Eine Kuh steht mit Kuhglocke auf einer Weide.
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Um das Gebimmel der Kuhglocken auf einer Wiese in Greiling dreht sich ein Streit, der derzeit vor dem Wolfratshauser Amtsgericht ausgetragen wird.

Amtsgericht

Kuhglockenstreit in Greiling: Jetzt soll ein Gutachter nachmessen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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  • Rudi Stallein
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Der juristischen Streit um Kuhglocken, die die Nachtruhe eines Ehepaars in Greiling stören, konnte noch nicht beigelegt werden. Das Amtsgericht erhebt jetzt neues Beweismaterial.

  • Ein Ehepaar aus Greiling will gerichtlich erwirken, dass die Kuhglocken auf dem Nachbargrundstück nachts schweigen.
  • Das Amtsgericht Wolfratshausen hatte einen Vergleichsvorschlag unterbreitet, den die Parteien jedoch ablehnten.
  • Jetzt geht der Streit in die nächste Runde.

Update vom 31. August 2020:

Der Greilinger Kuhglockenstreit geht in die nächste Runde. Wie Rosemarie Mamisch, Sprecherin des Amtsgerichts Wolfratshausen, auf Anfrage mitteilt, haben die Streitparteien einen Vergleichsvorschlag des Gerichts nicht akzeptiert. Jetzt sollen neue Beweise erhoben werden.

Ein Ehepaar war vor Gericht gegangen, dass sich durch das Geräusch von Kuhglocken in seiner Nachtruhe gestört fühlt. Die Tiere wieiden auf einer Wiese mitten in Greiling. Das Gebimmel ihrer Glocken dringt nach Angaben der Kläger vernehmlich bis in ihr Schlafzimmer im ersten Obergeschoss des angrenzenden Gebäudes. Selbst bei geschlossenem Fenster kämen sie nachts nicht zur Ruhe, hatten die Kläger bei einem Gerichtstermin im Juli erklärt. Sie wollen juristisch erwirken, dass von 22 bis 6 Uhr Ruhe herrscht.

Beklagter Landwirt sagt, das Geräusch der Kuhglocken liege unter dem zulässigen Grenzwert

Nachdem ein möglicher Kompromiss gescheitert ist, sei nun am 21. August ein „Beweisbeschluss“ ergangen“, teilte Gerictssprecherin Rosemarie Mamisch am Montag mit.

Das Gericht wolle einer Behauptung der „Beklagtenpartei“ – also des Landwirts – auf den Grund gehen. Ihm zufolge überschreitet die Lautstärke der Kuhglocken, die auf dem Grundstück des Nachbarn ankommt, nicht den zulässigen Grenzwert. Für das Gutachten muss der Landwirt, der hier in der Beweispflicht steht, einen Vorschuss auslegen. Sobald der bezahlt sei, so Mamisch, werde der Auftrag an den Sachverständigen versandt.

Ursprünglicher Bericht vom 15. Juli:

Greiling/Wolfratshausen – Erst vor ein paar Wochen ist nach jahrelangem Klagemarsch durch alle Instanzen der Kuhglockenstreit von Holzkirchen beigelegt worden. Nun steht Greiling womöglich ein ähnlicher Zwist ins Haus. Dort klagt ein Ehepaar gegen einen Landwirt, der (meist) Kälber und (manchmal) auch Kühe auf einer Wiese mitten im Dorf weiden lässt. Die Tiere tragen Glocken – zum Unmut der Kläger, deren Schlafzimmer sich im Obergeschoss ihres Hauses befindet, nur wenige Meter von der Wiese entfernt. Nun möchte das Ehepaar das Gebimmel zwischen 22 und 6 Uhr von der Wiese verbannen. Jetzt trafen sich die Beteiligten zu einer Güteverhandlung am Amtsgericht Wolfratshausen.

Kuhglockenstreit in Greiling: Klage-Erwiderung in Gedicht-Form

„Die Kläger können sich dem Lärm nicht entziehen, können nachts nicht schlafen und riskieren gesundheitliche Schäden“, begründet Rechtsanwalt Andreas Sander die Klage. Das sei nicht hinnehmbar, zumal es sich bei dem Grundstück nicht um einen landwirtschaftlichen Betrieb, sondern um ein innerörtliches, allseits umzäuntes Gartengrundstück handle.

