Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen
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Damit’s bald auch ohne Flügelchen geht, bieten viele Wasserwachten und die Stadt Bad Tölz Schwimmkurse an. Doch der Bedarf ist so groß, dass er nicht zu decken ist.

Besorgte Wasserwachten 

Große Nachfrage nach Schwimmkursen im Landkreis

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„Immer mehr Nichtschwimmer in Deutschland“: Das ergab eine Studie, die kürzlich veröffentlicht wurde. Wasserretter im Landkreis sehen aber ganz andere Probleme.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Einige tödliche Badeunfälle ereigneten sich in den vergangenen Wochen. In diesem Zusammenhang wurde auf Studien hingewiesen, wonach es in Deutschland immer mehr Nichtschwimmer gibt. Ingo Roeske, technischer Leiter der Wasserwacht im Landkreis, spricht aber von einer Pauschalisierung. „Der Prozentsatz an Nichtschwimmern ist gleich geblieben.“ Was aber abgenommen habe, seien die Schwimmfähigkeiten. „Wenn mich meine Eltern vor 40 Jahren in den Starnberger See geschmissen hätten, hätte ich die 500 Meter zurück zum Ufer schwimmen können. Heute glaube ich nicht, dass viele ankommen würden“, sagt er. Durchhaltevermögen, das richtige Reagieren in Notsituationen: Das sei abhanden gekommen.

Woran das liegt? Erstens werde weniger Schwimmunterricht an den Schulen gegeben. Für viele sei der Aufwand zu groß. „Außerdem gehen immer weniger Eltern regelmäßig mit ihren Kindern ans Wasser, so dass sie sich weniger daran gewöhnen können.“ Die Wasserwachten merken dies beispielsweise in ihren Schwimmkursen. „Die meisten Kinder haben nicht einmal Vorkenntnisse.“ Roeske würde es begrüßen, wenn Eltern ihren Kindern wenigstens Grundlagenkenntnisse vermitteln würden.

Fehlt der Respekt vor dem Wasser?

Eine weitere Entwicklung ist laut Roeske der fehlende Respekt vor dem Wasser. „Mit einem gebrochenen Bein kann man am Berg eine Weile durchhalten, bis man gerettet wird. Im Wasser hat man nur ein paar Minuten.“ Von den 74 in Bayern ertrunkenen Personen im vergangenen Jahr seien viele Tauchsportler oder alte Personen gewesen.

Schwimmkurse für Kinder sind extrem nachgefragt. Die Wartelisten in Wolfratshausen seien so lang, „dass wir sie nicht abarbeiten können“. Das größte Problem im Nordlandkreis: fehlende Kapazitäten im Schwimmbad. Es gebe nur gewisse Zeiten, in denen Kurse angeboten werden können. Kernzeit sei 16 bis 18 Uhr. „Das wird dann schnell eng.“ Die Wolfratshauser Wasserwacht habe alle 14 Tage eine Stunde Zeit im Geretsrieder Hallenbad. „Da wollen dann 17 Kinder gleichzeitig schwimmen lernen“, sagt Roeske. „Wir brauchen für die Breitenausbildung mehr Hallenbadplätze.“ Denn: „Es sollte kein Kind geben, das nicht schwimmen kann. Gerade hier bei uns. Wir sind ein Landkreis mit sehr viel Wasserfläche.“

Voll sind auch die von der Stadt Bad Tölz kostenlos angebotenen Schwimmkurse für die Kindergärten. „Diese werden sehr gut genutzt“, sagt Schwimmmeister Reinhard Oberleitner. Auch er hat aber beobachtet, dass generell weniger Kinder zum Schwimmen gehen. „Die Notwendigkeit wird nicht mehr so gesehen“, glaubt er. Am ärgerlichsten findet er es, wenn Kinder, die für den Kurs angemeldet sind, nicht erscheinen. „Ich kenne meistens nicht die Hintergründe. Aber trotzdem nehmen diese einer Familie den Platz weg, die vielleicht gerne teilgenommen hätte.“

Korbinian Landthaler von der Lenggrieser Wasserwacht glaubt, dass die Problematik mit nicht schwimmenden Kindern auf dem Land nicht ganz so groß ist wie in der Stadt. „Bei uns gehen die Eltern ja noch oft mit ihren Kindern an den See.“ In den Sommerferien wird aber auch im Brauneckdorf wieder ein Kurs für Kinder angeboten.

Kursleiter gesucht

Ein solcher ist in Kochel geplant – der genaue Termin steht noch nicht fest. „Wir haben die Erlaubnis vom Trimini, dass wir dort wieder trainieren dürfen“, sagt Wasserwachtchef Anton Simmeth. Das entschärfe die Situation ungemein. Geplant ist ein Kurs im September. „Wenn wir die Anmeldung starten, wird er wohl ratzfatz voll sein“, sagt Simmeth. Platz ist für acht Kinder. „Selbst wenn wir es schaffen, einen zweiten anzubieten, ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Er lobt in dem Zusammenhang die Grundschule Kochel. „Der Schulleiter ist sehr aktiv“ und versuche, die Kinder wieder verstärkt zum Schwimmen zu motivieren. Jetzt, wo wieder ein Bad zur Verfügung stehe, sei das Problem eher personeller Natur. „Wir bräuchten Leute, die einen Kurs durchführen können. Das kann nicht jeder.“

Auch die Schwimmkurse der Wasserwacht in Bad Tölz sind gut besucht, wie deren Vorsitzender Wolfgang Hofmann sagt. „Der Bedarf ist so groß, dass wir ihn alleine gar nicht decken könnten.“ Aber in der Kurstadt sei die Lage noch recht gut. „Da haben es andere Kommunen im Landkreis schwerer, wo es kein Hallenbad gibt.“

Doch es gibt nicht nur die Nachfrage für Kinder-Schwimmkurse. Auch Erwachsene haben Nachholbedarf. Erst kürzlich war ein 28-jähriger Flüchtling in Landsberg im Freibad ertrunken. „Das Problem ist, dass viele der Menschen, die zu uns kommen, mit Wasser gar nicht umgehen können“, sagt Hofmann. Die Wasserwacht Tölz hat zuletzt Schwimmkurse für Asylbewerber angeboten. Mit Erfolg: „Einer der Teilnehmer war so begeistert, dass er bei uns Mitglied geworden ist und jetzt die Ausbildung zum Rettungsschwimmer machen will.“

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