben, keinerlei Kontakt. Ich weiß nicht, ob sie Verletzungen haben. Es war eine lange Saison. Erst der Zweitages-Takt bei Olympia, dann kommst du mit Jetlag zurück, hast den ganzen Trubel, spielst jeden zweiten Tag Play-offs. Da kann es schon sein, dass der Körper mal müde wird. Ich bin froh, dass ich gesund geblieben bin und die Weltmeisterschaft noch spielen durfte.

-Weltmeisterschaft, Olympia, Liga-Spielbetrieb – ist es sinnvoll, so viel in eine Saison reinzupacken?

Es ist schon abartig viel. Mir selbst hat es nicht so viel ausgemacht. Ich fühle mich fit. Wenn man verletzungsfrei bleibt, schafft man das schon. Wenn man über die Saison verteilt kleinere Wehwehchen hat, ist es aber ekelhaft. In einer normalen Saison hat man Zeit, sich auszukurieren. Aber bei solch einem Spielplan ist das schwer. Ganz gleich, ob es sinnvoll ist oder nicht: Ich kann es nicht ändern, und daher muss ich es hinnehmen.

-Wie viele Spiele haben Sie in dieser Saison absolviert?

Exakt weiß ich es nicht. Aber ich schätze um die 90 mit Vorbereitung und Deutschland-Cup, Olympia, WM und WM-Vorbereitung.

-Bei der Weltmeisterschaft durften Sie mit Leon Draisaitl in einer Sturmreihe spielen. Wie haben Sie das empfunden?

Es war unglaublich. Leon kann unglaublich gut Eishockey spielen. Das macht Spaß. Wir haben anfangs nicht zusammengespielt. Aber dann lagen wir in Rückstand. Da hat mich der Sturmi (Bundestrainer Marco Sturm, d. Red.) während des Spiels zum Leon dazugestellt. Mei, und dann hatte ich das Glück, dass ich gleich zwei Tore geschossen habe. Ich konnte mit ihm weiter in einer Reihe spielen. Wir haben wieder ein paar Tore geschossen – das hat schon extrem Spaß gemacht.

-Welche Aufgabe hatten Sie in diesem Sturm?

Ich hab’ dem Leon den Puck zugespielt und mir einen Platz vor dem Tor gesucht und versucht, dem Torwart die Sicht zu nehmen. Leon hat zwei, drei Spieler auf sich gezogen, bis ich etwas mehr Platz hatte. Dann hat er mir den Puck wieder zurück gespielt. Ich hab’ gewusst, dass ich nicht großartig rumzulaufen brauche, weil der Leon alles macht. So habe ich bislang noch nie Eishockey gespielt. Aber es war ganz erfolgreich.

-Ist die NHL für Sie selbst ein Thema?

Auf alle Fälle, ja.

-Zeichnet sich schon was Konkretes ab?

Wenn ich die Chance kriege, würde ich rübergehen. Es gibt ja ein Abkommen zwischen NHL und DEL. Bis Mitte Juni kann man Spieler holen. Mal schauen, ob sich bis dahin was Konkretes ergibt.

-Wie lange machen Sie noch Sommerpause?

Letztes Jahr habe ich nach der WM zwei Wochen gar nichts gemacht. Heuer will ich drei Wochen gar nichts machen. Das brauche ich vom Körper und Kopf her. Ich weiß aber nicht, ob ich es so lange aushalte. Auf alle Fälle mache ich anschließend in Holzkirchen wieder mein übliches Sommertraining.

-Sie werden von der Verwandtschaft vermutlich immer bestens informiert, was in Tölz abläuft?

Ich telefoniere mehrmals täglich mit meinen Eltern. Sie erzählen mir alles, auch dass mein Onkel als Hauptsponsor eingestiegen ist. Das finde ich überragend. Tölz hat so in der nächsten Saison vielleicht die Möglichkeit, etwas weiter oben mitzuspielen. Das wär schön für Tölz. Generell sind wir mit unserer Familie gut im Tölzer Eishockey engagiert. Es heißt zwar Yasin-Ehliz-Cup, aber die ganze Familie hilft mit. Auch mit der Sportförderung versuchen wir, den Nachwuchs zu unterstützen.

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