Die Lohntüte einer Hebamme ist sowieso schon nicht üppig gefüllt. Dazu kommen noch ständig steigende Versicherungsbeiträge. Foto: mm-Archiv

Hebammen in Not: Versicherungsprämien bedrohen ein Berufsbild

Bad Tölz - Gewaltige Versicherungsprämien von mehreren tausend Euro allein für die haftpflicht machen es Hebammen zunehmend schwer, ihren Beruf auszuüben. Nachwuchs bleibt aus.

Maschinen, die die Herztöne überwachen, und ab und zu schaut mal eine Hebamme herein: So könnte das Szenario aussehen, wenn sich an der derzeitigen Situation für Hebammen nichts ändert. Denn zum 1. Juli wird für sie der jährliche Beitrag der Berufshaftpflichtversicherung auf 4242 Euro steigen. Eine immense Summe, wenn man bedenkt, dass dazu noch Krankenversicherung, Rechtsschutzversicherung, Rentenversicherung und etwa Beiträge für die Berufsgenossenschaft gezahlt werden müssen. „Vor allem Kolleginnen, die Kinder haben und nur Teilzeit arbeiten, können sich das einfach nicht mehr leisten“, erklärt Birgit Krey, Hebamme aus Bad Tölz. Viele führten auch keine Geburten mehr durch sondern kümmerten sich nur noch um Vor- und Nachsorge, sagt Martina Winkler, Hebamme in der Asklepios-Klinik. „Da ist die Versicherung billiger. Aber dafür sind wir doch nicht Hebammen geworden.“

Für einen Hausbesuch bekomme Krey 27 Euro, dabei sei es aber egal, ob dieser zehn Minuten oder eineinhalb Stunden dauert. Der pauschale Lohn für eine Beleggeburt beträgt 237 Euro. Das ist das Brutto-Entgelt für elf Stunden Arbeit - man kann sich ausrechnen, wie viele Geburten nötig sind, um finanziell über die Runden zu kommen. Doch vor allem in ländlichen Gebieten wird es in Zukunft schwer, diese Geburtenzahl zu erreichen. Tag und Nacht, Weihnachten und Silvester müssen Hebammen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nicht verwunderlich ist da, dass der Beruf für junge Mädchen mittlerweile nicht mehr attraktiv ist. „Diese Kosten halten viele davon ab, den Beruf zu erlernen“, sagt Doris Wallé, die ebenfalls als selbstständige Hebamme in der Asklepios-Klinik arbeitet. „Früher oder später wird deshalb unser Beruf aussterben. Dadurch wird es bei den Geburten zu einer Massenabfertigung kommen.“ Der menschliche Aspekt, der persönliche Bezug zwischen Gebärender und Hebamme werde wegfallen. „Gezwungenermaßen wird es dann auch viel mehr Kaiserschnitte geben, denn dabei ist der Zeitaufwand schlichtweg geringer“, erklärt Dina Born, die auch als Hebamme in der Asklepios-Klinik tätig ist. „Vielleicht wird es auch gar keine Hebammen mehr geben“, fügt Wallé hinzu „und das machen dann nur noch Krankenschwestern mit Zusatzausbildung“. Die Qualität werde jedenfalls leiden, das stehe fest.

Die Ursache für die horrenden Versicherungsprämien liege nicht etwa in einer gestiegenen Zahl von Schadensfällen. Der Grund dafür ist vielmehr die deutlich verbesserte Intensivtechnik. „Ein Kind, das früher nicht überlebt hätte, kann heute mittels moderner Technik viel länger am Leben erhalten werden - dadurch entstehen letztendlich über Jahre hinweg hohe Kosten“, sagt Martina Winkler. Und auch wenn die Schuldfrage oft gar nicht geklärt ist, fiele meistens am Ende alles auf die Hebamme zurück. „Im Schadensfall muss ja schließlich ein Schuldiger her“, so Krey.

Verantwortlich für die prekäre Situation der Hebammen fühlt sich unterdessen niemand. Dina Born zieht ein Fazit: „Der ehemalige Gesundheitsminister Philipp Rösler war wenigstens zu Gesprächen bereit. Aber bei seinem Nachfolger Daniel Bahr fangen wir wieder bei Null an.“

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