Gedächtnisverlust nach Sturz: Bergwacht rettet Eiskletterer

Lenggries - Ein orientierungloser Eiskletterer löste am Sonntag eine Suchaktion aus. Der Mann war nach einem Sturz besinnungslos geworden. Als er wieder zu sich kam, wusste er nicht, wo er war.

Es war am Sonntag gegen 16.30 Uhr, als der Notruf des in München wohnenden 29-jährigen Engländers bei der Polizei einging. Er gab an, gerade aus einer tiefen Bewusstlosigkeit erwacht zu sein. Er habe eine Kopfverletzung und könne sich nicht mehr daran erinnern, in welchem Gebiet er sich befinde. Während die Polizei die Handydaten auswertete, fuhr die Lenggrieser Bergwacht bereits die bekannten Eisklettergebiete an. "So viele gibt es hier ja nicht", sagt Bergwacht-Sprecher Ralf Zimmermann. Auch von einem Bundeswehrhubschrauber aus wurde mit Hilfe der Wärmebildkamera der Lenggrieser Feuerwehr gesucht.

Im Bereich des Schergenwieser Bergs nahe dem Sylvensteindamm entdeckten die Retter schließlich Lichtsignale. Der Mann habe außerdem über Handy seine Umgebung beschrieben, was den Aufenthaltsort weiter eingrenzte, so Zimmermann.

Zwei Rettungsmannschaften machten sich gemeinsam mit dem Bergwachtarzt zu Fuß auf in Richtung Einsatzgebiet. Die Retter entdeckten den Verletzten schließlich in einer etwa 30 Meter tiefen Eisrinne.

Schnell war klar, dass eine Rettung des 29-Jährigen vom Hubschrauber aus nicht möglich ist. "Das Gelände ist dort leicht überhängend", erklärt Zimmermann. Also wurden ein Bergretter und der Notarzt in die Rinne abgeseilt, die sich um die medizinische Ersversorgung kümmerten. Der Eiskletterer hatte neben einer Gehirnerschütterung und einer Platzwunde auch noch eine Knieverletzung. Ein Abstieg aus eigener Kraft war für ihn unmöglich.

Der Verletzte wurde schließlich mit einem Seil aus der Rinne gezogen. "Zuerst sollte er am Boden zum Jeep gebracht werden. Allerdings hätten dafür doch einige Höhenmeter zurückgelegt werden müssen. Deshalb hat man sich doch für den Hubschraubertransport entschieden", erklärt Zimmermann. Dafür musste allerdings in dem nahezu weglosen Gelände erst einmal eine geeignete Stelle gefunden werden. Zudem war es mittlerweile stockdunkel. Die Feuerwehr kümmerte sich deshalb um die Ausleuchtung des Platzes, der Hubschrauber nahm den Verletzten mittels Seilwinde auf und brachte den jungen Mann zum nächsten Landeplatz.Von dort transportierte ihn der Rettungsdienst in die Asklepios-Stadtklinik.

Für die Helfer war damit der Einsatz aber noch nicht beendet: Der verletzte Sportler konnte nämlich nicht mit Sicherheit sagen, ob er allein oder in Begleitung unterwegs war. Deshalb wurde das Gebiet bis etwa 21.30 Uhr vom Hubschrauber aus großflächig abgesucht – ohne Ergebnis. Zwischenzeitlich hatte die aber Polizei ermittelt, dass der Mann tatsächlich allein beim Klettern war. Er hatte beim Zustieg zu einem gefrorenen Wasserfall den Halt verloren und war abgestürzt.

Veronika Wenzel

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