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Reiche Ernte: Im Landkreis sind die Früchte allerdings noch nicht reif. 

Bäume sind überladen mit Früchten 

Reiche Ernte: Obstgärtner jubeln, aber Experten dämpfen die Euphorie

Auf den Frust im Vorjahr folgt heuer die Freude: Egal ob Äpfel, Birnen oder Quitten – die Obstbäume im Landkreis sind überladen mit Früchten. Hobbygärtner genießen das Ausnahmejahr, Experten dämpfen die Obst-Euphorie dagegen etwas.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Es war früh warm, ein später Frost blieb aus, seit Monaten ist es anhaltend sonnig: Das beschert heuer eine reiche Ausbeute. Die Äste an vielen Obstbäumen in den heimischen Gärten biegen sich unter ihrer süßen Last. Im Vorjahr sah das anders aus: Wegen der späten Frostperiode seien viele Blüten erfroren. „Die Bäume hatten in der Folge fast überhaupt keine Früchte“, erklärt Thomas Schuster vom Gartenbauzentrum Bayern Südwest, das mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen zusammenarbeitet.

Doch die Natur reagiert auf solche ertraglosen Jahre trotzig: mit einem sogenannten Mastjahr. Ein „sehr, sehr seltenes“ Phänomen, sagt Schuster. Deswegen haben die Bäume, vollgestaut mit vielen Reservestoffen, heuer umso mehr Blüten angelegt. Gepaart mit dem guten Wetter und einer „guten Befruchtung“ ergebe das den „extremen Fruchtbehang“, erläutert Schuster. Einziger Wermutstropfen: „Die meisten können mit einer solchen Obstschwemme nicht umgehen.“

Und das sonnige Ausnahmejahr hat noch weitere Schattenseiten. Die Quantität geht zulasten der Qualität, prophezeit Schuster. Gerade Äpfel könnten deutlich kleiner ausfallen als gewohnt und auch bei Weitem nicht so saftig schmecken. Pro Meter Obstholz, empfiehlt der Fachmann, sollten maximal fünf Äpfel hängen. Die sprichwörtliche Faustregel in diesem Fall: „Zwischen zwei Äpfel sollte immer eine Faust passen“, sagt Schuster, der dazu rät, den Fruchtbestand notfalls etwas auszudünnen, „um den Baum zu entlasten“.

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Genau das hat Martin Jost vom Apfel-Hofladen in Gaißach getan. Seine Bäume stehen auf den Wiesen der Sunntratn. „Wir hatten teilweise zu viele Äpfel dran, die zu dicht beieinander gewachsen sind.“ Damit sich die Früchte nicht gegenseitig in der Entwicklung behinderten, „musste ich ein paar händisch entfernen“, sagt Jost. Auf den kleinen Familienbetrieb wartet dennoch in diesem Jahr viel Arbeit: Die Ernte wird gut ausfallen. Die anhaltende Trockenheit sei zwar eine Herausforderung gewesen, „aber wir haben’s gut überstanden“.

Die Ernte beginnt in Gaißach trotz des Mastjahrs übrigens nicht früher. „Es hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht viel verändert. Wir starten Anfang September“, sagt Jost. Ob das Angebot an Marmeladen und anderen regionalen Nahrungsmitteln, die es ebenfalls in seinem Hofladen zu kaufen gibt, heuer reichhaltiger ausfallen wird, kann er noch nicht abschätzen. „Aber Schnaps wird es wahrscheinlich reichlich geben, weil es einfach sehr, sehr viel Obst gibt“, sagt Jost.

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Alois Willibald widerspricht: „Klar gibt es dieses Jahr mehr Obst. Aber die meisten Früchte, die zur Zeit runterfallen, sind ja noch nicht einmal reif. Also brennen wir nicht mehr als sonst,“ sagt der Austragsbauer zum „Paun“ in Wackersberg. Sein Schnaps wird aus Streuobst gebrannt.

Auf größeren Andrang stellt sich jedenfalls die Obstpresse vom Obst- und Gartenbauverein Königsdorf ein, die am morgigen Samstag mit dem Betrieb beginnt. „Letztes Jahr haben zwar alle Bäume prächtig geblüht, aber durch den späten Frost ist ja alles erfroren. Deswegen sind sogar die ganzen frühen Sorten ausgefallen“, erinnert sich Vorsitzende Katharina Demmel. „Heuer werden wir sicherlich mehr Kunden haben als letztes Jahr.“ Daher öffnet die Presse auch eine Woche früher als üblich. „Es wird auf jeden Fall eine sehr gute Ernte.“ Äpfel, Birnen und Quitten kann man in Königsdorf ebenso wie in anderen Landkreisorten zu Saft verarbeiten lassen.

Florian Prommer und Helena Dechentreiter

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