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Große Beteiligung: Über 200 Gaißacher versammelten sich am Freitag auf einer Wiese bei Mühl, um als Statisten an der Nachbildung des Gemeindewappens teilzunehmen.

Wappen in Flammen

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Das Gaißacher Ortswappen überdimensional nachgebaut - dieses Projekt setzte Martin Oswald um. Und stieß damit auf viel positive Resonanz.

Gaißach – Die verrücktesten Ideen werden in Gaißach geboren. Beispiel: Das Schnablerrennen. Es ist schon ziemlich verrückt, sich auf einem Holzschlitten ohne Bremse einen steilen Hang hinunter zu stürzen und dann noch einen 20-Meter-Satz über eine Schanze zu wagen. Aber: Die verrücktesten Ideen machen auch am meisten Spaß. Und Spaß hatten die über 200 Gaißacher, die am Freitagabend auf einer Wiese im Ortsteil Mühl Statisten bei der Nachbildung des Gemeindewappens waren, ganz eindeutig.

Den ganzen Tag hatten Martin Oswald und seine Helfer am Ufer der Großen Gaißach gewerkelt. Zwei Holzstege mussten über den Bachlauf gebaut werden. Auf ihnen ruhten einige der Strohquader, die die Umrandung des Wappens bildeten. Dieses zeigt einen grünen Schild, einen silbernen Fluss und das Flammenschwert des heiligen Michael, dem Schutzpatron der Pfarrkirche. Am Freitag bestand das Schwert aus OSB-Platten, war 30 Meter lang, lag stabil über der Großen Gaißach und sollte natürlich auch irgendwann brennen.

Eigentlich hatten Oswald und sein Team geplant, am Schwertrand entlang eine Gasleitung zu verlegen. Aus kleinen Löchern in der Kupferleitung sollten die Flammen kommen. „Aber die hat der Wind immer ausgemacht“, schildert der 36-jährige Zimmerer das Problem. Eine Alternative musste her. Also wurden Dutzende mit flüssigem Brennstoff gefüllte Holzschalen am Rand aufgestellt – und die brannten tatsächlich ordentlich.

Nächstes Problem: Kurier-Fotograf Matthäus Krinner und sein Schwiegersohn Andreas Lehner, die mit ihrer Drohne die Luftbilder des 20 mal 30 Meter großen Wappens machen sollten, befürchteten, dass die Strohumrandung in der Dämmerung von oben kaum noch zu sehen sein würde. Verschiedene Beleuchtungsmethoden wurden in Erwägung gezogen. Auch die Sache mit den Holzschalen wurde ausprobiert. „Aber da brannte dann der ganze Ballen“, sagt Krinner schmunzelnd. Am Ende griff man dann doch lieber auf eine elektrische Lichterkette zurück.

Um 19.30 Uhr gab’s die ersten Probeaufnahmen. „Das schaut super gut aus“, lobte Oswald die Zuschauer, die sich um das Wappen gruppiert hatten. Lehner startete die Drohne, und sobald sie einige Meter über der Wiese war, rief Oswald: „Und jetzt alle Hände hoch und winken.“ Das klappte wunderbar. „Perfekt“, sagte Oswald, als der „Trockenlauf bei Tageslicht“ beendet war. Und auch Bürgermeister Stefan Fadinger war „ganz begeistert, wie gut das ausschaut“.

Dann wurde es richtig ernst. Und weil es immer gut ist, wenn man etwas göttlichen Beistand hat, wenn ein 30 Meter langes brennendes Schwert im Spiel ist, gab es einen Segen von Pfarrer Ludwig Scheiel. „Segne die Wiesen und die Wälder, das Wasser der Gaißach und das Regenwasser, das unsere Gegend fruchtbar macht. Und segne die Menschen, die hier leben, arbeiten und zur Schule gehen.“ Und Scheiel schloss mit den Worten: „Ich wünsche ein gutes Jubiläumsjahr.“ Schließlich feiert die Gemeinde heuer 1200. Geburtstag – der Anlass für die Aktion am Freitag.

Während sich die Dämmerung über Gaißach senkte, entzündete Oswald die Feuerschalen. Die Flammen loderten, die Drohne stieg leise surrend auf, die Zuschauer schalteten die Taschenlampen an ihren Handys ein, hielten sie nach oben und winkten, was das Zeug hielt. Wenig später löschte dann die Feuerwehr – sehr zur Freude der vielen Kinder – die Flammen, während Fotograf Krinner die ersten Luftbilder des Wappens auf einem Monitor zeigte. „Mei, schaut des schee aus“, waren sich alle einig. Oswald bat noch um einen großen Applaus für alle Helfer und verabschiedete sich dann mit den Worten: „Das war wieder mal der Wahnsinn. Goaßa is halt Goaßa.“

Das Gaißacher Wappen aus Feuer

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