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Amtsgericht

Hitlergruß gegenüber dunkelhäutigen Passanten

Bad Tölz/Wolfratshausen - Deutlich zu viel Alkohol lockerte zwei Tölzer Obdachlosen die Zungen und bescherte ihnen einen Termin beim Strafrichter. Sie mussten sich wegen „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ verantworten.

Am 3. August vorigen Jahres gegen 15.30 Uhr zechten Konrad M. (49) und Sebastian B. (28, Namen geändert) auf einer Bank in der Bahnhofstraße. Dabei sollen sie mindestens dreimal – unter anderem gegenüber einer Familie mit Migrationshintergrund – den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt und laut „Adolf Hitler“ geschrieen haben.

Beide beteuerten vor Gericht, weder politisch rechts orientiert zu sein, noch irgendwelche Sympathien für den Nationalsozialismus zu hegen. „Ich fand das eher lustig. Das Ganze ist aus einer Blödelei entstanden, die Hitlerworte waren eher wie ein kindlicher Scherz“, faselte der 49-jährige M., der einen etwas wirren Eindruck machte. Er räumte jedoch ein, das ihm „nüchtern betrachtet“ die Aktion peinlich sei.

Angefangen habe damit der mitangeklagte B., den er erst am Tattag kennengelernt habe. Letzteres bestätigte der 28-Jährige. Ihre ausgeprägte Liebe zum Alkohol hatte beim Einkaufen im Supermarkt schlagartig gegenseitige Sympathie erzeugt.

Zur Aufklärung des Geschehens konnte B. nichts beitragen. Außer dass er schon am Vortag „bis zum Delirium“ gesoffen und nach dem Aufwachen weitergetrunken habe, brachte sein Langzeitgedächtnis nichts Verwertbares hervor. „Ich kann nicht sagen, dass ich’s nicht war“, so der Angeklagte. Immerhin erinnerte er sich vage, dem Polizeibeamten, der von Passanten gerufen worden war, seinen Personalausweis gezeigt zu heben.

„Ich habe mich über den Vorwurf später sehr erschrocken. Ich kann nicht erklären, wie ich auf die Idee gekommen bin“, sagte der 28-Jährige. „Ich schäme mich dafür, was da passiert ist.“

Seinen Alkholkonsum bezifferte B. mit circa 15 Bier bis zum frühen Nachmittag. 12 bis 14 Bier will M. im selben Zeitraum getrunken haben. Beide waren so stark betrunken, dass sie nicht vernommen werden konnten und ein brauchbarer Alkoholtest nicht zustandekam. Eine medizinische Sachverständige attestierte beiden Beschuldigten zwar eine „erhebliche Verminderung der Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit“. Einen Hinweis darauf, dass sie nicht mehr wussten, was sie taten, konnte die Gutachterin jedoch nicht ausmachen.

Richter Helmut Berger verurteilte die Angeklagten zu jeweils 40 Tagessätzen à 15 Euro (gesamt je 600 Euro).

Rudi Stallein

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