Mit der „Arrya“ geht es Anfang März über den Pazifik in Richtung Französisch-Polynesien.
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Mit der „Arrya“ geht es Anfang März über den Pazifik in Richtung Französisch-Polynesien.

Segeljungs aus Gaißach und Königsdorf: Bereit für Pazifik-Überquerung

Nach einem dreimonatigen Roadtrip durch die USA sind die Segeljungs aus Gaißach und Königsdorf wieder auf ihrem Boot, der Arrya. Momentan erkunden sie die Baja California in Mexiko und in ein paar Wochen steht die nächste große Etappe der Weltumrundung an: die Überquerung des Pazifik.

gaißach/Königsdorf – Seit Ende Oktober sind Vincent Goymann und Tim Hund wieder auf der Arrya. Davor reisten sie drei Monate durch den Westen der USA. Corona hatte den Segeljungs und ihren Reiseplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. So hatten sie sich kurz entschlossen in Los Angeles einen Van gekauft, ihn zum Reisemobil umgebaut und dann knapp 11 500 Kilometer durch verschiedene Bundesstaaten der USA zurückgelegt.

Nach dem USA-Trip froh, wieder auf dem Boot zu sein

Im Telefoninterview bereuen die beiden Weltumsegler diese Entscheidung nicht: „Der Trip war spannend und wir haben das Land gut kennengelernt. Vor allem landschaftlich war es toll“, erinnert sich Vincent Goymann. Unter anderem der Yellowstone-Nationalpark habe sie sehr beeindruckt. Die großen Städte hätten sie derweil gemieden, fügt Tim Hund hinzu. Wegen der Pandemie und den schwelenden „Black-Lives-Matter“-Konflikten hätten sie ihre Zeit lieber in der Natur mit ausgedehnten Wanderungen verbracht. Die zwei Freunde haben auch die Kehrseite der Medaille erlebt. „Der Überfluss, der dort herrscht, ist heftig, erzählt Goymann. „Das Land ist vom Kapitalismus überrollt.“

Segeljungs restlos begeistert von Baja California

Dennoch sei es wichtig gewesen, das einmal hautnah zu erleben, ergänzt Hund. Man habe sehr viele nette Menschen kennengelernt. Darunter seien auch leidenschaftliche Trump-Anhänger gewesen. „Und wenn man das vor Ort erlebt und die Lebensweise sieht, gibt das ein anderes Bild, als man es als Europäer hat.“ Nun sind die beiden Segler erst einmal froh, wieder auf dem Boot zu sein. In den vergangenen Wochen haben sie von La Paz aus intensiv die Baja California erkundet und sind von der Gegend restlos begeistert. „Die Baja hat uns überwältigt. Wir haben Wale und riesige Delfinschulen gesehen und beim Freitauchen sind uns unzählige Rochen begegnet“, erzählt Vincent Goymann.

Tim Hund am Steuer der „Arrya“.

Doch ganz ohne Probleme verlief auch die Zeit in Mexiko nicht: Vincent war Anfang Dezember umgeknickt und hatte sich dabei das Kreuzband gerissen. Der Königsdorfer flog umgehend in die Heimat, um sich behandeln zu lassen. Zurück nach Mexiko ging es dann aber doch schneller als gedacht: „Als ich von der Virus-Mutation aus England gehört habe, habe ich mir sofort ein Ticket gebucht und bin am 23. Dezember wieder nach La Paz aufgebrochen.“ Die Angst, in Deutschland festzusitzen, war dann doch größer.

Vincent Goymann ist guter Dinge.

Für die kommenden Wochen standen für die beiden Jungs weitere Segeltörns in der Baja California und zur Insel Socorro auf dem Programm. Sie soll ein Paradies für Taucher sein, und deshalb haben die beiden noch schnell in La Paz den Tauchschein gemacht. „Das war die letzte gute Gelegenheit, das zu erledigen“, erklärt Tim Hund. „Und wenn nicht hier, wo dann?“

Jetzt setzen sie die Segel Richtung Puerto Vallarta, ebenfalls Mexiko, wo sie die Arrya dann aus dem Wasser heben werden. Und das hat seinen Grund: Das Boot muss für die nächste große Etappe der Weltumsegelung vorbereitet werden. Im März, wenn die Wetterbedingungen besser werden, wollen sie die Pazifiküberquerung angehen. Für den knapp vier Wochen langen Trip muss alles an Bord passen.

Deshalb wird das Unterwasserschiff ausgebessert und mit einem neuen Anstrich versehen. Mehrere kleine Schweißarbeiten sind fällig und das komplette Boot soll aufgeräumt werden. Außerdem werden die Segeljungs noch zwei neue Solarpanele für die Stromversorgung montieren. Bevor es dann endgültig losgeht, steht auch noch ein Großeinkauf an. „Uns haben viele andere Segler geraten, etwas mehr mitzunehmen, da auf den Pazifischen Inseln vieles sehr teuer ist“, sagt Hund

Für den Trip über den Pazifik kommt Verstärkung

Angst vor der 3100 Seemeilen langen Überfahrt nach Nuku Hiva in Französisch-Polynesien haben Goymann und Hund nicht. „Die Reise von Panama nach Mexiko war da seglerisch anspruchsvoller, da wir in der tropischen Gewitterzone unterwegs waren“, sagt Hund. „Herausfordernd ist hier eher die lange Zeit auf dem Wasser.“ Vincent Goymann freut sich derweil auf den Langfahrtrhythmus: „Ich hab richtig Lust, ganz entspannt viele Bücher zu lesen und Musik zu hören.“

Für den Trip über den Pazifik haben sich die beiden übrigens Verstärkung besorgt. In einem Casting per E-Mail konnte man sich für einen von zwei Plätzen auf der Arrya für die Überfahrt bewerben. Bei einem abschließenden Telefonat entschied dann die Sympathie für die jeweiligen Kandidaten. Das hat für die Jungs den Vorteil, unter anderem die Nachtwachen auf See besser aufteilen zu können.

Tim Hund aus Gaißach beim Freitauchen in der Baja California: Mittlerweile haben die Segeljungs auch ihren Tauchschein gemacht. „Wenn nicht hier, wo dann?“, sagt Hund.

Sobald sie in Nuku Hiva angekommen sind, werden die Segeljungs mit ihren Mitseglern dort erst einmal die Inselwelt erkunden, ehe es dann weiter Richtung Tahiti geht. Auf lange Sicht bleibt es für Vincent Goymann und Tim Hund bei dem Ziel, die Welt einmal mit der Arrya zu umrunden. Was danach kommt, sei noch offen, sagt Goymann. Aber für ewig auf dem Boot zu bleiben, sei nicht geplant. „Wenn wir irgendwann wieder angekommen sind, geht ein neuer Lebensabschnitt los.“ (Arndt Pröhl)

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