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Wie ein Wasserfall zieht sich die Staubbahn von der Laliderer Spitze hinab.

Gewaltiger Felssturz an der Laliderer Wand sorgt für Staubwolke

Hinterriß/Eng - Es ist einer der größten Felsstürze der vergangenen Jahre: An der Laliderer Spitze sind große Steinteile gut 600 Meter herabgestürzt.

Es passierte in einer Nacht vergangene Woche. Richtig mitbekommen hat es niemand, denn es hatte sich nicht angekündigt. Doch als die Wirte der Falkenhütte am nächsten Tag aus dem Fenster schauten, sah es so aus, als hätte es geschneit. Weiß bedeckt waren die Bäume und es lag Staub in der Luft.

Der Staub legt sich wie Schnee auf Bäume und Sträucher.

Ein gewaltiger Felssturz war östlich der Laliderer Spitze heruntergekommen. „Es ist niemand verletzt worden“, berichtet Friedrich Schell von den Tölzer Naturfreunden, die in dem Gebiet eine Almhütte haben. „In geologischen Zeiträumen gesehen, kommt so etwas sehr häufig vor“, sagt Kurt Kment. Auf seinem Gebiet wird allerdings in tausenden von Jahren gerechnet, wie der Geologe erzählt.

Der Kalkstein, der im Karwendelgebiet die häufigste Gesteinsart ist, habe von Haus aus Risse. Da gebe es die natürliche Trennfuge oder auch tektonische Spalten und Risse. „Wenn da Wasser reinläuft, das dann gefriert, werden diese Spalten größer.“ Im Jahr vielleicht nur ein paar zehntel Millimeter. Aber irgendwann wird der Stein locker und durch sein Eigengewicht nach unten gezogen. Das passiere ganz plötzlich, ohne Vorwarnung.

Um die genaue Ursache zu kennen, müsste sich Geologe Kment die Stelle des Abbruchs ansehen. „Im Gipfelbereich haben sich große Wandteile abgelöst“, berichtet Schell, der vor Ort war. „Die sind aus über 600 Metern Höhe herabgestürzt und haben sich durch die Wucht des Aufpralls in Staub aufgelöst.“ Große Stücke sind unten gar nicht angekommen, nur der weiße Staub, der sich über die Bäume legte. Für die Vegetation ist das kein Problem, sagt Schell. „Am Freitag regnet es, dann wird alles abgewaschen. Es wird nichts mehr zu sehen sein.“

Dass dem Felssturz ein weitere folgt, glaubt der Naturschützer nicht. „Das war ein Hammerereignis, völlig überraschend und nicht vorhersehbar. Aber es war eine ganz große Seltenheit.“ Zumindest, wenn man in menschlichen Zeiträumen misst. „Das Problem ist, dass die Leute so schnell vergessen“, sagt Geologe Kment. „Um den Ätna und den Vesuv wird auch wieder fleißig gesiedelt, weil seit längere Zeit keiner der Vulkane mehr ausgebrochen ist. Aber alle paar tausend Jahre passiert halt doch etwas.“

(mel)

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