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Gravity Power: Wird Kochel Standort für Zukunfts-Technologie?

Kochel am See - Der Prototyp einer "Riesenbatterie" zum Speichern erneuerbarer Energien könnte in Kochel entstehen - ein komplett unterirdisches System.

Während das Speicherteich-Projekt am Jochberg nicht aus der Kritik kommt, nahm Ende 2013 ein Konsortium Kontakt mit dem Kochler Rathaus auf, das eine ganz andere Art der Energiespeicherung einführen will. Die Gravity Power GmbH hält die Patente auf eine unterirdische Art der Energiespeicherung und könnte sich vorstellen, die weltweit erste Modellanlage in Kochel am See zu errichten.

Der Gemeinderat „hat zumindest nicht gleich nein gesagt“, so Bürgermeister Thomas Holz, der das Projekt nichtöffentlich mehrfach behandelte. Von einer Zusage oder einem Beschluss sei die Gemeinde freilich weit entfernt. Momentan gehe es darum, sich die Fakten erläutern zu lassen. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die auch einen passenden Standort sucht. Dieser müsste etwa 4000 Quadratmeter haben.

Die Funktion der „Riesenbatterie“ ist schnell erklärt. Ein unterirdischer Schacht ist mit Wasser gefüllt. In ihm bewegt sich ein gewaltiger Kolben, der die Hälfte der Schachtlänge einnimmt, nach oben und unten. Beim Absenken pumpt er Wasser auf eine Turbine, die Strom erzeugt. Soll Strom gespeichert werden, wird der Kolben in dem geschlossenen Wasserkreislauf nach oben gepumpt. Die Anlage in Kochel wäre eine Referenz für weltweite Investoren, dass das System funktioniert. Der Schacht wäre um die 140 Meter tief, hätte acht Meter Durchmesser und könnte 20 bis 30 Minuten lang ein Megawatt Strom liefern. „Die Technologien gibt es so gut wie alle schon, wir haben sie nur neu zusammengefügt“, sagt Clemens Martin von Gravity Power.

Spätere Anlagen - die nicht für Kochel geplant sind - würden bei 30 bis 80 Metern Durchmesser bis zu 500 Meter tief sein. Etwa ein Jahr dauert der Bau der Modellanlage. „Wir sind selbst auf der Seite des Bund Naturschutz (BN) im Landkreis vertreten, wir rechnen nicht mit großartigem Gegenwind von den Umweltschützern“, so Martin. Immerhin sei von der Anlage nach der Bauzeit nahezu nichts mehr zu sehen.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik wird mit Gravity Power zusammenarbeiten. Etwa für die Auskleidung des Schachts und für den Kolben wird jede Menge Zement benötigt. „Das Fraunhofer-Institut hat eine Methode entwickelt, wie Beton wieder in Bestandteile aufgespaltet wird. So können wir recycelten Zement verwenden“, sagt Martin. Entweder auf dem Gelände des Speichers oder in seinem Denkmalpflege-Zentrum in Benediktbeuern will das Institut über die neue Technologie informieren.

Der Schacht wird mit Trinkwasser gefüllt. „Im unwahscheinlichen Fall eines Bruchs - etwa bei einem schweren Erdbeben - sickert das Wasser langsam ins Gestein, eine Überschwemmung gibt es nicht“, sagt Martin.

Friedl Krönauer, BN-Kreischef, bereut allerdings schon, die Anlage auf der BN-Webseite gezeigt zu haben. „Wir haben uns näher damit befasst und sind jetzt der Meinung, dass das nichts für Kochel ist.“ Unter anderem, weil so eine Anlage besser zu „einem Windpark oder ähnlichem passt, dorthin, wo Energie erzeugt wird“. Krönauer befürchtet, dass man dem Projekt von Gemeindeseite aufgeschlossener gegenüber stehe, weil es im Vergleich zum Jochberg-Pumpspeicher das kleinere Übel sei.

Unterdessen verweist Martin auf die zusätzlichen Arbeitsplätze, positive touristische Effekte durch internationale Besuchergruppen und den Imagegewinn durch modernste Technologie - alles Aspekte, die auch bei der Präsentation im Gemeinderat Anklang gefunden hatten.

jhd

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