Blickt optimistisch in die Zukunft: Michael Oswald, Vorsitzender der Luftsportvereinigung, vor dem ehemaligen Tower, den Hangars und der ehemaligen Hubschrauberhalle auf dem Greilinger Flugplatz.
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Blickt optimistisch in die Zukunft: Michael Oswald, Vorsitzender der Luftsportvereinigung, vor dem ehemaligen Tower, den Hangars und der ehemaligen Hubschrauberhalle auf dem Greilinger Flugplatz.

Vereinsporträt

Greilinger Luftsportvereinigung zwischen Nordspange und Feldlerche: Im Landeanflug auf eine sichere Zukunft

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Greilinger Flugplatz feiert im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag. Das Jubiläum fällt in eine Zeit des Umbruchs. Nach einer Phase der Unsicherheit sind die Weichen für die Zukunft nun aber gestellt.

Greiling – Mit viel Ungewissheit musste die Luftsportvereinigung Greiling in den vergangenen Jahren leben. Denn die Planungen für die Tölzer Nordspange stellten ihre Zukunft in Frage. Die vorgesehene Trasse verläuft nämlich über den jetzigen Flugplatz, genau zwischen zwei Hangars hindurch. Der Rest des Geländes wurde als Ersatz-Habitat für die Feldlerche ausgewiesen, eine ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Straßenbau.

Wie Michael Oswald, Vorsitzender der Luftsportvereinigung, berichtet, haben die unklaren Zukunftsaussichten schon 2010 dazu geführt, dass sich die Segelflieger aus dem Greilinger Verein anderweitig orientierten und ihren Sport seither auf dem Flugplatz Pömetsried in Ohlstadt ausüben. 2020 übergab der Verein Teile seines Geländes – Eigentümer ist der Bund – für das Bauvorhaben Nordspange an das Staatliche Bauamt. „Damit erlischt auch unsere luftrechtliche Genehmigung, weil wir nicht mehr über das gesamte Gelände verfügen“, erklärt Oswald.

Bau der Nordspange verkürzt die Landebahn

Doch er kann mittlerweile Entwarnung geben. „Wir haben jetzt einen langfristigen Pachtvertrag für den Rest des Flugplatzes bekommen“, erklärt der 72-jährige pensionierte Polizist, der bis 2008 die Tölzer Inspektion leitete. Auf dieser Grundlage könne man nun eine luftrechtliche Änderungsgenehmigung beantragen. „Dann hat der Verein Ruhe, und wir haben auf lange Sicht Gewissheit“, meint Oswald zufrieden.

Dass der Bau der Nordspange die bisher 1000 Meter lange Landebahn um 250 Meter verkürzt, „das tut uns nicht sonderlich weh“, sagt der Vorsitzende. „Für unsere Windenstarts genügen uns 800 Meter.“ Die Seilwinde wird für die Starts von Gleitschirmen, Drachen und Elektrofliegern genutzt. Daneben sind im Verein auch Modellflieger und Fallschirmspringer vertreten sowie seit Kurzem auch wieder eine Gruppe von Segelfliegern. „Das sind einige Enthusiasten, die mit Oldtimern unterwegs sind“, so Oswald.

Verein nimmt Rücksicht auf die Feldlerche

Arrangiert hat man sich auch mit der Feldlerche. Wie berichtet führt das Staatliche Bauamt auf dem nördlichen Teil des Geländes umfangreiche Maßnahmen durch, damit der seltene Bodenbrüter dort seine Nester bauen kann. Die Luftsportvereinigung hat sich mit der Behörde auf einen Kompromiss geeinigt: Die Windenstarts werden während der Brutzeit bis Juli neben die Landebahn verlegt. Zudem haben die Mitglieder ein Auge darauf, dass Spaziergänger auf den Wegen bleiben und Hunde anleinen. Mit Christoph Beck hat der Verein sogar einen eigenen Naturschutzbeauftragten installiert.

Auf dieser Basis plant die Luftsportvereinigung mit ihren 120 Mitgliedern nun für die Zukunft. So wollen die Vereinsaktiven eine neue Halle aufstellen. Dafür sieht man jetzt schon Bagger übers Gelände rollen. „Der Bauplatz wird eingeebnet, damit wir dort die Fundamente legen können“, erklärt Oswald.

Nebenan plant die Gemeinde Greiling einen Solarpark

Hier wird dann eine Halle aufgestellt, die bislang auf dem Fliegerhorst Neubiberg stand, wo es schon lange keine Flugnutzung mehr gibt. „Bei einer neuen Halle wäre man mit 40 000 bis 50 000 Euro dabei“, erklärt Oswald den Rückgriff auf das gebrauchte Gebäude. Diese Halle soll nun in Greiling als Ersatz für die beiden vorderen Hangars diesen – an einem von ihnen sieht man noch den seit Langem ungenutzten Tower. Sie werden abgerissen. Erhalten bliebt dagegen das dritte Gebäude in der jetzigen Reihe, eine ehemalige Hubschrauberhalle, die von der Bergwacht Bayern als Umschlagplatz für ihre Fahrzeuge genutzt wird.

Konkrete Pläne gibt es auch für den Teil des Flugplatzes, der sich südlich der Nordspangentrasse befindet. Hier plant wie berichtet die Gemeinde Greiling auf 3,6 Hektar einen Solarpark. Diese Woche stehen laut Bürgermeister Anton Margreiter Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über den Verkauf an.

Luftsportvereinigung freut sich über die neuen Nachbarn

Geplant ist eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 2,6 Megawatt. „Das würde den Energiebedarf von Greiling zu 120 Prozent decken“, sagt Margreiter. Die Gemeinde wird die Anlage wiederum an eine zu gründende Gesellschaft verpachten. Deren Eigentümer sollen zu je 26 Prozent Erdgas Südbayern und die „17er Oberlandenergie“ werden sowie zu 48 Prozent die Gemeinde beziehungsweise deren Bürger, die Anteile erwerben können.

Auch mit diesen Nachbarn können sich die Flieger bestens anfreunden. „Wenn wir dann unsere Elektroflieger mit Solarstrom aufladen können“, sagt Oswald, „dann ist doch die perfekte Nachhaltigkeit gegeben.“

Die Geschichte des Greilinger Fluggeländes

Das Greilinger Fluggelände wurde 1922/23 erstmals auf Flugkarten der Lufthansa erwähnt – und zwar als Notlandeplatz für Maschinen, die zwischen München-Oberwiesenfeld (heutiges Olympiagelände) und Innsbruck verkehrten. Dass der Flugplatz auch im örtlichen öffentlichen Leben eine Rolle spielte, ist für 1927 dokumentiert, als dort erstmals ein Großflugtag stattfand. Während der Zeit der SS-Junkerschule diente das Flugfeld als Kurier-Gelände, „hatte jedoch keine größere Bedeutung“, wie es auf der Internetseite der Luftsportvereinigung heißt. Das änderte sich, als 1953 die US-Eliteeinheit Special Forces nach Tölz kam. Der Airport wurde für Trainingsflüge genutzt und diente als Hubschrauberstützpunkt. Proteste der Bevölkerung gab es, als die Bundeswehr dort 1962 Düsenjäger-Tests durchführte – es blieb ein einmaliges Ereignis. 1980 wurde der Flugplatz nach einem unerwartet verstorbenen Kommandeur der Flint-Kaserne in „Bo-Baker-Airfield“ umbenannt. Seit dem Abzug der Amerikaner 1991 gehört das Fluggelände dem Bund.

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