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Gerührt von der großen Anteilnahme: Die Gaißacherin Helmi Schonner hat ihre Eheringe verloren.

Wertvolle Erinnerungsstücke verloren 

„Schatzretter“ wollen Eheringe suchen

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Die Eheringe von Helmi Schonner und ihrem verstorbenen Mann Jakob symbolisieren eine Liebe, die Grenzen überwand und über ein halbes Jahrhundert währte. Umso schwerer traf es die Gaißacherin, dass sie die Ringe beim Gassigehen verlor. Bei der Suche erfährt sie nun viel Solidarität.

Gaißach– Die Resonanz ist groß: Vielen Kurier-Lesern geht die Geschichte von den verlorenen Eheringen der Gaißacherin Helmi Schonner nahe. Die „Redaktionsmaus“ hatte am vergangenen Dienstag davon berichtet, der Tölzer Kurier veröffentlichte den Suchaufruf zudem auf seiner Facebook-Seite. Von dort wurde er vielfach weiterverbreitet. So tat sich ein Hoffnungsschimmer auf: Die Interessengemeinschaft „Die Schatzretter“ hat kostenlose Hilfe angeboten.

Es passierte vermutlich an einem winterlichen März-Tag, als Heidi Schonner mit ihrem Hund spazieren ging. „An der einen Hand zog der Hund an der Leine, in der anderen hatte ich einen Stock“, berichtet die 79-Jährige. Unterwegs sei sie einmal kurz stehen geblieben, habe die Hand zwischen die Knie geklemmt und sich so den Handschuh abgezogen. Als sie nachmittags beim Einkaufen war, durchfuhr sie der Schreck: „Die Ringe sind weg!“ Sie habe ihren Spazierweg noch einmal abgelaufen. Von ihrem Zuhause in Gaißach-Dorf bei der Kirche war sie ein Stück den Weg entlang Richtung Greiling gelaufen. „Ich vermute, dass ich die Ringe in den Greilinger Filzen verloren habe“, sagt sie. „Todtraurig“ sei über den Verlust gewesen.

Als 14-Jährige verliebt sich die Berlinerin in ihren Skilehrer

Denn die Ringe mit der Inschrift „Helmi und Jakob 23.12.1960“ stehen für einen wichtigen Teil ihres Lebens. „Mein Mann ist 2004 gestorben“, berichtet die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Jakob Schonner war an Krebs erkrankt, Helmi pflegte ihn daheim, schloss ihm nach seinem letzten Atemzug die Augenlider und zog ihm den Ehering vom Finger. Fortan trug sie beide Ringe zusammen an der Hand.

Begonnen hatte diese Liebesgeschichte 1952 in Lenggries. Helmi war 14, ein Berliner Teenager, mit der Schulklasse unterwegs auf Abschlussfahrt. Es ging zum Skifahren aufs Brauneck. Dort war Jakob Schonner ihr Skilehrer. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. Mehr als ein „Geplänkel“ habe es in jenem Lenggrieser Winter nicht gegeben. „Aber von da an ging Post hin und her.“ Jakob Schonner arbeitete zwischenzeitlich als Schreiner in der Schweiz, schickte von dort Pakete. „1956 kam er dann nach Berlin und ist dort bei der Polizei eingetreten.“ 1960 heiratete das Paar. Doch den frischgebackenen Ehemann plagte das Heimweh nach Lenggries. Sich einfach so in den Isarwinkel versetzen zu lassen, war in der politisch bewegten Zeit nach dem Mauerbau aber alles andere als einfach. „Damals durfte kein Polizist raus aus Berlin“, erinnert sich Helmi Schonner. „Irgendwie hat es aber unter großen Schwierigkeiten doch geklappt.“ Jakob Schoner wurde Stadtpolizist in Bad Tölz. Seine Frau fühlte sich im Isarwinkel ebenfalls rasch heimisch. „Von Berlin wollte ich nie wieder etwas wissen.“

Nach dem Verlust der Eheringe dauerte es eine Weile, bis sich die 79-Jährige ein Herz fasste und den Tölzer Kurier kontaktierte. Dass nun so viele Menschen Anteil nehmen, findet sie „rührend“. Ein Gaißacher habe sie angerufen und versprochen, auf seinen Fahrradtouren Stopps einzulegen, um den Weg nach den Ringen abzusuchen.

Mit Detektoren auf der Suche nach Schmuck und Handy

Über Facebook ist außerdem Adrian Aigner aus München auf den Fall aufmerksam geworden – und bietet nun Hilfe an. Der 39-Jährige ist Hobbyarchäologe und mit etwa einem Dutzend Gleichgesinnter aus ganz Bayern in der Interessengemeinschaft „Die Schatzretter“ verbunden. „Das ist nicht der erste Ring, der beim Gassigehen verloren gegangen ist“, sagt er. Und es wäre auch nicht der erste, den Aigner und seine Mitstreiter wiederfinden. Zehn bis zwölf Auftragssuchen hätten die „Schatzretter“ (Motto: „Sie fluchen, wir suchen“) schon bewältigt. Trefferquote: 100 Prozent, so Aigner.

Ringe, Goldketten, Autoschlüssel: All das hat die Gruppierung schon mit Hilfe von Metalldetektoren aufgespürt – im Tausch für eine Brotzeit, Erstattung der Fahrtkosten und eventuell einen freiwilligen Finderlohn. Einmal habe ein Bauer gebeten, auf einem Kartoffelacker ein verlorenes Handy zu suchen, berichtet Aigner. Nebenbei erwähnte der Landwirt, dass hier sein Schwager sieben Jahre zuvor seinen Ehering verloren hatte. „Der Ring war das erste, was wir gefunden haben.“

Deswegen ist Aigner auch zuversichtlich, was Helmi Schonners Ringe betrifft. „Wenn wir das Gelände einigermaßen eingrenzen können“, sagt er, „ist es normalerweise eine Sache von etwa einer Stunde.“

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