Auf großen Infotafeln informiert das Staatliche Bauamt am Greilinger Flugplatz über die Maßnahmen, mit denen das Brutgebiet der Feldlerche erhalten werden soll.
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Auf großen Infotafeln informiert das Staatliche Bauamt am Greilinger Flugplatz über die Maßnahmen, mit denen das Brutgebiet der Feldlerche erhalten werden soll.

Naturschutz-Maßnahmen

Flugplatz Greiling: Feldlerche soll neuen Lebensraum bekommen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der wichtigste Lebensraum der Feldlerche im Landkreis ist durch den Bau der Tölzer Nordspange bedroht. Deswegen laufen Anstrengungen, ihr neue Brutplätze zu eröffnen.

Greiling – Rein äußerlich ist die Feldlerche eher unscheinbar – im Landkreis aber ist sie ein ausgesprochen seltener Vogel. Das Staatliche Bauamt unternimmt aktuell so einiges, um das wichtigste Brutvorkommen der Feldlerche im Landkreis zu erhalten, nämlich auf dem Greilinger Flugplatz. Spaziergänger sollten jetzt, da die Brutzeit ansteht, Rücksicht nehmen.

Es ist der geplante Bau der Tölzer Nordspange, der den Vogel in Bedrängnis bringt. Wie berichtet sollen voraussichtlich im Herbst erste Vorarbeiten beginnen. Die geplante Trasse wird quer über den Flugplatz verlaufen. Genau dort aber wurden bei Untersuchungen im Vorfeld Brutpaare der Feldlerche festgestellt. Daher hat die Regierung von Oberbayern die Baugenehmigung an die Auflage geknüpft, anderweitigen geeigneten Lebensraum für die Feldlerche herzustellen.

Ausgleichsmaßnahme auf dem Greilinger Flugplatz, damit Feldlerche Lebensraum findet

Das passiert nun etwas weiter nördlich auf dem Flugplatz. „Die Herstellung der Ausgleichsfläche begann Ende 2019 mit Abbruch- und Rodungsarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Hundeschule“, informiert dazu Marika Hoyer, die im Staatlichen Bauamt Weilheim den Bereich Landschaftsplanung verantwortet. Zudem sei Ende 2020 eine geteerte Fläche des ehemaligen Modellflugplatzes aufgelöst worden. Entstanden ist so eine weite, von Gebüsch befreite Fläche, die den Feldlerchen eigentlich gefallen müsste, um dort Nester zu bauen.

Dass der Flugplatz über Jahrzehnte auf relativ trockenem Boden kurzrasig gehalten wurde, war nach Einschätzung von Joachim Kaschek von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt überhaupt der Grund, dass sie ausgerechnet hier einen „guten Lebensraum“ fand. Ansonsten sei die Feldlerche schwerpunktmäßig auf Grün- und Ackerflächen nördlich von München oder in Mittelfranken anzutreffen. „Insgesamt ist sie in ihrem Bestand extrem gefährdet“, sagt Kaschek. „Sie kommt mit der Intensivierung der Landwirtschaft, besonders mit dem zunehmenden Maisanbau, schlecht zurecht.“

Brutstellen der Feldlerche kann man im Landkreis an einer Hand abzählen

Im Landkreis könne man die Brutstellen „an einer Hand abzählen“. Nicht weit vom Flugplatz sei noch ein weiterer Brutplatz festgestellt worden, den Kaschek jedoch nicht verrät. „Insgesamt aber ist jeder Brutplatz, den man erhalten kann, ein Gewinn.“

Die Entfernung des Weidengebüschs kam der Feldlerche insofern entgegen, als sie „ungern in der Nähe von Gehölz brütet“, so Kaschek. Die Pflanzen würden Greifvögeln, Mardern oder Hermelinen Deckung bieten. Da hat die Feldlerche lieber einen freien Blick auf möglicherweise nahende Feinde. Die werden dann mit einem speziellen Trick in die Irre geführt. „Die Feldlerche tut so, als würde sie hinken und lässt die Flügel hängen. Damit lockt sie die Räuber von ihrem Nest weg.“ Zu einem typischen Ablenkungsmanöver der Feldlerche gehört es auch, dass die Männchen lauthals tirilieren und sich im Sinkflug senkrecht aufs Feld fallen lassen. Dort laufen sie dann auf dem Boden gut getarnt zu ihrem Nest.

Luftsportvereinigung Greiling unterstützt den Schutz der Feldlerche

Weil ein Lebensraum umso schlechter für die Feldlerche geeignet ist, je dichter die Fläche bewachsen ist, gehört zu den aktuellen Maßnahmen auch ein Verzicht auf Düngung. Mit der Mahd wird zudem gewartet, bis die Brutzeit vorbei ist, also bis Juli. Beginn der Brutzeit ist ungefähr Ende März, Anfang April. Hier müssen die möglicherweise brütenden Vögel vor einer besonderen Gefahr geschützt werden: Spaziergängern und vor allem ihren Hunden. Die Bürger sind deswegen angehalten, beim Flanieren über das Flugplatzgelände unbedingt auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen. Zum zusätzlichen Schutz möglicher Brutstellen werden bestimmte Bereiche eingezäunt.

Vor Ort setzen sich auch die Mitglieder der Luftsportvereinigung Greiling für die Sicherung dieses Lebensraums ein. „Uns liegt sehr daran, die Natur, in der wir unseren Sport betreiben, zu erhalten und zu pflegen“, sagt der Vorsitzende Michael Oswald. Die Sportler sprechen daher Spaziergänger gezielt an, klären über die Feldlerche auf und werden laut Oswald auch darauf achten, dass die Zäune stehen bleiben. Mit ihren Windenstarts weichen die Segelflieger während der Brutzeit auf einen unkritischen Bereich neben der Landebahn aus. Dass er selbst eine Feldlerche zu Gesicht bekommen hat, sei aber schon eine Weile her, sagt Oswald lachend: „Das war vor zwei Jahren, als sich ein Vogel in unseren Sozialraum verirrt hat.“

Dem Baubeginn für die Tölzer Nordspange steht nichts im Wege, seit die Gemeinde Greiling eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zurückgezogen hat.

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