Das Ansinnen förderte beim Anwalt der beklagten Grundstückeigentümerin und ihres Pächters dichterisches Talent zutage. Er verfasste seine Klageerwiderung in Reimform. „Zig Menschen wohnen seit Jahrzehnten um die Weide. Noch niemandem taten grasende Kälbchen etwas zuleide. Obwohl in all den vielen Jahren, sie samt den Glocken auf der Weide waren“, dichtete Rechtsanwalt Jost Hartmann-Hilter. Sein Schreiben ans Amtsgericht endete mit der Feststellung: „Kuhglocken, die gab’s in Greiling immer schon. Und haben deswegen eine lange Tradition. Und wenn man aus der Stadt aufs Land rauszieht, dann weiß man, dass es Kuh und Kalb und Glocken gibt.“

Streit um Greilinger Kuhglocken: „Wenn die Tiere grasen, ist es extrem laut“

Der Klagepartei war jedoch nicht zum Scherzen zumute. „Wir wohnen extrem nah an der Streuobstwiese. Und die Kälber halten sich bevorzugt in dem Zaun-Eck unter dem Schlafzimmerfenster auf“, stellte der Kläger fest. „Wenn die Tiere grasen, ist es extrem laut – selbst durch das geschlossene Fenster.“ Der Lärm der Kuhglocken erreiche „in Spitzen bis zu 82 Dezibel“.

Erlaubt seien im Innenbereich nachts maximal 45 Dezibel, sagte Richter Christian Eder, der jedoch auch zu bedenken gab: „Kuhglocken sind in Bayern nichts Ungewöhnliches, damit muss man vielleicht teilweise leben.“ Viele könnten das auch, erklärte Hartmann-Hilter und verwies auf eine Liste mit „34 Unterschriften von unmittelbaren Anwohnern, die sagen: Lasst bloß die Glocken auf der Weide“. Diese „34 Glockenfreunde haben auch nicht ihr Schlafzimmer an der Wiese“, konterte Kläger-Vertreter Sander.

Kuhglockenstreit in Greiling: Und plötzlich klingelt im Gericht ein Glöckchen

Weil es schon in den vergangenen Jahren Streit wegen der Glocken gegeben hatte, habe er heuer ohnehin nur fünf Kälber mit kleinen Glocken auf der Wiese, und das auch nur für wenige Wochen im Jahr, schaltete sich der beklagte Landwirt in die Diskussion ein. „Und nachts kommen die Tiere in den Stall.“ In der Zuschauerreihe erklang in diesem Moment eine Kälberglocke, etwa sechs mal sechs Zentimeter groß. „Kleine Kälber spielen gern, dann ist richtig was geboten. Und im Stall machen sie genauso viel Lärm“, erwiderte die Klageseite, die im Vorfeld ebenfalls bereits auf „Kuhgebrüll“ aufmerksam gemacht hatte.

Video: So ging der Kuhglockenstreit in Holzkirchen aus

Kuhglockenstreit: Kläger und Beklagte bringen Lösungsvorschläge vor

An Lösungsansätzen mangelte es nicht. „Nur zwei Glocken und die Tiere nachts in den Stall“, regte Rechtsanwalt Sander an. „Alle fünf Kälber mit Glocken, und nachts im südlichen Teil der Wiese“, lautete der Gegenvorschlag des Landwirts. „Tag und Nacht draußen, auf der ganzen Wiese, aber mit nur zwei kleinen Glocken bei den Kälbern und einer großen Glocke bei großen Tieren“, warf Hartmann-Hilter in die Runde. Dann bliebe der Lärm unter der zumutbaren Dezibelzahl. Zu einer Einigung kam es nicht. Nun soll das Gericht schriftlich einen Vergleichsvorschlag unterbreiten. „Wir haben auf beiden Seiten ein bisschen Prinzipienreiterei“, stellte Richter Eder fest und betonte: „Es müssen sich beide Seiten aufs Nachgeben einstellen.“

Im Jahr 2018 hatte es erstmals das Ansinnen gegeben, die Kühe mit „elektrischen Kuhglocken“ auszustatten, die. anstatt zu bimmeln, ein Funksignal senden. Damit könnten sich etwaige Kuhglockenstreits rund um die Lautstärke derselbigen erledigen. Bislang stieß die Idee aber auf wenig Resonanz.

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