Müll am Walchensee nach schönen Sommertagen.
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Unschöne Hinterlassenschaften: Was von schönen Ausflugstagen übrig bleibt, ist häufig Müll.

Zugeparkte Rettungswege und Müll – Wasserwacht kommt Ruderbooten in Seenot zu Hilfe

„Großkampftag“ am Walchensee

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Am Samstag waren die Zustände am Walchensee erneut chaotisch. Ranger, Forst-Mitarbeiter und Wasserwacht berichten von ihren Erlebnissen.

  • Am Samstag wurde der Walchensee erneut von Tagestouristen überrannt.
  • Rettungswege wurden zugeparkt und reichlich Müll hinterlassen.
  • Die Wasserwacht musste zudem Bootfahrer in Seenot retten.

Walchensee – „Wir bitten um Verzeihung. Wir wollen einfach baden!“ Diesen Zettel fand Walchensee-Rangerin Sabine Gerg in der Windschutzscheibe eines Autos mit einheimischem Kennzeichen vor, das am vergangenen Samstag den Rettungswegstreifen zuparkte. Und auf den Hinweis eines Mautposten, dass die Parkplätze am Walchensee-Südufer komplett überlastet seien, reagierte ein Besucher mit: „Da schau ich schon selber nach.“ Dies waren nur zwei der vielen Vorkommnisse, mit denen Ranger, Forst-Mitarbeiter und Wasserwacht an jenem Tag konfrontiert waren.

Eigentlich, so Forstrevier-Leiter Hans Bierling auf Anfrage, habe er gedacht, irgendwann müsse der Zenit erreicht sein. Doch am Samstag wurden die Ausflüglerzahlen am Walchensee noch einmal getoppt. Wie berichtet waren schon um 9 Uhr morgens über 300 Autos am Mautposten vorbeigefahren. „Da konnten wir schon ahnen, was auf uns zurollt.“ Ab Mittag seien die Parkplätze durchgehend belegt gewesen. „Man kann es den Menschen nicht verdenken, dass sie an diesen wunderschönen Platz möchten“, sagt Bierling. Er wünsche sich einfach, dass wichtige Regeln eingehalten werden. Denn der Frust bei seinen Mautposten und auch bei den Rangern steige mit jedem schönen Sommertag – und weitere Steigerungen sind bereits absehbar.

„Nach einer Stunde waren die Rettungswege wieder belegt.“

Hans Bierling, Forstrevier-Leiter

Zu den Regeln gehört das Freihalten von Rettungswegen. „Am Samstag haben die Ranger mit Mühe die neuralgischen Punkte freibekommen – eine Stunde später waren diese wieder belegt“, berichtet Bierling. Eine wirkliche Handhabe gebe es eigentlich nicht – abschleppen könne nur die Polizei, und der Abschleppwagen könne sich bei der Enge der zugeparkten Straße kaum einen Weg bahnen.

Die Mautstraße sei eine ehemalige Forststraße, die eigentlich nicht für den Begegnungsverkehr gedacht sei, sagt Bierling. Neben Autos seien dort aber auch immer mehr Radfahrer, Fußgänger und Skater unterwegs. Dass dort relativ wenige Unfälle passieren, hängt seiner Meinung nach damit zusammen, dass nicht besonders schnell gefahren werden könne.

Die Bankette habe der Forstbetrieb in mühsamer Arbeit befestigt. „Da haben wir auch dieses Jahr viel Geld reingesteckt. Inzwischen ist aber alles in Grund und Boden gefahren.“ Um der Verkehrssicherungspflicht zu entsprechen, stopfe er an Schlechtwettertagen immer Löcher in der Straße.

Eine unschöne Hinterlassenschaft an schönen Sommertagen ist stets die zurückgelassene Müllmenge. Die Mautposten sammeln nach ihren Schichten den Müll von den Ufern auf. Besonders schlimm sei es am Hauptbadeplatz Niedernacher Bucht – aber das Problem breite sich immer mehr aus. Er habe beobachtet, dass viele Menschen nicht mehr zum Essen gehen, sondern ihren Proviant mitbringen. Der entstehende Müll werde dann einfach liegen gelassen. Manchmal müssten sich die Mautposten und die Ranger dann auch noch Beschimpfungen anhören: Warum denn keine Mülleimer oder Container aufgestellt werden? „Aber das hatten wir früher schon, dann sind nachts Leute gekommen und haben dort ihren Sperrmüll entsorgt.“ Auch würde der Müll Füchse anziehen, die Müllsäcke auf der Suche nach Futter zerreißen und den Abfall weiter verteilen. Man könne selbstverständlich nicht alle Erholungssuchenden über einen Kamm scheren, sagt Bierling. „Aber da kommen Tausende von Menschen – wenn davon nur zehn Prozent Schwierigkeiten machen...“

Einen „Großkampftag“ nennt auch Lisa Grünwald von der Wasserwacht Walchensee den Samstag. „So schlimm haben wir es noch nicht erlebt.“ Der Stau der anreisenden Fahrzeuge sei nahtlos in den Stau der abreisenden Autos übergegangen.

„Tagsüber war es relativ ruhig“, sagt Grünwald. Vormittags kümmerten sich die Helfer um einen häuslichen Unfall, bei dem sich eine Walchenseerin eine Augenverletzung zugezogen hatte. Sie wurde mit den Hubschrauber nach München in die Augenklinik gebracht. Eine Person wurde an der Wasserwachthütte versorgt, nachmittags musste eine Frau mit einem gynäkologischen Problem versorgt werden. Auf dem Rückweg rollte im dichten Verkehr ein Radfahrer auf das rangierende Wasserwachtfahrzeug auf, der Radler zog sich dabei einen leichten Kratzer zu.

Während die Menschen am Strand dicht auf dicht lagen, sei es auf dem See relativ ruhig gewesen, sagt Grünwald. Erst am späten Nachmittag zog es vermehrt Menschen aufs Wasser.

„Aber man hat da schon gesehen, dass der Himmel immer dunkler wird“, sagt Grünwald. Überraschenderweise wurden die Badestrände aber nicht wirklich leerer. Um 19.20 Uhr, als der Sturm bereits wütete, wurden die Helfer zu einem Einsatz gerufen. Zwei Ruderboote waren in Seenot geraten. „Die hatten die orangenen Blinklichter, die seit nachmittags auf Starkwind hinwiesen, nicht gesehen, haben sie selber angegeben“, sagt Grünwald.

Als sie von Niedernach nach Urfeld zurückrudern wollten, kamen die vier jungen Leute aus dem Raum Weilheim nicht mehr vorwärts. Aufgrund der bis zu eineinhalb Meter hohen Wellen waren sie zunächst nicht gut zu sehen. Die in Niedernach stationierte Wasserwacht half mit – und die Besatzungen beider Boote konnten gerettet werden, die Boote, in die bereits Wasser geschwappt war, wurden abgeschleppt. Grünwald: „Wir sind froh, dass das gut ausgegangen ist.“

Schon zuletzt hatte die Wasserwacht Walchensee zahlreiche Einsätze zu bewältigen. Ein Boot war dabei gekentert.

Und auch am Sylvenstein waren zuletzt die Zahlen der Erholungssuchenden gestiegen. Isar-Ranger berichten von Müll, Feuer und Fäkalien in Gärten.

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