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Justitia hat entschieden: Im Streit um einen Vorfall an einem Reitstall wurde ein Urteil gefällt

Amtsgericht

Schmerzhafte Hiebe mit der Gerte

Eine Reiterin (53) verletzt ihre Kollegin (30) mit dem Reitstock: Das Amtsgericht verurteilt sie zu sechs Monaten Bewährungsstrafe.

Greiling Eine Reiterin kehrt am Abend mit ihrem Pferd von einem Ausritt zurück. Ihr Hund trottet hinterher. Als sie den Reitstall erreicht, kommt ein weiterer Hund hinzu, verbeißt sich beim Gerangel im Hund der Reiterin (53). Diese springt aus dem Sattel und drischt mit der Reitgerte auf den fremden Hund ein. Ungeachtet der Tatsache, dass dessen Besitzerin das Tier inzwischen am Bauch umfasst hat und versucht, es wegzuziehen. So bekommt auch die Frau (30) einige Hiebe ab.

Wegen des Vorfalls, der sich am 23. Juni vorigen Jahres gegen 20.30 Uhr in Greiling ereignet hat, wurde die 53-Jährige mittels Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Dagegen legte sie Einspruch ein. Deshalb kam der Fall vors Amtsgericht.

Die Beschuldigte beteuerte, sie habe die Hunde nur trennen wollen. Sie sei – weil es, wie sich im Lauf der Verhandlung herausstellte, schon einmal einen Vorfall gegeben hatte – in Panik geraten und habe deshalb den Hund geschlagen. „Ich habe nicht bewusst auf einen Menschen eingeschlagen“, beteuerte die Angeklagte. Dass die 30-Jährige im Chaos von der Gerte getroffen wurde, könne sein, ergänzte ihr Verteidiger, sei aber nicht absichtlich geschehen. Die Angeklagte hielt an ihrem Einspruch auch dann noch fest, als der Richter erklärt hatte, dass er die im Strafbefehl ausgewiesene Geldstrafe „nach Aktenlage für ein Angebot der Staatsanwaltschaft“ halte und ihr im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe drohe.

Fest stand, dass die Geschädigte „vier Treffer, zwei am Oberschenkel, einmal am Knie und einmal am Hals“ abbekommen hatte. Fotos dokumentierten die Striemen, die die Schläge mit der Gerte trotz Reiterhose auf dem Oberschenkel hinterlassen hatten. Die Geschädigte bestätigte zudem, noch ein-, zweimal geschlagen worden zu sein, nachdem sie bereits mitsamt ihrem Hund auf den Rücken gefallen war. Nachdem sechs weitere Zeuginnen ihre Beobachtungen ausgeführt hatten, stand für die Staatsanwältin fest, dass die Angeklagte sich einer gefährlichen Körperverletzung strafbar gemacht hatte. Sie beantragte eine Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Verteidiger Ernst Lutz sah aufgrund der „verständlichen Panik“ nur einen minderschweren Fall für gegeben und hielt 90 Tagessätze für ausreichend.

Richter Helmut Berger ging ebenfalls von einem minderschweren Fall aus, verurteilte die Reiterin aber zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss sie 4000 Euro an den Tierschutzverein sowie der Geschädigten 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. „Sie haben billigend in Kauf genommen, dass die Frau verletzt wird“, sagte Berger in seiner Urteilsbegründung. Dass die Angeklagte noch weiter geschlagen habe, nachdem die Hunde bereits getrennt waren, „dafür fehlen mir die Worte“, so der Richter. „Das ist durch nichts zu entschuldigen.“

Rudi Stallein

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