Diese Statue des Heiligen Georg steht im Zentrum des von Johann Baptist Straub 1753 entworfenen Hochaltars in der Pfarrkirche Bichl.
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Diese Statue des Heiligen Georg steht im Zentrum des von Johann Baptist Straub 1753 entworfenen Hochaltars in der Pfarrkirche Bichl.

Drachentöter, Märtyrer und Nothelfer

Ab dem Georgitag dürfen Felder und Weiden im Tölzer Land nicht mehr betreten werden

Der Georgitag ist ein traditioneller Kirchtag. Dabei geht es vor allem um Bräuche und Bauernregeln. Vor allem in Gaißach und Arzbach wird er zelebriert.

Gaißach/Landkreis – Der heutige Freitag, 23. April, ist der „Georgitag“. In der Stadt wissen heute viele Menschen mit diesem Datum nicht mehr viel anzufangen. Doch bei der Landbevölkerung ist „Georgi“ als Kirchentag, um den sich Bräuche und Bauernregeln ranken, immer noch sehr präsent. Zudem beginnt für Ackerbauern rund um diesen Termin die Aussaat, für die Milchbauern im Oberland hingegen der Viehaustrieb auf die Weiden. Und damit verbunden ist auch die althergebrachte Regel, dass um Georgi die Felder und Weiden nicht mehr betreten werden dürfen.

Georgitag am 23. April

Der 23. April ist für Landwirte eine ungeschriebene Orientierungsmarke, aber kein fester Zeitpunkt. Der ehemalige Almbauernvorstand Georg Mair aus Gaißach sagt: „Wegen der milden Winter und der frühzeitig einsetzenden Vegetation kam das Vieh in den letzten Jahren schon früher auf die Weiden.“ Im zu kalten Frühjahr 2021 werde sich das deutlich verzögern: „Es gibt immer noch Nachtfrost und die Böden sind noch viel zu nass.“

Auch der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern weist in einer Mitteilung darauf hin, dass das Betreten landwirtschaftlich genutzter Flächen während der Nutzzeit verboten ist. Hier gilt die Zeit zwischen Saat oder Bestellung und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses. Der Stichtag zu Georgi habe traditionelle Gründe, entscheidend ist der Zustand der Vegetation.

Felder und Weiden dürfen um den Tag nicht betreten werden

In Bayern hat grundsätzlich jeder ein von der Verfassung garantiertes Betretungsrecht, um sich zu Fuß in der freien Natur zu erholen. Davon ausgenommen ist im Artikel 30 des Bayerischen Naturschutzgesetzes allerdings das Weideland während der „Zeit des Aufwuchses“, wie Joachim Kaschek von der Naturschutzbehörde im Landratsamt erklärt. Dann müsse man auf vorhandenen Wegen bleiben.

Die Zeitspanne wird im Gesetz nicht klar definiert, da sie je nach Witterung, Höhenlage und Himmelsrichtung abweichen kann. Es sei aber auch für Laien unschwer zu erkennen, ob auf einer Weide die Vegetationsphase bereits begonnen hat, betont Kaschek. Entsprechend sollten Erholungssuchende ihr Verhalten anpassen und Rücksicht nehmen. Das scheint laut Kaschek auch weitgehend zu funktionieren: „Mir sind in letzter Zeit keine größeren Streitigkeiten um diese Frage bekannt geworden.“ Ab Allerheiligen (1. November) dürfe man Weiden wieder betreten.

Der Viehaustrieb auf die Weiden beginnt für die Milchbauern rund um den 23. April. Felder und Weiden dürfen dann nicht mehr betreten werden.

Das vom Gesetz garantierte Betretungsrecht bezieht sich nur auf Fußgänger. Neue Vollzugsvorschriften des Bayerischen Umweltministeriums präzisieren laut Mitteilung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern auch die Rechtslage beim Fahren mit Fahrrädern und E-Bikes. Das Betretungsrecht gelte demnach auch für das Fahren mit Fahrrädern, wenn es der Erholung und nicht kommerziellen oder rein sportlichen Zwecken dient. Die Wege müssen zum Fahrradfahren geeignet sein, ein Querfeldeinfahren ist nicht erlaubt. Auch das Reiten abseits der Wege verstößt gegen das naturschutzrechtliche Betretungsrecht. Das Recht gilt auch für Pedelecs mit einem Elektromotor bis 250 Watt.

Bayerisches Naturschutzgesetz regelt Betretungsrecht

Das Betretungsrecht schließt das Hundeausführen ein. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen während der Nutzzeit, ohne Zustimmung des Grundstücksberechtigten, dürfen Hunde jedoch nicht ausgeführt werden. Unbedingt zu unterbinden ist es auch, dass nicht angeleinte Hunde dem Wild oder einer geschützten Tierart nachstellen.

Bekannt ist „Georg“ auch als Kirchen- beziehungsweise Namenspatron von zahllosen Kirchen, Klöstern und Schulen. Zudem finden Georgiandachten traditionell beispielsweise in Lenggries und Arzbach statt. Dem Heiligen Georg ist etwa auch die Pfarrkirche von Bichl geweiht, die ein großartiges barockes Kleinod ist. Georg wird als Drachentöter, Märtyrer und Nothelfer verehrt. Der Drache steht als Sinnbild für das personifizierte Böse – und im erweiterten Sinne auch für den lebensfeindlichen „Drachen Winter“: Georg bringt den von der dunklen Jahreszeit geschwächten Menschen, die früher sehr oft in schlecht beheizten Wohnungen erbärmlich gefroren haben, wieder die Wärme, das Wachstum und die Lebensgeister zurück. (R. Bannier)

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