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Sparkassen-Schließung: Das zähe Ringen um den Gaißacher Geldautomaten

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Nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen Sparkasse und Raiffeisenbank. Die Zusage, dass Sparkassen-Kunden bei der Raiffeisen kostenlos Geld abheben können, wurde inzwischen zurückgenommen.
Nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen Sparkasse und Raiffeisenbank. Die Zusage, dass Sparkassen-Kunden bei der Raiffeisen kostenlos Geld abheben können, wurde inzwischen zurückgenommen. © Bannier

Der Rückzug der Sparkasse aus Gaißach schlägt weiterhin hohe Wellen. Der Gemeinderat beharrt auf einer Minimallösung und hat den Sparkassenvorstand nun zu einer Sondersitzung eingeladen. Die Sparkasse verteidigt ihr Vorgehen.

Gaißach – Die Filialen von Sparkasse und Raiffeisenbank sind in Gaißach-Mühl nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt. Die Sparkasse, die ihre Gaißacher Niederlassung nun komplett auflösen möchte – einschließlich des in einem Vorbau befindlichen Geldautomaten – wollte die Gemeinde und ihre Gaißacher Kunden anscheinend zunächst damit ködern, dass diese sich ihr Bargeld zukünftig gebührenfrei am Automaten der benachbarten Raiffeisenbank abheben können. Eine entsprechende mündliche Zusage hätten ihm Sparkassenvorstände in einem Gespräch am 20. Juli gegeben, versicherte Bürgermeister Stefan Fadinger in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Diese Zusage sei jedoch „wenige Tage darauf telefonisch wieder revidiert“ worden.

Gemeinde Gaißach beharrt auf einer Minimallösung im Dorf

Der Gemeinderat bekräftigte in der Sitzung noch einmal seinen im August gefassten Beschluss: Für die Schließung der Filiale zeigt das Gremium absolut Verständnis, beharrt jedoch auf einer „Minimallösung, die nicht utopisch ist“: dass nämlich ein Selbstbedienungsterminal mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker im kleinen Vorbau des Hauptgebäudes – das die Sparkasse zu rentablem Wohnraum umbauen möchte – erhalten bleibt. „Die Bürger erwarten das von uns“, betonte der Bürgermeister. „Wir dürfen das nicht kampflos hinnehmen“, ergänzte Renate Schlosser.

Kritikpunkt: „Gemeinden werden von oben herab behandelt“

Christopher Hummel kritisierte das „Gebaren der Sparkasse, ihre Kunden und die Gemeinde derart von oben herab zu behandeln“. Barbara Schmid wies darauf hin, dass es solche Selbstbedienungsterminals überall gebe, zum Beispiel an der Talstation der Brauneckbahn. „So teuer können die also gar nicht sein.“ Fadinger ergänzte, dass die Sparkasse solche Terminals und auch Kooperationen mit anderen Geldinstituten in vergleichbaren und sogar noch kleineren Gemeinden bestehen ließe.

Aus vertraulichem Gespräch soll öffentliche Sondersitzung werden

Fadinger hatte den Sparkassenvorstand unlängst zu einem Gespräch in eine Gemeinderatssitzung eingeladen. Der hat dieses Angebot „aus Termingründen“ abgesagt, im Gegenzug aber zu einem vertraulichen Gespräch am 26. Oktober in die Sparkasse eingeladen. Der Gemeinderat war jetzt jedoch der Meinung, dass dieses Thema von öffentlichem Interesse sei und deshalb in eine Gemeinderatssitzung gehöre. Daher hat Stefan Fadinger jetzt der Sparkasse eine Sondersitzung an eben diesem Termin vorgeschlagen. Von ihren Minimalforderungen möchte die Gemeinde dabei auf keinen Fall abrücken.

Sparkasse verteidigt Vorgehen und benennt Zahlen

Der Sprecher der Sparkasse, Willi Streicher, betont in einem Gespräch mit unserer Zeitung, dass es für den Rückbau des Geldautomatens in Gaißach-Mühl „mehrere gute Gründe“ gebe. Denn der Marktanteil der Sparkasse in Gaißach liege nur bei unterdurchschnittlichen 34 Prozent. Überhaupt nutzen nur 37 Prozent aller Gaißacher Sparkassenkunden diesen Automaten. Bei der Anzahl der Abbuchungen liege der Automat nur auf Platz 25 unter allen 27 Standorten im Landkreis. Grund dafür sei, dass die Kunden „an keinem anderen Standort so viele Alternativen“ hätten: „Obergrieser tendieren nach Lenggries, Untergriesern stehen Automaten in nahen Supermärkten zur Verfügung, wo man bei einem Einkauf den Automaten gebührenfrei nutzen kann, und von Dorf aus ist es zum Sparkassencenter am Bahnhof oder auf der Flinthöhe kaum weiter als nach Mühl.“ Die jährlichen Unterhaltskosten für einen Automaten lägen bei 20 000 Euro. Außerdem legt er allen Sparkassenkunden ans Herz, das Service-Center der Sparkasse (0 80 41/8 00 70) in Anspruch zu nehmen: „Dort kann man sogar telefonisch Geld bestellen, das gebührenfrei per Einschreibesendung zugestellt wird.“ (rbe)

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