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Auch eine Rotbuche im Rosengarten war eine Station bei der BN-Exkursion. Die Teilnehmer nahmen Maß, um den Umfang des imposanten Baums zu ermitteln.

Spaziergang mit dem Bund Naturschutz

Wie gelingt die Renaissance des Badeteils?

Bad Tölz – Alte Bäume, Gabriel von Seidl und das Tölzer Badeteil: Dass diese drei Begriffe im Zusammenhang stehen, zeigte eine Exkursion, zu der der Bund Naturschutz eingeladen hatte.

20 Teilnehmer folgten den Spuren des bekannten Architekten, erfuhren auf der Wegstrecke viel Interessantes über verschiedene Baumarten und begutachteten außerdem die bauliche Entwicklung des Kurviertels.

Referent dieses gemischt biologisch-stadthistorischen Spaziergangs war der Tölzer Diplom-Biologe Stefan Burger. Mit dabei waren nicht nur biologisch Interessierte, sondern auch Anwohner, Vertreter des Stadtrats sowie des „Freundeskreises Badeteil“, der bereits seit einiger Zeit das dortige Baugeschehen mit Sorge verfolgt.

Gleich zu Beginn ging es zu einer Reihe imposanter Schwarzkiefern am Max-Höfler-Platz. Als Manko wurde dabei bemängelt, dass Bad Tölz keine Baumschutzverordnung hat – was viele Leute quasi auf die Palme bringt. „Man fürchtet wohl zusätzliche Bürokratie und zusätzliche Hürden bei Bauvorhaben“, kommentierte Burger. Weil man nicht wollte, dass die Bäume gegenüber der Tourist-Info weichen müssen, habe die Stadt Tölz immerhin von der „großen“ Lösung beim geplanten Kreisverkehr am Max-Höfler-Platz Abstand genommen, erklärte Grünen-Stadtrat Richard Hoch. Die Baumgruppe sei außerdem als Naturdenkmal geschützt.

Weiter ging es über Badstraße und Rosengarten zur Franziskanerkirche. Dort erfuhren die Teilnehmer Interessantes zur türkischen Baumhasel, zu Rotbuche, Ulme, Lärche und Robinie.

Am Gabriel-von-Seidl-Weg oberhalb des Parkhauses stieß sich die Runde an dem Vorhaben, dass ein einst vorgesehener Ruheort für die Anwohner – ein kleines Rasendreieck mit gepflanzter Winterlinde – einer Tiefgarageneinfahrt für ein geplantes Wohnhaus weichen müsse. Am schmuckvollen Seidl-Feldkreuz hinter dem Parkplatz Arzbacher Straße schlug Burger den Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er brachte die „drastischen Folgen“ zur Sprache, die die Aufhebung des Sondergebiets Badeteil nach sich gezogen habe. Es sei zu wünschen, dass bei allem Fortschritt das Gesicht des gewachsenen Viertels erhalten bleibe. Allgemeiner Tenor der Gruppe allerdings war, dass hier wohl der Wunsch nach einer maximalen Verwertung des Badeteils Priorität habe.

Anton Hoefter, Besitzer des Alpamare-Areals, des Jodquellenhofs, der Wandelhalle sowie etlicher anderer Grundstücke würde mit seinen massiv vorangetriebenen Wohnungsbauvorhaben für reichlich Unmut sorgen. „Gespräche zwischen Hoefter und der Stadt Bad Tölz finden nicht mehr statt“, so Hoch. Er plädierte allerdings dafür, so lange mit Hoefter zu verhandeln, bis es zu einer Lösung komme, notfalls auch mit einem Mediator. Andernfalls könne es in Tölz leicht zu einem „zweiten Bad Heilbrunn“ kommen, sprich einem totalen Stillstand. „Die intensive Bebauung muss verhindert werden,“ so Hoch. „So, wie es jetzt ist, ist eine Renaissance des Badeteils jedenfalls nicht möglich“, so Burgers Meinung. Hier schlugen die Emotionen bei der Exkursionsgruppe hoch. Von fehlenden Bebauungsplänen, nicht zu verstehenden Entscheidungen seitens der Stadt und einer zunehmenden „Gesichtlosigkeit“ war die Rede und davon, dass man eine sinnvolle Nutzung mitgestalten wolle.

Dass es zwischen den vielen „beliebigen“ Neubauten, die mittlerweile an der Wilhelmstraße, am Berliner Platz und im Herderpark stehen, auch noch Original-Seidl-Kleinode gibt, wurde dann am „Haus Thorstein“ am Kogelweg gezeigt. Dicht eingezwängt zwischen Wohnbau und dem Kurhotel Frisia wirkt es mit seiner in typischer Seidl-Bauart gestalteten Fassade wie aus der Zeit gefallen. Umso deutlicher wird dadurch der Unterschied zwischen Seidls Baukünsten mit unzähligen liebevollen Details und zweckmäßig modernen Bauten.

Einen weiteren Aspekt erwähnte Diana Meßmer, Umweltbildungsreferentin beim Bund Naturschutz: „Indem man eine schöne Umgebung erhält, mit ortsprägenden Elementen und lebendiger Natur, erhält man auch die Gesundheit des Menschen. Deswegen ist hier Naturschutz gleichzeitig auch Menschenschutz.“

Ines Gokus

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