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Der neue Flugsimulator ist der ganze Stolz von (v. re.) Tom Griesbeck, Vize-Geschäftsführer der Bergwacht Bayern und Gründungsvater des ZSA, Wolfgang Buchner, Vorsitzender der Stiftung Bergwacht, sowie Elektotechniker Georg Emmenberger und Produktmanager Franz Pflug von der österreichischen Firma AMST-Systemtechnik, die den „Rescue Hoist Trainer“ gebaut hat. Damit stehen den Rettungskräften künftig zwei Flugsimulatoren im ZSA zur Verfügung.

Bergwacht-Zentrum

Zweiter Flugsimulator setzt neue Maßstäbe

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Gaißach - Weit über eine Million hat der Flugsimulator gekostet, der nach zweieinhalbjähriger Entwicklungsphase nun endlich im Bergwacht-Zentrum Gaißach hängt. Das weltweit einzigartige Gerät ermöglicht es den Rettungskräften, sich unter absolut realistischen Bedingungen auf den Ernstfall vorzubereiten.

Der Jungfernflug war ein voller Erfolg, die technische Übernahme Anfang der Woche ist reibungslos über die Bühne gegangen. Jetzt fehlt nur die Abnahme durch den TÜV, dann dürfen ab März die ersten Rettungskräfte testen, ob der neue Flugsimulator im Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) in Gaißach tatsächlich hält, was er verspricht.

Für den Vize-Geschäftsführer der Bergwacht Bayern, Tom Griesbeck, steht dagegen jetzt schon fest: „Unsere Erwartungen sind massiv übertroffen worden.“ Und das liegt nicht nur an der Sitzheizung, für die die Rettungskräfte während der oft mehrstündigen Übungseinheiten in der unbeheizten Halle künftig sehr dankbar sein dürften. Per Touchscreen können die Rettungskräfte nun einstellen, mit welchem Modell sie trainieren wollen. Egal ob der leichte Mehrzweckhubschrauber EC 155 oder der militärische Transporthelikopter NH 90 – der neue „Rescue Hoist Trainer“ kennt sie alle.

Dabei handelt es sich um eine bedeutende Innovation im Vergleich zum alten Flugsimulator: Denn im ZSA trainieren nicht nur die Mitglieder der Bergwacht, sondern auch andere Einsatzkräfte wie zum Beispiel Angehörige der Bundeswehr oder von Spezial-Einsatzkommandos von Bundes- und Landespolizei. Sie alle verwenden unterschiedliche Hubschrauber-Modelle für die Berg- und Luftrettung – üben konnten sie bislang aber nur an ein und demselben Modell.

Ein weiterer Pluspunkt des neuen Flugsimulators, der mit 6,5 Metern Länge und 2 Metern Breite deutlich größer ist als der erste: Er verfügt nicht nur auf einer, sondern auf beiden Seiten über eine Winde. Beide sind schwenkbar. So können die Einsatzkräfte das Aufwinschen eines Verunglückten auf alle möglichen Arten nachstellen. „Damit sind wir unserem Ziel, so nah wie möglich an der Wirklichkeit dran zu sein, wieder ein Stück nähergekommen“, freut sich Griesbeck.

Die starken Ventilatoren, die sich nun ebenfalls an beiden Seiten der Zelle befinden, tun ihr Übriges: Durch den erzeugten Wind haben die Rettungskräfte nämlich das Gefühl, als seien die Rotoren des Helikopters tatsächlich in Betrieb. Sogar einen entsprechenden Geräuschpegel kann der neue Flugsimulator erzeugen.

Entwickelt und gebaut hat ihn die österreichische Firma AMST-Systemtechnik. Das Unternehmen aus Ranshofen überlässt die Zelle dem ZSA unentgeltlich. Anders wäre es auch nicht gegangen: „Wir hätten uns den Simulator nicht leisten können“, betont Wolfgang Buchner, Vorsitzender der Stiftung Bergwacht, der das ZSA gehört und die es auch betreibt. Denn das Unikat kostet laut „AMST“-Produktmanager Franz Pflug weit über eine Million Euro. „Das ist doppelt so viel, wie wir gedacht haben“, verrät Pflug.

Mit der technischen Übergabe Anfang der Woche ist die Zusammenarbeit aber noch lange nicht vorbei: So wird die Firma AMST das Gaißacher Bergwacht-Zentrum künftig dazu nutzen, um potenziellen Kunden ihren neuen, weltweit einzigartigen Flugsimulator zu präsentieren. Kommt es zu einem Vertragsabschluss, fließt ein gewisser Geldbetrag an die Stiftung Bergwacht, der die Lizenz gehört und die so wiederum ihre Umbaupläne finanzieren will.

Wie berichtet plant die Bergwacht, das ZSA in südlicher Richtung zu erweitern. Quasi auf der Verlängerung des Parkplatzes zur Jugendherberge hin soll ein neues Gebäude entstehen, in dem die Unterrichtsräume, die Verwaltung und die Tölzer Bergrettungswache unterkommen könnten. Letztere befindet sich ebenso wie die Verwaltung momentan noch in den Containern neben dem ZSA. „Ich hoffe, dass wir in zwei oder drei Jahren anfangen können“, sagt Stiftungsvorsitzender Buchner.

Zunächst sollen aber die aktuellen Umbauarbeiten abgeschlossen werden. 400 000 Euro hat die Stiftung Bergwacht in die Hand genommen, um unter anderem im Norden der Halle einen Neubau zu realisieren. Dort sind zum Beispiel ein Kontrollraum, ein Materiallager samt Ausgabe sowie Umkleidemöglichkeiten und ein medizinischer Notfall-Raum entstanden. Auch eine acht Meter hohe Kälte-Kammer ist geplant, wo die Rettungskräfte bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad das Abseilen an einem Eisberg über längere Distanzen werden üben können.

Der Freistaat Bayern fördert den Umbau mit 3,6 Millionen Euro. Deshalb erwartet die Bergwacht zur offiziellen Wieder-Einweihung am 8. April auch Innenminister Joachim Herrmann.

Theoretisch hätte der Termin schon Anfang März sein können, wenn das ZSA wieder für den Trainingsbetrieb geöffnet wird. Doch Herrmanns Terminkalender war zu voll. „Wenn wir schon so viel Geld vom Freistaat bekommen“, sagt Buchner, „wollten wir auch warten, bis der Minister Zeit hat.“

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