Maria Gmach merkt, dass kaum mehr Laufkundschaft in der Marktstraße unterwegs ist.
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Maria Gmach merkt, dass kaum mehr Laufkundschaft in der Marktstraße unterwegs ist.

Corona-Auswirkungen

Geschäfte in der Tölzer Marktstraße leiden teils unter der Schließung der Gastronomie

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr sind bei dem aktuellen Teil-Lockdown noch alle Geschäfte offen. Doch die geschlossene Gastronomie hat in Bad Tölz auch Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten der Menschen.

Bad Tölz – Die Samstage in der Tölzer Marktstraße sind nicht mehr wie früher. Auch wenn alle Läden – ob Kleidung, Deko oder Lebensmittel – geöffnet sind, es wird nicht mehr so ergiebig geshoppt wie sonst üblich. Die geschlossenen Cafés und Restaurants scheinen einen gemütlichen Bummeltag in der Altstadt unattraktiv zu machen. Das merken die Tölzer Einzelhändler deutlich.

„Für viele Geschäfte verheerend“

Maria Gmach ist Filialleiterin der Boutique Sara Boni. „Wir merken es stark, dass keine Urlauber und viel weniger Münchner und Österreicher in der Stadt unterwegs sind“, sagt sie. Eigentlich sei das Damenbekleidungsgeschäft ein „recht beliebter Laden in der Marktstraße“, doch seit den neuen Corona-Auflagen seien beinahe nur noch Einheimische hier. „Die sind für uns auch sehr wichtig, aber allein von den Einheimischen können wir nicht leben“, stellt Gmach fest. „Dadurch, dass auch alle Cafés geschlossen haben, kommen nur noch wenige zum Bummeln vorbei.“ Die fehlenden Gäste in Kombination mit der Konkurrenz des Online-Handels sei für viele Geschäfte verheerend, so Gmach. Zusätzlich falle auf, dass fast niemand mehr schickere Kleidungsstücke kaufe. „Das braucht ja aktuell auch niemand, es gibt keine Anlässe oder Veranstaltungen mehr, für die man sich was Schönes zulegt.“

Kaum Laufkundschaft in der Marktstraße

Claus Janßen betreibt sowohl eine Gastronomie als auch einen Einzelhandel. Während er seine Weinstube schließen musste, verkauft er im vorderen Bereich seiner Weinhandlung Schwaighofer noch weiter Weine und Schnäpse. Auch er stellt fest, dass „wesentlich weniger Tagesausflügler als sonst unterwegs sind“. Auch der Ausfall von Leonhardi habe sich deutlich bemerkbar gemacht. „Es kommen aber nach wie vor meine Stammkunden“, sagt Janßen. Dass die Leute nicht mehr ausgehen können, sorgt in seinem Laden für mehr Geschäft. „Die Kunden kaufen mehr Wein für zu Hause ein.“ Positiv sei auch, dass er im Sommer ein „recht gutes Geschäft“ gemacht habe. Aber dennoch: „Den Ausfall vom Lockdown im Frühjahr kann das nicht ausgleichen.“

Claus Janßen musste seine Weinstube schließen. Für zu Hause nehmen die Kunden aber gerne noch was mit.

Weniger betroffen ist auch der Tölzer Kasladen in der Marktstraße. Verkäuferin Sabine Maiß macht ähnliche Beobachtungen wie Janßen. „Es kommen im Durchschnitt weniger Kunden, aber die kaufen mehr und hochwertiger ein.“ Man merke, dass viele sich nun „kulinarisch schöne Abende zu Hause machen“. Generell sei es unter der Woche etwas ruhiger geworden, „aber an den Wochenenden merken wir kaum einen Unterschied“, meint Maiß. „Das ist, denke ich, das größte Glück der Lebensmittelgeschäfte.“

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Sabine Maiß bedient etwas weniger Kunden, doch die kaufen seit einiger Zeit umso mehr ein.

Im Gegensatz dazu ist die Lage für Joachim von Wittgensteyn-Krauses Dekorationsgeschäft „Casa Culinara“ eine „blanke Katastrophe“. Zum einen würden die Touristen fehlen, zum anderen mache der Teil-Lockdown das Shopping-Erlebnis zunichte. Besondere Sorgen macht von Wittgensteyn-Krause die Absage des Christkindlmarkts. „Das Ostergeschäft ist schon komplett ausgefallen, nun auch noch Weihnachten, das sind meine Hauptgeschäftszeiten“, sagt der Ladeninhaber verzweifelt.

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„Einzelhandel wird von Politik stiefmütterlich behandelt“

Generell rentiere es sich aktuell wirtschaftlich kaum. den Laden offen zu haben. „Aber wenn ich schließe, denkt jeder, ich hätte es nicht nötig zu arbeiten. Momentan kommen aber maximal drei bis vier Kunden am Tag“ – fast ausschließlich Stammkunden. „Es ist mir wichtig, für meine Stammkunden weiter da zu sein“, aber es schmerze, dass es „keine Laufkundschaft mehr in der Markstraße gibt“. Joachim von Wittgensteyn-Krause befürchtet, „dass die Prognose der Massenschließungen spätestens nach Weihnachten bittere Realität“ wird. „Der Einzelhandel wird von der Politik stiefmütterlich behandelt. Die vergessen alle, dass diese Branche bisher einer der größten Arbeitgeber war.“

In Joachim von Wittgensteyn-Krauses Laden „Casa Culinara“ kommen fast nur noch Stammkunden.

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