Bilder vom Millionen-Projekt

Sylvenstein: Das war die Baustelle der Superlative

Lenggries - Die neue Dichtwand im Sylvensteindamm ist fertig. 11,5 Millionen Euro wurden in den vergangenen fünf Monaten verbaut. Ein Rückblick auf eine Baustelle der Superlative.

Der größte Bauauftrag des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts. Das größte Hochwasserschutz-Einzelprojekt im Freistaat. Die tiefste Dichtwand Deutschlands. 50 Meter hohe Baumaschinen, die fünf Tage die Woche rund um die Uhr arbeiteten. Doch trotz der vielen Arbeitsstunden, die investiert wurden, wird am Ende alles so scheinen wie vorher. Denn von der neuen Dichtwand ist von außen überhaupt nichts zu sehen. Ja, eine Einweihung könnte schwierig werden, meint Bauleiter Peter Kratz vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) lachend.

Sylvenstein: Bilder von der Baustelle der Superlative

Es lief rund auf der Großbaustelle. Nur zwei Tage später als geplant - fünf Monate nach dem Baubeginn - wurde die letzte Lamelle der Dichtwand gefräst und mit Beton gefüllt. 180 Meter ist sie lang, ein Meter dick und bis zu 70 Meter tief. 10 000 Kubikmeter Beton kamen zum Einsatz. „Wir waren am Anfang skeptisch, dass das mit dem Zeitplan funktioniert. Wir mussten der Firma Bauer vertrauen - und es hat toll geklappt“, lobt Kratz. Überhaupt sei das Unternehmen aus Schrobenhausen ein echter Glücksgriff gewesen, fügt Dr. Tobias Lang, am WWA zuständig für den Sylvensteinspeicher, an. Alle Herausforderungen wurden gemeistert - und davon gab es einige. „Sie arbeiten ja hier in einer Tiefe, wo sie nichts sehen“, erklärt Kratz die Schwierigkeit. Und wenn die Spezialmaschinen dabei auf Unvorhergesehenes stoßen, kann das zum Problem werden.

Der kritischste Moment war, als klar wurde, dass sich irgendwo im Dammkörper Spundwände aus Stahl befinden. Aus alten Luftbildern vom Bau wurde versucht, möglichst genau herauszumessen, wo sich die Hindernisse befinden. Und tatsächlich stieß man dort in 45 Metern Tiefe auf Stahl. „Wir hatten Riesenglück, dass die Wand wirklich da war, wo wir sie vermutet haben“, sagt Kratz. Mit dem gewaltigen Greifer sei es dann gelungen, die Stahlwand komplett herauszuziehen.

Die technische Leistung und die riesigen Baumaschinen lockten viel Publikum an. Allein das Wasserwirtschaftsamt organisierte 30 Führungen. „Wir hatten Fachgruppen von Universitäten, Ingenieurbüros und Verbänden da“, sagt Lang. Eine ähnliche Anzahl von Besuchern führte die Firma Bauer über den Damm - darunter Delegationen aus den USA und dem Irak, wo ähnliche Projekte geplant sind.

Gearbeitet wurde Montag bis Freitag rund um die Uhr. Kam es unter der Woche zu Verzögerungen, konnte samstags nachgearbeitet werden. „Wir hatten eine recht gewitterträchtige Sommersaison“, sagt Kratz. Und wenn es blitzt, sei das Arbeiten in rund 50 Meter hohen Maschinen, die exponiert auf einem Damm stehen, keine so gute Idee. Stundenweise musste dann die Arbeit unterbrochen werden. „Und leider hatten wir jeden zweiten Tag Gewitter.“ Umso erstaunlicher sei, dass der Bauzeitenplan praktisch exakt eingehalten wurde. „Es war eine super Teamarbeit von allen Beteiligten“, sagt Kratz.

Am Rande der Baustelle lief nicht alles ganz so rund. Die Fischer murrten wie berichtet über den niedrigen Wasserstand im Speichersee. Der lag monatelang sechs Meter unter der normalen Sommerhöhe. „Wir wissen, dass das eine Geduldsprobe war“, sagt Lang. Die Absenkung sei aber nötig gewesen, um mit kleineren Hochwassern fertig werden zu können, ohne die Arbeiten unterbrechen zu müssen.

Die meisten Probleme gab es mit dem Verkehr. Anfangs bretterten - trotz Beschränkung auf 3,5 Tonnen - Lastwagen und Busse über die Behelfsbrücke. Und zwar so lange, bis die Holzkonstruktion beschädigt war. Später prallten dann in regelmäßigen Abständen vermutlich dieselben Uneinsichtigen gegen die angebrachte Höhenbeschränkung. „Ich habe ehrlich gesagt aufgehört zu zählen, wie oft das passiert ist“, sagt Kratz. War der Schaden größer, musste die Brücke während der Reparaturarbeiten einen Tag lang gesperrt werden. „Ich glaube, das war dreimal nötig.“

Abbau und Abtransport der großen Spezialmaschinen werden noch einige Tage dauern. Sobald der Kanal gelegt ist, erfolgt die Asphaltierung der B 307, die über den Damm führt. Danach verschwinden die Ampeln und die Behelfsbrücke. Ab Mitte Oktober dürfte der Verkehr wieder ungehindert über den Damm rollen. Nur der Fahrradtunnel wird erst im Frühjahr wieder geöffnet.

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