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Seelsorge im Isarwinkel: Alles neu, nur wie?

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Von: Felicitas Bogner

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Über 5000 Gläubige zählt der Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern-Greiling. Wie es mit der Leitung des Pfarrverbands ab 2024 weitergeht, ist allerdings noch nicht klar. Das Gaißach will aktuelles Modell beibehalten Lenggries bleibt eigenständige Pfarrei
Über 5000 Gläubige zählt der Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern-Greiling. Wie es mit der Leitung des Pfarrverbands ab 2024 weitergeht, ist allerdings noch nicht klar. Das Gaißach will aktuelles Modell beibehalten Lenggries bleibt eigenständige Pfarrei © zeigt die Pfarrkirche St. Michael in Gaißach. foto:Arndt pröhl

Pastoraler Raum soll anders geordnet werden. Das bedeutet für einige Pfarreien und Pfarrverbände drastische Umbrüche. Auch der Isarwinkel ist betroffen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Seelsorgebereiche im Isarwinkel stehen vor einer grundlegenden Neuordnung. Das ist eine Herausforderung, immerhin herrscht in der katholischen Kirche ein eklatanter Priestermangel. Wie die Aufteilung und Organisation der Pfarrverbände hier künftig genau aussehen soll, steht noch nicht fest. Der Entscheidungsfindungsprozess dazu ist seit Februar im Gange. Dabei gibt es ein Novum: eine eigens eingerichtete Versammlung von Delegierten aus allen betroffenen Pfarreien, die über die Möglichkeiten einer Neuordnung diskutieren.

Sachsenkam hat aktuell keinen Pfarrer

Das ist auch dringend nötig. Denn: Sachsenkam steht als kleine – noch eigenständige – Pfarrgemeinde aktuell ohne Pfarrer da. In Lenggries wird sich bekanntlich Ende November Pfarrer Josef Kraller in den Ruhestand verabschieden. Und im Dezember 2023 läuft die Befristung des aktuellen Leitungsmodells im Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern-Greiling aus. Seit Ende Januar 2021 ist für diesen Pfarrverband Diakon Joachim Baumann als Pfarrverbandsbeauftragter und Leiter des Pfarrverbands eingesetzt. Priesterlicher Leiter ist der Priester im Ruhestand Quirin Strobl.

Pfarrverband ist mit Modell zufrieden, die Erzdiözese nicht

Damit waren viele vor Ort durchaus zufrieden. Das Ordinariat offensichtlich aber nicht. Eine Anfrage nach den genauen Gründen über das Auslaufen dieses Modells beantwortet die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariat München wie folgt: „Das Modell war als Übergangslösung gedacht. Gleichzeitig erging der Auftrag an die Region Süd, den pastoralen Raum neu zu ordnen.“

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Reichersbeuern, Barbara Landler, sagt: „Wir waren mit dem Modell überaus zufrieden. Aus welchen Gründen das Ordinariat es nicht mehr weiterführen möchte, versteht niemand.“

Hier pflichtet ihr Michael Danner, Pfarrgemeinderatsvorsitzender aus Gaißach, bei. „Alle würden sich wünschen, dass unser Modell bleibt. Es hat super geklappt, und die Gemeinden sind gut zusammengewachsen.“ Auch er verstehe die Entscheidung gegen die Verlängerung nicht.

Versammlung der Neugestaltung wird als positives Zeichen gewertet

Dennoch: Landler deutet die Einrichtung der Versammlung zur Neugestaltung als positives Zeichen. „Wir finden es schön, dass wir unsere Wünsche so an das Ordinariat herantragen können.“ Die Versammlung setzt sich aus einer Abordnung von haupt- und ehrenamtlichen Vertretern aller betroffenen Kirchengemeinden zusammen. Sprich: Seelsorgern und Pfarrgemeinderäten. Überdies sind Dekan Thomas Neuberger sowie die für den Süden zuständige Regionalreferentin des Weihbischofs Wolfgang Bischof, Andrea Martin, dabei.

