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Das Interesse an Kräuterführungen am Kloster Benediktbeuern ist meist groß. Kräuterpädagogin Karina Bald (re.) erklärt die Heilpflanzen in der Kräuterspirale am Zentrum für Umwelt und Kultur.

Führung am Kloster Benediktbeuern

Goldrute, Schafgarbe, Brennnessel und Löwenzahn: Was sich aus Kräutern Gutes machen lässt

Löwenzahn kurbelt die Kalorienverbrennung an, Brennnesseltee spült die Harnwege durch. Diese und mehr Kräuter-Geheimnisse lüftet eine Führung in Benediktbeuern.

Benediktbeuern – Zu Zeiten, als es noch keine Apotheke an jeder Ecke gab – ganz zu schweigen von der Möglichkeit, Arzneien online zu ordern und an der eigenen Haustür in Empfang zu nehmen – konnte sich glücklich schätzen, wer in der Nähe eines Klosters lebte. Denn in den Klöstern wurde früh erforscht, wie Pflanzen zu Heilzwecken eingesetzt werden können. Und dieses Wissen wurde über die Jahrhunderte tradiert, so auch im Kloster Benediktbeuern.

Aus den uralten Rezepten der Klosterapotheke lassen sich zudem weitere historische Erkenntnisse gewinnen. So weiß man, dass im ausgehenden Mittelalter Störche in Benediktbeuern gelebt haben müssen, weil Storchenmist als Bestandteil verschiedener Rezepturen aufgeführt ist. Bei der Kräuterführung mit Karina Bald geht es indessen nicht um die nach langer Zeit wieder heimisch gewordenen Vögel, sondern um die Pflanzen, die auf dem Klosterareal üppig gedeihen.

Kräuterführung in Benediktbeuern: Vom Brombeerstrauch sind auch die Blätter essbar

Zur jüngsten Führung fanden sich acht Interessierte aus Benediktbeuern, Bichl, Sindelsdorf, Garmisch und München ein. Treffpunkt ist an der ZUK-Rezeption, doch 90 Minuten später ist man nur wenige Meter weiter gekommen. Auf Schritt und Tritt gibt es Neues zu entdecken, das der Erklärung wert ist.

Die in Griechenland geborene Kräuterpädagogin hat sich vorwiegend mit den Heilpflanzen, der Klostermedizin, den ätherischen Ölen und der Aromatherapie befasst. „Ohne Pflanzen gäbe es für uns Menschen kein Leben“, erläutert Bald. „Sie schenken uns Sauerstoff, Nahrung, Medikamente, Baumaterialien. Wir können Farben aus Pflanzen gewinnen, Papier und Kleidung herstellen.“ Die primären Inhaltsstoffe einer jeden Pflanze seien Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Durch den Stoffwechsel würden darüber hinaus Vitamine, Spurenelemente, Mineralien, aber auch Bitterstoffe, Gerbstoffe und ätherische Öle produziert.

Tee aus Goldrute wird bei Harnwegsinfektionen eingesetzt

Karina Bald geht wenige Schritte zu einem Brombeerstrauch. „Dass wir die Früchte essen können, ist klar, aber auch die jungen Blätter sind essbar. Das gilt übrigens auch für Him- und Erdbeeren“, erklärt sie. „Wenn man die Blätter mit einem Nudelholz bearbeitet, so dass der Saft austritt, und in einem Küchentuch zwei Tage lagert, entfalten sich die Gerbstoffe. Daraus kann man einen Blättertee brühen, der gegenüber schwarzem Tee den Vorteil hat, dass er kein Teein beinhaltet.“

Vom Brom- und Himbeerstrauch kann man auch die Blätter essen.

Schon steht sie gegenüber an einem Strauch mit strahlend gelben Blüten. „Die Goldrute ist nicht nur ein Blickfänger im Garten, sondern wirkt entzündungshemmend. Aus den getrockneten Blüten kocht man einen Tee, der bei Harnwegsinfektionen eingesetzt wird.“

Teilnehmer der Kräuterführung erfahren von der schlaffördernden Wirkung von Baldrian und Hopfen

Gleich daneben steht die Schafgarbe. Hier seien Blüten und Blätter verwendbar, erzählt Bald. „Sie enthalten Bitterstoffe, die die Fettverdauung begünstigen, indem sie den Speichelfluss anregen und Botenstoffe an Galle, Bauchspeicheldrüse und Magen schicken, die Enzyme für die Fettspaltung produzieren.“ Man könne sie zur Herstellung von Magenbitter ebenso verwenden wie für die Grillbutter.

Schafgarbe eignet sich gut zur Herstellung von Magenbitter.

