1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Gaißach

So läuft der Betrieb in den Oberland-Werkstätten in Gaißach seit Ausbruch der Pandemie

Erstellt:

Von: Felicitas Bogner

Kommentare

In der Wäscherei in Gaißach wird mit Maske und Abstand wieder gearbeitet.
In der Wäscherei in Gaißach wird mit Maske und Abstand wieder gearbeitet. © Arndt Pröhl

Die Corona-Krise trifft Werkstätten für Menschen mit Behinderung hart. Sicherheit spielt hier eine essenzielle Rolle. In den Oberland-Werkstätten hat der Betrieb bereits seit einigen Monaten wieder Fahrt aufgenommen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Unter welchen Bedingungen in den Oberland Werkstätten nun wieder gewerkelt werden kann und vor welche Herausforderungen das Team durch Corona gestellt worden ist, erklären der Geschäftsführer Oliver Gosolits und Carolin König, die gemeinsam mit Alfred Tkaczik zuständig für die Betriebsleitung in Gaißach ist, im Interview mit unserer Zeitung.

Geschäftsführer der Oberland Werkstätten Oliver Gosolits
Geschäftsführer der Oberland Werkstätten Oliver Gosolits © arp

Herr Gosolits, hatten die Oberland-Werkstätten während des Lockdowns im Frühjahr überhaupt geöffnet?

Oliver Gosolits: Zu Beginn des Lockdowns wurden wir per Allgemeinverfügung geschlossen und hatten ein Betretungsverbot für Menschen mit Behinderungen.

Haben Sie Kontakt zu den Menschen während des Lockdowns gehalten?

Carolin König: Wir haben über den Rehadienst die meisten angerufen, haben teils über Facebook Kontakt gehalten und haben an manche alternative Lernbriefe rausgeschickt.

Telefonkontakt mit den Mitarbeitern während des ersten Lockdowns

Was haben Sie bei den Telefonaten für ein Feedback bekommen?

König: Die meisten haben sich gefreut, dass sie wen zum Reden haben. Es gab auch welche, die dann selbsttätig Kontakt zu uns gehalten haben. Wir hatten aber durchaus auch Rückmeldungen wie „Lass ma doch mei Ruah, was rufst denn schon wieder an.“

Wie liefen die ersten Wochen nach dem Lockdown ab?

Gosolits: Das Betretungsverbot wurde ab Mitte April nach und nach gelockert. Da konnten wir mit unseren Arbeitsgruppen, die in Kooperationsfirmen arbeiten, wieder starten. Ab 18. Mai konnten wir dann auch unsere Betriebe wieder öffnen und haben schrittweise angefangen, Menschen zu begleiten.

Werkeln und Waschen - trotz Corona

Wie hat sich die Auftragslage in den verschiedenen Bereichen geändert?

Gosolits: Im Pharmabereich ist es mehr geworden. Dort verpacken wir einzelne Pharmaprodukte und sind mit einer firmenintegrierten Gruppe auch bei Roche. Wir arbeiten mittlerweile auch für einen Hersteller für Händedesinfektionsgeräte. Weniger geworden ist es im Bereich Catering, da haben wir von heute auf morgen keine Essen mehr gekocht, da ja auch alle Schulen geschlossen worden sind. Im Bereich der Industriemontage ist es schwankend momentan.

Aktuelle Informationen zum Corona-Virus im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

Nach welchen Kriterien können Menschen mit Behinderung jetzt hier arbeiten?

Gosolits: Gesundheit, keine Risikovorerkrankung und das Einhalten unseres Hygiene- und Abstandskonzepts sind ausschlaggebende Kriterien. Personen, von deren Vorerkrankung wir etwas wissen, beschäftigen wir nur mit Attest vom Hausarzt.

Organisation der Mittagspause als große Herausforderung

Was sind die größten Herausforderungen seit Corona?

Gosolits: Die zwei Nadelöhre Sanitäranlagen und Speisesaal. Vor Corona hatten wir zwei Schichten beim Mittagessen und der Brotzeitpause. Jetzt ist das aufgrund der Abstandsgebote in vier Schichten aufgeteilt.

Welche Einschränkungen gibt es aktuell?

König: Wir haben viele arbeitsbegleitende Angebote ein- oder umgestellt. Zum Beispiel Fortbildungen oder persönlichkeitsbildende Kurse, die über den eigentlichen Arbeitsbereich hinausgehen. Dazu haben wir natürlich sämtliche Betriebsfeiern und Veranstaltungen eingestellt. Auch die überbetriebliche Zusammenarbeit der vier Betriebe und verschiedenen Bereiche mussten wir einstellen. Wir haben alle Therapien ausgebremst. Ab November starten jedoch wieder einige Therapien in extra Räumlichkeiten. Aber es gibt auch hier keine übergreifenden Angebote mehr.

Was hat sich geändert, seit sich die Corona-Lage wieder derart verschärft hat?

Gosolits: Wir wollten unseren Werksverkauf für Holzeigenprodukte wieder öffnen im November. Das können wir aufgrund der steigenden Zahlen nicht machen. Die Herstellung läuft aber weiter. Ansonsten hat sich wenig geändert. Wir leben nach wie vor unser Hygienekonzept.

Beziehungen leiden unter der Krise teils enorm

Was fehlt den Menschen am meisten?

König: Alles ist ruhig geworden. In den Pausen wurde früher an den Gruppentischen viel geredet und gelacht. Jetzt dürfen maximal zwei Personen auf Abstand an einem Tisch sitzen. Aber am schlimmsten trifft es Menschen, die hier zu jemandem aus einem anderen Bereich eine Beziehung führen. Sie dürfen sich hier dann nicht mehr treffen. Manche wohnen dann auch in verschiedenen Einrichtungen, damit ist ihre gesamte Verbindung seit Ausbruch der Pandemie auf Eis gelegt.

Lesen Sie auch: Falsches Gerücht um Tod durch Maske in Werkstätte für Menschen mit Behinderung im Tölzer Land: Wahrheitsgehalt gleich null.

Hatten Sie in solchen Fällen Probleme mit der Akzeptanz der Abstandsregeln?

König: Nein. Auch bei den Menschen, die Probleme haben, sich selber eine Maske aufzusetzen, gab es mit der entsprechenden Hilfe keine Probleme.

Hatten Sie seit Ausbruch der Pandemie einen Corona-Fall hier?

Gosolits: Bei den Menschen mit Behinderungen nicht, beim Personal zweimal. Da gab es aber zum Glück keine weiteren Ansteckungen.

Weitere Nachrichten aus Bad Tölz und Umgebung lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare