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Die Kotzenalm wurde bis etwa 1960 bewirtschaftet.

Gaißacher plant Bewirtschaftung

Hat die verlassene Kotzenalm eine Zukunft?

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    Andreas Steppan
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Fall - Anton Gerg will ein Stück Almgeschichte wiederaufleben lassen. 50 Jahre, nachdem die Kotzenalm aufgegeben wurde, möchte der Gaißacher (61) dort wieder Vieh weiden lassen und eine Hütte errichten. Doch sein Vorhaben stößt auf Widerstände.

Nur noch ein paar Grundmauern erinnern an die Zeit, als Anton Gergs Großvater auf der Kotzenalm Milchviehwirtschaft betrieb. Anton war als Bub regelmäßig in den Ferien mit seinen Eltern auf der Alm. Er erinnert sich genau, wie es dort oben auf 1771 Metern aussah, auf dem Berg zwischen Sylvensteinsee, Schafreuter und Lärchkogel. Er packte mit an – so gut er das als Kind eben konnte. Für das Milchvieh, etwa 30 Tiere seien es gewesen, gab es einen Stall. Dort schlief der Bub im Heu. „Für mich ist es eine Heimat, die verloren gegangen ist“, sagt der 61-Jährige heute.

50 Jahre ist es jetzt her, dass Gergs Eltern die gepachteten Flächen aufgaben. „Damals war Milchwirtschaft in gewissen Höhenlagen einfach nicht mehr wirtschaftlich“, sagt der Gaißacher. Jetzt will er an die alten Zeiten anknüpfen und alles wieder so aufbauen, wie es einmal war. Eine einfache Hütte schwebt ihm vor, in der man kochen und schlafen kann. Im Sommer möchte der 61-Jährige das Jungvieh einer Freundin auf den Kotzen treiben und mit den Tieren auf dem Berg bleiben. Gastronomisch soll die Alm nicht bewirtschaftet werden.

„Mir ist bewusst, das ist viel Arbeit“, sagt Gerg. Er ist gelernter Landwirt und geht im Juni das zweite Mal als Hirte auf die Moosenalm. Der Kotzen ist nicht erschlossen, alle nötigen Dinge müssten zu Fuß hinaufgebracht werden. Laut Gerg dauert die Wanderung etwa eineinhalb Stunden. „Wenn ich es nicht mache und wieder 50 Jahre vergehen, wächst alles noch mehr zu, und ein Stück Almgeschichte geht verloren.“ Doch es ist nicht nur die Nostalgie, die ihn antreibt. „Es ist eine Kulturlandschaft, die man pflegen muss“, sagt der Landwirt.

Doch wie realistisch sind Gergs Pläne? Fragt man beim staatlichen Forstbetrieb nach, stehen die Chancen schlecht. „Aus meiner Sicht ist das Thema abgeschlossen“, erklärt Betriebsleiter Rudolf Plochmann. Gerg hatte sich an den Forstbetrieb gewandt, um von ihm die Almfläche zu pachten. Plochmann verweist aber darauf, dass das Weiderecht auf der sehr abgelegenen, wenig ertragreichen Fläche schon lange erloschen beziehungsweise abgelöst sei. Die Alm sei „extrem schwer zu erreichen“, nämlich ausschließlich über den kleinen Steg über die Dürrachklamm und einen schmalen Steig. Sowohl das Herrichten des Wegs als auch – und vor allem – der Bau einer Hütte seien „im Naturschutzgebiet ausgesprochen problematisch“. Außerdem führt Plochmann ins Feld, dass es sich um eine „relativ kleine Lichtweidefläche“ handle: „Was passiert, wenn das Vieh im Wald außenrum weidet? Das ist wegen der negativen Auswirkungen waldrechtlich ganz ausgeschlossen.“ Daher wolle der Forstbetrieb „der Idee nicht näher treten, solange kein völlig neuer Gesichtspunkt auftaucht“.

Diese Position ist mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt abgesprochen, wie deren Leiter Franz Steger bestätigt. Sein Amt habe auf eine Voranfrage Gergs geantwortet, dass man sein Vorhaben nicht unterstütze. Für eine Befreiung von naturschutzrechtlichen Verboten sieht Steger kaum Chancen. Dass die Almflächen wieder beweidet werden, sei durchaus sinnvoll. „Aber vielleicht sollte man schauen, ob man sie nicht vom Kotzen-Hochleger oder Niederleger aus beweiden kann oder das Vieh nur zeitweise auftreibt“, sagt Steger. Dann müsse keine neue Hütte gebaut werden.

Rückendeckung bekommt Gerg vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO). Dessen Vorsitzender Georg Mair aus Gaißach führt an, dass „der Kotzen ein Riesenberg ist, auf dem es nur zwei kleine Oasen gibt, die frei sind“. Da verbessere eine weitere beweidete Fläche das Landschaftsbild und sei auch förderlich für die Artenvielfalt von Vögeln und Schmetterlingen. Als Kompromiss könnte sich Mair vorstellen, dass man mit einem Bauwagen als Unterkunft anfängt und dann „schaut, wie es funktioniert“.

Auch Gerg hat noch Hoffnung. Ein Wegebau, sagt er, sei nicht nötig. „Es gibt auch andere unerschlossene Almen.“ Der 61-Jährige wünscht sich ein Gespräch an einem Runden Tisch.

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