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Wie aus Kleinholz wieder Schnabler werden

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Beim Schnabler-Rennen gab es heuer wieder jede Menge Kleinholz: 16 der 36 Hornschlitten sind nach dem Sprung über die Naturschanze am Gerstlandhang mehr oder weniger kaputtgegangen. Viel Arbeit also für Wagner Martin Kloiber und Schmied Georg Müller, die die Schnabler fürs nächste „Rennats“ wieder zusammenflicken.

Gaißach– Wenn Holzarbeiter aus der Region im Wald auf einen krummen Baum stoßen, bringen sie ihn zu Martin Kloiber. „Die denken gleich an mich“, sagt der „Kraudn-Martl“ und lacht. Der 56-Jährige schneidet aus den deformierten Baumstämmen nämlich die Hörner für die Schnabler, mit denen die Renn-Teilnehmer den Lehener Berg hinabrasen und den Sprung über die Naturschanze wagen.

„Wählerisch kann ich nicht sein“, sagt Kloiber. Egal ob Esche, Ahorn, Buche oder Ulme: Die Bäume müssen rund gewachsen sein, sonst kann der 56-Jährige nicht damit arbeiten. Meistens ist es übrigens der Schneedruck, der die Stämme derartig verformt, dass sie sich als Hörner eignen.

Heuer muss Kloiber nur drei Hörner austauschen, beim letzten Rennen vor zwei Jahren waren es gleich zwölf. Da kam es dem Wagner sehr zugute, dass er hinter seiner Zimmerei in Lehen immer einen Vorrat an passenden Baumstämmen auf Lager hat. Schließlich muss das Holz zwei Jahre lang trocknen, ehe es der Zimmerer bearbeiten kann. „Vorbereiten kann ich trotzdem nichts“, erklärt Kloiber. Denn jeder Schnabler sei ein Unikat mit seinen ganz eigenen Maßen. „Schon jeder Haxn ist anders“, sagt Kloiber mit Blick auf die Verbindungsstücke zwischen Sitzfläche und Kufen, die nach dem Sprung über die Schanze am häufigsten brechen. Wenn es die bis zu 100 Jahre alten Schmuckstücke zu Kleinholz zerlegt, „tut das schon ein bisschen weh“, gibt Kloiber zu, der selbst zwölfmal an den Start gegangen ist.

Auch Georg Müller ist früher bei dem Gaudi-Rennen mitgefahren, das jedes Mal tausende Besucher nach Gaißach lockt. Seit gut 20 Jahren kümmert er sich nun aber zusammen mit Kloiber darum, dass die Schnabler bis zum nächsten „Rennats“ wieder einsatzbereit sind. „Wir haben das damals zusammen übernommen“, erzählt der 52-Jährige. Während sich Kloiber um die Reparaturen am Holz kümmert, ist der Schmied für die Eisenbeschläge zuständig.

Die Zugnägel zum Beispiel, mit denen die Beschläge am Schnabler befestigt werden, stellt Müller selbst her. „Die kann man nicht kaufen“, sagt der „Jagger“ und zieht ein glühendes Stück Eisen aus dem Feuer, das er mit ein paar geschickten Hammerschlägen auf den Ambos in einen solchen Nagel verwandelt. 1200 Grad, schätzt Müller, hat das Material, wenn er es bearbeitet. Wie man einen Schnabler richtig beschlägt, hat ihm niemand gezeigt. Wie Kloiber hat er sich sein Wissen selbst angeeignet.

Als der Schnabler-Verein damals jemanden gesucht hat, der die kaputten Hornschlitten wieder auf Vordermann bringt, war es für beide selbstverständlich, diese Aufgabe zu übernehmen. „Das ist Ehrensache“, sagt Kloiber, und Müller nickt. Wie viel Freizeit sie dafür opfern, können beide nur schwer abschätzen. „Das hängt immer davon ab, was kaputt ist“, sagt Müller, der immer dann an den Schnablern arbeitet, „wenn Zeit ist“. Kloiber widmet sich vor allem bei schlechtem Wetter den Hornschlitten, mit denen einst Holz und Heu ins Tal gebracht wurden.

Die Materialkosten für die Reparatur der kaputten Schnabler übernimmt der Schnabler-Verein. 4000 Euro, schätzt dessen Vorsitzender Georg Fischhaber, gibt der Verein im Schnitt nach jedem Rennen für Holz und Eisen aus. Müller und Kloiber bekommen kein Geld für ihre Arbeit, nur eine Brotzeit und eine oder zwei Halbe Bier. Das, sagt Kloiber verschmitzt, sei Lohn genug.

So wird aus Kleinholz wieder ein Schnabler

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