„Wir werden die erarbeiteten Vorschläge an die Diözesanleitung weitergeben“, erklärt der Dekan. Er betont, dass es einen solchen Zusammenschluss noch nicht gegeben habe. „Ich sehe das als Reaktion auf das laute Rufen, dass die Leute vor Ort mehr in die Entscheidungen der Kirche eingebunden werden wollen“, meint er. „Es ist ein Versuch, den Wunsch nach einer modernen Handhabung ernst zu nehmen.“

Innerhalb des Pfarrverbands hat sich ein „Zukunftsteam“ gegründet

Dieses Vorgehen hält auch Diakon Joachim Baumann für richtig. „Wir befinden uns noch in einem offenen Prozess, daher kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel sagen“, meint er, stellt aber auch klar: „Es ist kein Geheimnis, dass die drei Gemeinden gut miteinader können und wir in der bisherigen Zeit pastoral einen Haufen weitergebracht haben.“

Auch innerhalb des Pfarrverbands habe man ein sogenanntes Zukunftsteam gegründet. „Es ist wichtig, dass wir uns intern besprechen, bevor wir mit anderen in Dialog treten“, erklärt Baumann.

Wie ernst werden die Vorschläge bei einer Entscheidung wirklich genommen?

Trotzdem betrachtet man im Pfarrverband die Teilhabemöglichkeit mit etwas Vorsicht: „Es bleibt immer noch ein Fragezeichen, wie ernst unsere Vorschläge bei der Entscheidung tatsächlich genommen werden“, betont Landler. Neuberger meint dazu: „Es ist wie in vielen Bereichen im Leben: Die Entscheidungen über die Leitung trifft am Ende nun mal die Leitung. Frau Martin und ich werden die erarbeiteten Ergebnisse nach München tragen. Alles Weitere liegt nicht in meinen Händen.“

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Bei den bisherigen zwei Treffen vor Ort sei deutlich geworden, dass die meisten nach wie vor klar gegen eine Wiedereingliederung der Isarwinkler Pfarreien nach Dietramszell sind. „Das ist schlicht zu weit weg“, ist Michael Danner überzeugt. Und auch Neuberger meint: „Es war kein großes Thema mehr, dass diese Option zur Debatte stünde.“

„Kollegiales Leitungsmodell“ mit Haupt- und Ehrenamtlichen wäre denkbar

Wenn dies vom Tisch ist und auch das momentane Pfarrbeauftragtenmodell keine Zukunft mehr haben soll, was dann? „Möglich wäre ein kollegiales Leitungsmodell“, so der Dekan. Das bedeute, dass ein Team von Haupt- und Ehrenamtlichen gemeinsam einen Pfarrverband leitet.

Dieses Modell gibt es im Landkreis zwar noch nicht, doch im katholischen Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus (Landkreis Rosenheim) werde es bereits praktiziert. Der Vorteil dieses Modells ist laut Neuberger beispielsweise, dass der Priester nicht zwingend Teil des Leitungssystems sein muss. „Nicht jeder Priester kann eine Pfarrei leiten“, erklärt er.

Was wird aus Piesenkam, wenn Sachsenkam in den Nachbarpfarrverband aufgenommen wird?

Überdies stehe noch in den Sternen, wie es mit Sachsenkam weitergehe. „Natürlich diskutieren wir, ob es Sinn macht, Sachsenkam in den Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern-Greiling aufzunehmen“, sagt Danner. „Aber da muss einiges noch geklärt werden, etwa, wie es mit Piesenkam weitergeht. Das ist eine Filialkirche von Sachsenkam, liegt aber im Miesbacher Landkreis“, schildert Danner. Neuberger bestätigt: Es steht noch eine Sitzung der Sachsenkamer aus. „Bei der kommenden Versammlung im Herbst wollen wir hierzu eine mögliche Lösung erarbeiten.“

Lenggries bleibt eigenständige Pfarrei

Darüber hinaus gibt es noch keine Infos, wer das Amt von Pfarrer Kraller übernehmen wird. „Klar ist aber, dass Lenggries groß genug ist, um selbstständig zu bleiben“, meint Neuberger. Hinterberger sagt: „Die Stelle von Pfarrer Kraller wird mit seinem Ausscheiden nahtlos nachbesetzt. Da das Verfahren noch läuft, kann ich noch keine Angaben machen, mit wem.“ Ob Quirin Strobl als Urlaubsvertreter St. Jakob erhalten bleibt, sei ebenfalls unklar. „Absprachen über Urlaubshilfen aus dem Inland trifft der Pfarrer vor Ort“, so Hinterberger. Kraller selbst möchte sich auf Anfrage unserer Zeitung noch bis Oktober nicht zu seinem Abschied äußern.

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