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Kirchenzug der Hochzeitslader: Angeführt von Ernst Ausfelder (vorne, rechts) und der Musikkappelle Reichersbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ging es am Sonntag zum Festgottestdienst.

„Es wird jedes Jahr schöner – wie die Ehe“

Was der Hochzeitslader über die Ehe weiß

Reichersbeuern – Er und seine Kollegen begleiten Paare durch den schönsten Tag ihres Lebens. Zum 55. Hochzeitsladertreffen haben wir mit Ernst Aufelder aus Reichersbeuern gesprochen.

Ernst Ausfelder hat in seinen 21 Jahren als Hochzeitslader rund 300 Mal seine Tegernseer Tracht angezogen, den Stab mit den bunten Bändern in die Hand genommen und das Brautpaar durch den „schönsten Tag im Leben“ begleitet. Am Sonntag ist der 47-Jährige aus Ascholding (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit rund 150 Männern und zwei Frauen aus Bayern und Österreich zusammengekommen, die den tradtionellen Brauch am Leben erhalten. Am Rande des 55. Hochzeitsladertreffens in Reichersbeuern erzählte er unter anderem, dass er bis jetzt mit seiner Prognose, ob ein Paar zusammenbleibt oder nicht, fast immer richtig gelegen hat.

Sind Sie verheiratet?

Ja und ich hatte natürlich auch einen Hochzeitslader. Ein Spezl und Kollege von mir hat das wunderbar gemacht. Für mich war es ein extrem stressfreier Hochzeitstag, ich musste mich um nichts kümmern und brauchte nur feiern.

Wann haben Sie den Hochzeitslader in Ihnen entdeckt?

Wie so oft war das gar nicht geplant. Ich hatte vorher auf Geburtstagsfeiern immer mal wieder Gstanzl gesungen und dann hat mich eine Nachbarin gefragt, ob ich nicht bei ihrer Hochzeit den Hochzeitslader machen könnte. Das ist gut angekommen, im Jahr darauf hat wieder ein Spezl gefragt und das ging so weiter, bis ich gesagt habe: Jetzt mache ich es offiziell. Es macht viel Spaß und wird jedes Jahr noch schöner – wie die Ehe.

Heute haben sich zwei neue Hochzeitslader vorgestellt. Wir wird man Hochzeitslader?

Wer Hochzeitslader werden will, braucht einen Paten aus dem Kreis der Hochzeitslader, der für ihn bürgt und einem alles Wichtige beibringt. Beim jährlichen Treffen stellt sich der Neue dann vor, trägt einen Vers vor oder erzählt einen Witz. Dann stimmen die Anwesenden ab, ob er aufgenommen wird. Soweit ich mich erinnern kann, wurde aber bisher noch niemand abgewiesen.

Welche Eigenschaften muss ein Hochzeitslader mitbringen?

Eine kräftige Stimme schadet auf keinen Fall. Außerdem braucht man eine gewisse Menschenkenntnis und ein gehöriges Grundwissen, was Abläufe und Brauchtum angeht. Wichtig ist auch die Erfahrung, die man mit der Zeit gewinnt.

Wie muss man sich ein Treffen unter Kollegen vorstellen?

Das ist wie eine Art Vereinsjahrtag, obwohl wir kein Verein sind. Mit Gottesdienst, Gedenken an die Verstorbenen, gemeinsamen Essen. Natürlich wird dabei viel über Hochzeiten geredet, Anekdoten werden erzählt, Erfahrungen ausgetauscht. Manchmal hat man im vergangenen Jahr auch unangenehme Erfahrungen gemacht, die man nicht an die große Glocke hängen, aber mit jemanden besprechen möchte, der etwas davon versteht und vielleicht auch Tipps geben kann. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern helfen einander. Wer einmal aus einer anderen Gegend angefragt wird, in der er sich mit dem Brauchtum nicht auskennt, kann jederzeit einen Kollegen von dort anrufen.

Haben sich Hochzeiten im Laufe Ihrer Zeit als Hochzeitslader verändert?

Wir Hochzeitslader sind immer noch gefragt, da stelle ich keinen Rückgang fest. Heute merkt man aber oft die Fernseh- und Internetmentalität der Gäste: Viele bleiben lieber sitzen und lassen sich unterhalten, statt selbst aktiv mitzumachen. Das ist aber auch von Ort zu Ort unterschiedlich. Gibt es zum Beispiel einen Trachtenverein im Ort, tanzen die jungen Leute meistens besser und mehr.

Sehen Sie einem Paar an, ob es zusammenbleibt?

Im Normalfall bin ich mir ziemlich sicher, nachdem ich eine Viertelstunde mit dem Paar geredet habe. Bis jetzt habe ich mich nur zweimal geirrt.

Interview: Teresa Pancritius

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