Bei Magenbitter gelte: Je bitterer, desto wirkungsvoller. Auf einen Liter Magenbitte solle man daher nicht mehr als 80 Gramm Zucker geben. „Übrigens empfiehlt es sich, ihn vor dem Essen zu trinken, da die Enzyme etwa eine halbe Stunde brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten.“

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Weiter geht’s zu einer hoch aufragenden Pflanze. „Der Hopfen kann bis zu sechs Metern hoch werden“, erklärt die Kräuterpädagogin. Sie pflückt ein Blatt und lässt es von Hand zu Hand gehen. Da sind kleine Härchen zu spüren. „Alles, was rau ist, dient der Pflanze zur Verteidigung gegen Insekten. Hopfen eignet sich bestens zur Gartengestaltung an einer Pergola oder Garage. Und man kann sehr viel mehr mit ihm machen als nur Bier zu brauen“, weiß Bald.

Eine Führung durch die Kräuterspirale in Benediktbeuern erfreut Auge und Nase

Sie zeigt Fotos von Hopfensprossen, die man im Frühjahr ernten kann. Sie sehen aus wie grüner Spargel und sind auch so verwendbar. Die voll ausgereiften Hopfendolden kann man in Essig oder Öl einlegen. Auch sie enthalten die gesunden Bitterstoffe. Die Blätter der Zapfen in Korn oder Wodka eingelegt ergäben einen „idealen Schlummertrunk“. Man könne sie aber auch im Kräuterkissen als Einschlafhilfe verwenden, erzählt Bald. Oder ein entspannendes Hopfenbad nehmen: Dazu brühe man Hopfentee und gieße diesen ins Badewasser.

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Passenderweise steht im Klostergarten nah daneben der Baldrian. Mit Hopfen kombiniert, verstärkt er dessen schlaffördernde Wirkung. Karina Bald reicht ein Glas herum mit geriebener Baldrianwurzel. Alle sind sich einig: Der Geruch ist eher abstoßend – und nur für Katzen anziehend. „Aber ein daraus hergestellter Tee riecht und schmeckt ganz anders“, stellt Bald klar.

Kräuterexpertin in Benediktbeuern: „Giersch ist total verkannt“

In der Kräuterspirale blüht es weiß, rosa, blau und gelb. Eine Augenweide wie eine Freude für die Nase. Hier geht es um die ätherischen Öle. Wenn eine Pflanze außer diesen auch noch Gerbstoffe enthält wie der Salbei, ist sie besonders effektiv einsetzbar: „Man kann das Blatt direkt kauen oder mit Tee gurgeln. Die Gerbstoffe bilden auf unseren Schleimhäuten eine Mauer gegen das Eindringen von Bakterien“, sagt Bald.

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Dann geht’s zum „Gartenschreck“: Der Giersch sei total verkannt, erklärt Bald. „Er enthält ganz viel Vitamin C.“ Man könne ihn wie Spinat als Gemüse verwenden oder roh im Salat, einen Smoothie oder eine Kräuterlimo aus ihm machen, seine Blüten wie Holunderblüten verarbeiten und seine Samen in die Pfeffermühle geben. „Wer weiß, wie wertvoll er ist, hat ihn gerne im Garten.“

Der Löwenzahn kurbelt die Kalorienverbrennung an.

Vom Löwenzahn, der die Kalorienverbrennung ankurbelt („fast alles an ihm ist essbar“) und ebenfalls bestens in den Magenbitter passt, geht es weiter zur Brennessel, der „Königin der Pflanzen“. Sie sei ein hochgradig gesundes Gemüse, der aus ihr hergestellte Tee spüle die Harnwege durch und treibe Giftstoffe aus dem Körper. Und es gebe Schmetterlinge, sie sich nur von ihr ernähren könnten.

Tee aus Brennesselblättern spült die Harnwege aus.

Die Besucher verfolgten Balds Führung mit großem Interesse. Sie hörten, staunten – und fragten sich, wieso dieses wertvolle Wissen so weitgehend in Vergessenheit geraten konnte.

Weitere Termine

Am Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern werden regelmäßig Kräuterführungen angeboten. Die nächsten Termine mit Karina Bald sind am 27. August sowie am 3., 10., 17. und 17. September. Dabei stehen Bärlauch, Löwenzahn, Spitzwegerich, Giersch und Brennnessel im Mittelpunkt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr, Dauer eine Stunde. Kosten: 10 Euro. Anmeldung ist nicht erforderlich. Informationen zu den Führungen erteilen ZUK (Telefon 08857/88-777) und die Gäste-Info Benediktbeuern unter der Telefonnummer 08857/248.

Sabine Näher

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