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Kesselberg nach Geröllsturz wieder befahrbar: Ampel wird längere Zeit den Verkehr regeln

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Von: Christiane Mühlbauer

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Felsen und Baumstämme fielen am Samstag auf die B11. Seither ist die Straße über den Kesselberg gesperrt.
Felsen und Baumstämme fielen am Samstag auf die B11. Seither ist die Straße über den Kesselberg gesperrt. ©  Christoph Marksteiner/Feuerwehr Kochel am See

Seit Samstag war die wichtige Nord-Süd-Verbindung am Walchensee nach einem Geröllsturz am Kesselberg gesperrt. Nun wird die Strecke halbseitig wieder freigegeben. Eine Ampel regelt den Verkehr. Doch der Schaden im Gelände ist groß. Autofahrer müssen sich für einen längeren Zeitraum auf Behinderungen einstellen.

Update vom 11. November, 17.40 Uhr:

Die B 11 zwischen Urfeld und Kochel wird am Donnerstagabend, 11. November, um 18 Uhr wieder halbseitig für den Verkehr freigegeben. Das teilt das Staatliche Bauamt Weilheim mit. Der oberhalb der Fahrbahn liegende Hangbereich wurde von losem Geröll und Baumstämmen befreit, die Fahrbahn an den betroffenen Stellen ausgebessert und die Schutzplanke auf der Talseite erneuert.

Stein- und Blockschlag sowie Windwurf können allerdings weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Um die Verkehrsteilnehmer zu schützen, seien die Planung und der anschließende Bau von neuen Steinschlagschutzzäunen und Felsvernetzungen notwendig, heißt es in einer Pressemitteilung. Um den Verkehr zumindest halbseitig an der Gefahrenstelle vorbeiführen zu können, wurde eine Absperrung aus Betongleitwand mit aufgesetztem Schutzzaun auf der Fahrbahn aufgebaut. Zudem gibt es eine verkehrsabhängig schaltende Ampelanlage.

Die Planung und der Neubau der Steinschlagschutzzäune werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Genaue Aussagen über eine vollständige Freigabe der Fahrbahn kann das Staatliche Bauamt noch nicht machen. (müh)

Bericht vom 11. November:

Walchensee - Weil der Kesselberg gesperrt ist, kann man Walchensee derzeit nicht von Norden erreichen. Menschen, die zur Arbeit müssen, fahren teils weite Umwege. Der Bäcker hat den Lieferservice eingestellt, und Schulkinder werden mit dem Taxi zur Realschule nach Schlehdorf gebracht – via Garmisch-Partenkirchen. Aber alle tragen es mit Fassung.

Sperrung am Kesselberg voraussichtlich bis Donnerstagabend

Dass bei dem großen Baum- und Geröllsturz am Samstag in den Morgenstunden am Kesselberg niemand zu Schaden gekommen ist, bezeichnet Armin Ebersberger, einer der beiden Geschäftsführer von „Dorfleben Walchensee“, als „unendliches Glück“: „Normalerweise ist an einem Samstag bei schönem Wetter in der Früh schon viel los.“

Wegen der Aufräumarbeiten bleibt die B11 zwischen Kochel und Urfeld vermutlich bis Donnerstagabend komplett gesperrt. Bis dahin sollen die schlimmsten Schäden behoben sein, sodass der Verkehr dann immerhin halbseitig, mit einer Ampelregelung, an der Gefahrenstelle vorbei fahren könnte.

Kesselberg-Sperrung: Bürger von Walchensee tragen Sperrung mit Fassung

Die Walchenseer Bürger und Betriebe tragen die Sperrung mit Fassung. Frank Sommerschuh, der für seinen Arbeitsplatz täglich von Walchensee nach Miesbach pendelt, fährt über die Jachenau. „Es ist schon eine Herausforderung, aber es geht halt nicht anders“, sagt der Freie-Wähler-Gemeinderat. Als vor Kurzem abends Bauausschuss-Sitzung war, fuhr er von Miesbach nach Kochel und dann über Garmisch-Partenkirchen nach Hause.

Frank Sommerschuh pendelt von Walchensee nach Miesbach.
Frank Sommerschuh pendelt von Walchensee nach Miesbach. © Archiv

Walchenseer Kinder, die zur Realschule nach Schlehdorf müssen, werden mit dem Taxi über Garmisch dorthin gefahren. Den Service übernimmt ein Unternehmen aus Krün. Abfahrt ist morgens um 6.30 Uhr. „Das Tölzer Landratsamt war hier sehr hilfsbereit und hat das schnell organisiert“, freut sich Sommerschuh, dessen Sohn betroffen ist.

