Kameramann Markus Schindler (li.) aus Greiling mit seinem Assistenten Georg Lanz vor dem Weißen Haus in Washington DC bei Dreharbeiten zum Film „Ausgrissn“.
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Bei den Dreharbeiten in den USA: Kameramann Markus Schindler (li.) aus Greiling mit seinem Assistenten Georg Lanz vor dem Weißen Haus in Washington DC.

Neu im Kino

„Ausgrissn“: Greilinger berichtet von abenteuerlichen Dreharbeiten

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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In den bayerischen Kinos startet der Film „Ausgrissn – In der Lederhosn nach Las Vegas“. Auf der ungewöhnlichen Reise war auch ein Greilinger mit dabei.

  • Zwei Brüder aus der bayerischen Provinz fahren mit der Zündapp einmal quer durch Amerika. Das ist der Inhalt des neuen Kinofilms „Ausgrissn – In der Lederhosn nach Las Vegas“.
  • Für Markus Schindler aus Greiling ist es der erste Kinofilm als Kameramann.
  • Die dreimonatigen Dreharbeiten in den USA waren ein großes Abenteuer - nicht nur bei einer unheimlichen Begegnung mit zwei „Hell‘s Angels“.

Greiling – Die großen Blockbuster aus Hollywood lassen derzeit auf sich warten. Ein Hoffnungsträger für die Kinos ist nach der Corona-Pause nun ein Heimatfilm der anderen Art: An diesem Donnerstag (13. August) läuft das bayerische Roadmovie „Ausgrissn“ an – ein Herzensprojekt auch für den aus Greiling stammenden Kameramann Markus Schindler.

„Das ist mein erster großer Kinofilm als Kameramann“, berichtet der 30-Jährige im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Erfahrung hatte der Student, der sein Fach an der Hochschule für Film und Fernsehen in München erlernt, allerdings schon vorher reichlich gesammelt. Zuletzt arbeitete er als Kameraassistent mit Regisseur Joseph Vilsmeier (†) für dessen letzten Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ zusammen. In der gleichen Funktion wirkte er auch an drei Filmen von Marcus H. Rosenmüller sowie an diversen „Tatort“-Folgen mit.

Thomas und Julian Wittmann heuern Markus Schindler für Film „Ausgrissn" an

Am Set eines Rosenmüller-Films lernte Schindler vor einigen Jahren auch Thomas Wittmann kennen – Schindler machte sein erstes Kamera-Praktikum, Wittmann war Kinderdarsteller. Nun kontaktierten die Brüder Thomas und Julian Wittmann den Greilinger. Sie hatten vor, auf alten Zündapp-Mopeds eine Reise quer durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen und wollten sich von einem Profi mit der Kamera begleiten lassen. „Zu der Zeit war den beiden noch nicht bewusst, dass das eine zweijährige filmische Reise wird“, sagt Schindler.

Die Brüder Thomas und Julian Wittmann sind die Produzenten und Protagonisten des Films „Ausgrissn“.

Die eigentliche Moped-Fahrt im Herbst 2018 selbst dauerte freilich „nur“ drei Monate. Die Brüder, die aus Lengdorf (Landkreis Erding) stammen, ließen ihre nostalgischen Gefährte von Antwerpen aus nach New York verschiffen, tuckerten von dort teils über Provinzstraßen, teils über die kultige „Route 66“ 12 000 Kilometer Richtung Westen mit dem Ziel Las Vegas. Ihnen quasi immer dicht auf den Fersen: Markus Schindler, der gemeinsam mit seinem Assistenten Georg Lanz und dem „kurzfristig angelernten Tonmeister“ Christian Kastl in einem alten Wohnwagen arbeitete, wohnte und auch noch allerhand an Technik unterbringen musste.

Mit der Zündapp durch die USA: „Wie Parodie auf Easy Rider“

„Wir wussten weder ästhetisch noch dramaturgisch, was für ein Film das werden würde“, beschreibt Schindler das künstlerische Abenteuer. Doch obwohl nichts geplant war: Auf der ungewöhnlichen Tour passierte genug, was es wert war, gefilmt zu werden. „Amerika macht es einem da einfach“, sagt der Greilinger. „Man kommt ständig mit Menschen ins Gespräch, wir wurden hier eingeladen und da eingeladen.“

Die beiden Brüder seien allerorten aufgefallen – weniger wegen ihrer Lederhosen, die sie unbeirrbar anbehielten, als vielmehr wegen ihrer hochbetagten und gemütlichen fahrbaren Untersätze. „Die fanden viele Amerikaner sehr cool, und sie meinten, das erinnert sie an die Zeit, als sie noch in Europa lebten.“ Wenn die beiden Z��ndapps – Höchstgeschwindigkeit: 40 Stundenkilometer – sich auf Parkplätzen zwischen lauter Harley-Davidson-Maschinen einreihten, habe das gewirkt „wie eine Parodie von ,Easy Rider‘“.

Unheimliche Begegnung Dreharbeiten zu „Ausgrissn“

Zwei Episoden sind Markus Schindler besonders in Erinnerung. Einmal hätten zwei Mitglieder der berüchtigten Rocker-Gang „Hell’s Angels“ den Brüdern in New Mexico geholfen, einen kaputten Reifen zu reparieren. Es stellte sich dann heraus, dass die hilfsbereiten jungen Männer auf der Flucht waren, „einer war ein verurteilter Mörder“ – insgesamt „eine unheimliche Begegnung“, sagt Schindler.

In der Country-Hochburg Nashville hingegen tranken die Wittmanns Margaritas mit dem Countrysänger und Songschreiber Roger Alan Wade, der unter anderem für Johnny Cash gearbeitet hatte. Am Ende stand Julian Wittmann mit der Musiker-Legende auf der Bühne und gab einen Song auf Bairisch zum Besten.

Kein Wunder, dass da allein in Amerika rund 800 Stunden Filmmaterial zusammenkamen, wie Schindler berichtet. Das ergänzte das kleine Filmteam dann noch um einige fiktionale Szenen. Inhalt: Das ganze Dorf versammelt sich in einem Gasthaus, um den Film der Brüder anzuschauen. Dabei kommt der ein oder andere ins Grübeln über die große Freiheit und nicht gelebte Träume. Dafür gewann man namhafte Schauspieler, unter anderem Monika Gruber und Werner Rom. Die ungewöhnliche Kombination aus dokumentarischen und Spiel-Sequenzen „war ein totales Experiment, und wir sind stolz darauf, dieses Wagnis eingegangen zu sein“, sagt Schindler.

Der nächste Glücksfall war dann, dass der Film mit „Majestic Sunseitn“ einen Verleih fand, der „Ausgrissn – In der Lederhosn nach Las Vegas“ jetzt bayernweit in über 80 Kinos bringt – darunter auch ins „Capitol“ am Tölzer Amortplatz, wo der Film ab diesem Donnerstag täglich um 17.30 und 20 Uhr zu sehen ist.

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