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Die Flinthöhe in Tölz ist chronisch vom Verkehr überlastet.

Diskussionen im Gemeinderat

Pläne für die Tölzer Nordspange: Gemeinderäte in Greiling erzürnt

Geht es nach dem Willen der Befürworter der Nordumfahrung von Bad Tölz, könnte noch im Herbst der Planfeststellungsbeschluss gefasst werden. 

Greiling– Die Forderung der Gemeinde Greiling auf Nachbesserung beim Lärmschutz und bei der Oberflächenentwässerung sowie einen direkten Fahrradverbindung nach Bad Tölz, werden darin wohl nicht berücksichtigt werden. Das geht zumindest aus dem Sachstandsbericht von Bürgermeister Anton Margreiter hervor, den er am Dienstagabend im Gemeinderat abgab.

In einem Schreiben weist das Staatliche Bauamt darauf hin, dass die Einwände der Gemeinde von den zuständigen Fachstellen „intensiv überprüft“ worden seien. „Von keiner wurden dabei Mängel und Defizite in der Planung der Nordumfahrung im Bereich Greiling aufgezeigt“, heißt es wörtlich. Vorbehaltlich möglicher Auflagen im Planfeststellungsbeschluss sehe man „derzeit keinen Handlungsbedarf, die Planung zu ändern.“ Die Gemeinde Greiling wappnet sich nun für eine gerichtliche Auseinandersetzung mit der Regierung von Oberbayern. Schon vor geraumer Zeit hat man sich einen Rechtsbeistand genommen, der die Gemeinde sofort nach dem Feststellungsbeschlusses vertreten wird.

Erste Vorarbeiten für die Nordspange laufen bereits. So wurden im Bereich der künftigen Trasse der B 472 Probebohrungen vorgenommen, die, so Margreiter, zeigen sollen, ob sich Untergrund für das Bauvorhaben eignet. Außerdem seien spezielle ökologische Ausgleichsmaßnahmen geplant, die zwingend vor dem Beginn der Bauarbeiten erledigt sein müssen. Dabei handelt es sich vornehmlich um das Schaffen von Rückzugsflächen für die gefährdete Feldlerche (wir berichteten).

In der Diskussion kochte der Frust über die massiven Beeinträchtigungen, die durch die Staus auf der B 472, verursacht werden, so richtig hoch. „Ich habe den Eindruck, dass seit 2014 richtig Leidensdruck erzeugt wird“, sagte Gemeinderat Johann Huber. Offenbar wolle man die Mandatsträger mit Baumaßnahmen wie im vergangenen Jahr und auch heuer zum Beginn der Ferienzeit „weichkochen, um eine schnellere und unkritischere Zustimmung zu erreichen“. Kein gutes Haar ließ er an den neuen Ampeln auf der Flinthöhe, die sich als störungsanfällig erwiesen hätten. „Wenn man das hier vor Ort nicht in den Griff bekommt, sollte man vom hohen Ross runtersteigen und jemanden fragen, wo solche Ampeln in Reihe geschaltet sind“, lautete Hubers Ratschlag. Er sei von Bürgern angesprochen worden, die Probleme haben, Termine für einen Pflegedienst zu erhalten, weil Greiling durch die Staus schlecht erreichbar sei.

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Unbegreiflich, so Huber, sei die neue Verkehrsführung auf der Flinthöhe mit einer breiten Rechtsabbiegerspur und „dem Slalom in der Mitte“. All dieses Maßnahmen empfindet er als Schikane – unter dem Motto: „Die Greilinger klopfen wir schon weich.“ Ihm gehe es darum, den „Status quo so weit zu bringen, dass es für uns erträglicher wird und nicht noch schlimmer kommt. Ich habe massive Zweifel, dass man mit uns kooperativ zusammenarbeiten will.“

Margreiter gab ihm Recht. Er verstehe nicht, warum die gestellten Forderungen so unerfüllbar sein sollen. Gerade beim Radweg nach Tölz verschlechtere sich die Situation enorm. „Auf einer Länge von 800 Metern müssen drei verschieden gewidmete Wege genutzt werden“, beklagte er.

Zuhörerin Irene Melzer, die Rederecht erhalten hatte, sorgte sich um den Verkehr während der Bauzeit auf der B 472. Sie befürchtet, dass dieser wieder durch Greiling geleitet wird. Peter Strobl teilt diese Ansicht nicht. Der Verkehr werde sicher bis zur Fertigstellung über die alte Trasse der B 472 fließen, vermutet er. Genaueres soll eine Anfrage beim Staatlichen Bauamt bringen.

Thomas Koch trat für ein generelles Umdenken ein. Er plädierte für einen vierspurigen Ausbau der bisherigen Trasse der B 472 auf der Flinthöhe. Dadurch könnten Millionen eingespart werden. Margreiter machte ihm keine Hoffnung: Der Zug für eine Alternativplanung sei seit mindestens 15 Jahren abgefahren. Der Gemeinderat sollte nicht so leichtgläubig sein, zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas in eine andere Richtung lenken zu können. „Wir müssen darauf hinarbeiten, so bald wie möglich eine Lösung hinzubekommen, in der unsere Forderungen berücksichtigt sind.“ (ps)

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