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Stimmungsvolles Ausrücken im Mondlicht: Mit Fackelzug von der Marktstraße auf den Kalvarienberg, Gedenkfeier und Kranzniederlegung erinnerten die Isarwinkler Schützen zu Heiligabend an die Mordweihnacht 1705.

Isarwinkler Schützen erinnern an Aufstand von 1705

Geschichte macht Mut für die Gegenwart 

Bad Tölz - Rund 500 Zuschauer verfolgten an Heiligabend den Fackelzug der Isarwinkler Schützen von der Marktstraße auf den Kalvarienberg. Wie alle fünf Jahre gedachten die Teilnehmer mit einer Feier und Kranzniederlegung an der Leonhardikapelle der Sendlinger Mordweihnacht von 1705.

Der Tölzer Hauptmann Helmut Ginhart verstand es in seiner Ansprache, die Brücke von der Geschichte und der Traditionspflege zum aktuellen Geschehen zu schlagen.

Nachdem die Tölzer Stadtkapelle eingangs den Andachtsjodler intoniert hatte, erinnerte Ginhart zum dritten Mal in seiner Amtszeit an den Aufstand der Oberländer Bauern gegen die damalige Tiroler Besatzung. Er dankte für die heutige gute Zeit, die den Menschen in Europa Frieden, Freiheit und Wohlstand gebracht habe.

Es sei die Gemeinschaft, die unsere Gesellschaft stark mache, so Ginhart – „stark genug, um die anstehenden Aufgaben zu lösen“, sagte er. Als Beispiel nannte Ginhart die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. „Egal, was für eine Hautfarbe und welchen Glauben sie haben: Das sind Menschen aus Ländern, wo Hass und Feindschaften eskaliert sind. Das sind alles Menschen wie du und ich, mit Heimat und auch Tradition. Die wären auch lieber daheim. Sie haben ihre Heimat verlassen mit der Hoffnung, auf Menschen zu treffen, bei denen Werte wie Anstand, Ehrlichkeit und Toleranz noch zu Hause sind.“ Ginhart rief die Menschen auf zusammenzurücken. „Natürlich gibt’s vielleicht ein paar Unannehmlichkeiten, aber wenn wir ehrlich sind, merkt so wirklich keiner von uns was. Manchmal glaube ich, dass wir uns nur in unserer Bequemlichkeit gestört fühlen.“

Eine „starke Gemeinschaft“ sei es auch gewesen, die vergangenen Mai mit dem Patronatstag in Bad Tölz „ein großartiges Fest“ auf die Beine gestellt habe. „Großartig, weil Ihr, liebe Schützen, Spielleute, Stadtkapelle, und Marketenderinnen mit Euren Angehörigen und Freunden allesamt Leistungsbereitschaft und Hilfsbereitschaft, Fleiß, Kameradschaft und uneigennützigen Einsatz gezeigt habt.“

Stadtpfarrer Peter Demmelmair zitierte „an diesem denkwürdigen Ort“ aus Goethes Faust: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“. Der Geistliche rief dazu auf, Sprache, Kultur und Landschaft zu pflegen. Nach einem dreimaligen Salut und der Kranzniederlegung zogen die in starker Formation angetretene Tölzer Schützenkompanie, der Spielmannszug und die Abordnungen der anderen Isarwinkler Kompanien zurück in die Marktstraße. Bereits am Vormittag hatten die Gebirgsschützen am Waakirchner Löwen-Denkmal in Anwesenheit von Ministerpräsidenten Horst Seehofer des blutigen Aufstands von 1705 gedacht.

Karl Bock/Andreas Steppan

Isarwinkler Gebirgsschützen gedenken Sendlinger Mordweihnacht

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