Walchensee von Kesselberg-Sperrung betroffen: Anderer Alltag in Kindergarten und Schule

Auch im Kindergarten und in der Grundschule ist der Alltag anders als gewohnt. Sechs, sieben Mitarbeiter von „Dorfleben Walchensee“ kommen nur auf Umwegen zu ihrem Arbeitsplatz und stehen dann vor kleineren Gruppen. Rund 20 Mädchen und Buben fehlen derzeit. „Die Kindergarten-Kinder aus dem Tal bleiben zu Hause. Denn die Kleinen über Garmisch zu transportieren, wäre zu aufwändig“, sagt Armin Ebersberger.

Die Grundschüler machen Homeschooling. „Die Lehrer sind bemüht, in diesen Tagen nicht all zu viel Neues zu unterrichten. Das soll passieren, wenn alle wieder anwesend sind, damit der Lernfortschritt gleich ist“, sagt Ebersberger. In Bezug auf die Gesamtsituation am See meint er lächelnd: „Wir sind hier Improvisations-Weltmeister.“

Verzichten müssen die Walchenseer derzeit aber auf frische Brezen, Semmeln und Brot im Dorfladen. Bäckermeister Toni Lugauer aus Benediktbeuern nimmt den Umweg nicht in Kauf. „Das rentiert sich wirtschaftlich nicht“, sagt er.

Wegen Kesselberg-Sperrung: Sanka kommt aus Mittenwald oder Garmisch nach Walchensee

„Zum Einkaufen fahren wir nach Wallgau“, berichtet Lisa Grünwald. Zusammen mit ihrem Mann Alois und weiteren Walchenseern, die hauptberuflich überwiegend im Rettungsdienst arbeiten, kümmern sie sich ehrenamtlich als „Helfer vor Ort“ um medizinische Notfälle. „In den vergangenen Tagen ist aber Gott sei Dank nichts passiert“, berichtet Alois Grünwald. Im Notfall komme der Sanka aus Mittenwald oder Garmisch oder eben ein Hubschrauber.

Alois Grünwald engagiert sich als „Helfer vor Ort“.
Alois Grünwald engagiert sich als „Helfer vor Ort“. © Pröhl

Alois Grünwald war als Notfallsanitäter in den vergangenen Tagen beim BRK in Lenggries stationiert und fuhr wie gewohnt über Jachenau. Härter würde es ihre Söhne treffen, berichten die Grünwalds: Die Burschen müssen via Garmisch nach Penzberg und Starnberg fahren – Letzteres dauere eine Stunde und 40 Minuten. „Alle Walchenseer, die derzeit im Homeoffice arbeiten können, sind glücklich.“

Sperrung am Kesselberg: Tagesausflügler zum Jochberg, Heimgarten und Herzogstand bleiben aus

In touristischer Hinsicht ist am See natürlich deutlich weniger los als sonst. „Betroffen sind vor allem die Tagesausflügler, die von Norden kommend bei dem schönen Wetter Jochberg, Heimgarten, Herzogstand besuchen wollen“, sagt Daniel Weickel, Leiter der Abteilung Tourismus im Rathaus in Kochel.

Das spüren Hotelbetriebe und Bergbahn – aber auch sie tragen es mit Fassung. „Es ist ja nicht das erste Mal“, sagt Jörg Findeisen, Geschäftsführer der Herzogstandbahn, und erinnert sich an Lawinen-Abgänge im Winter. Trotzdem: Für die Bergbahn fällt das Geschäft ins Wasser. „Wir haben 60 bis 65 Prozent weniger Gäste.“ Gerade bei dem schönen Herbstwetter in den vergangen Tagen „hätten wir im Endspurt gerne noch Geld verdient“. Die Bahn geht heuer schon am Montag, 15. November, in Revision.

Seufzend, aber ebenfalls gefasst beurteilt Kamil Dzygalo vom Hotel Karwendelblick in Urfeld die Lage. „Bei uns herrscht tote Hose“, sagt der Geschäftsführer. Tagestouristen habe man so gut wie keine. Abgesehen von einer Stornierung seien aber wenigstens die Hotelgäste dem Walchensee treu geblieben. „Sie sind nicht begeistert, so einen Umweg fahren zu müssen, und das bei diesen Benzinpreisen.“ Trotzdem würden sie alle sagen: „Mei, es ist halt so.“

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