Amtsgericht

Hohe Geldstrafe für Kiffer

Bad Tölz/Wolfratshausen - Der Angeklagte hatte gehofft, „dass man mal sagt: passt schon – und ich komme mit einem blauen Auge davon“. Dies erfüllte sich nur sehr bedingt.

Er raucht Marihuana, wie andere Leute Bier trinken. Deshalb landete der 35-jährige Tölzer schon häufig vor Gericht. Nun musste er sich wieder einmal wegen unerlaubten Erwerbs und Abgabe von Drogen verantworten – und schrammte knapp am Gefängnis vorbei.

Der Angeklagte hat, wie er selbst sagt, viel Mist gebaut in seinem Leben. Aber er ist ehrlich. „Ich hab’ Angst, wieder ins Gefängnis zu kommen“, gibt er zu. Das erklärt sein nervöses Herumzappeln und seine Angespanntheit. Mit dem Knast hat er schon zweimal Erfahrung gemacht. „Das Gefängnis ist nicht die Strafe. Schlimm ist das Danach“, begründet er seine panische Angst. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, ans Gefängnis gewöhnt man sich nach zwei Monaten. Aber wenn du rauskommst, ist da nichts mehr. Keine Wohnung, keine Arbeit. Das Danach, das ist die Strafe.“

Grund genug, besorgt zu sein, hat der 35-Jährige. 15 Fälle des unerlaubten Erwerbs legt die Staatsanwaltschaft ihm diesmal zur Last. Zehnmal soll er zudem Marihuana weiterverkauft, fünfmal gratis etwas abgegeben haben. Inzwischen habe er in Tölz alles hinter sich gelassen, beteuert der Angeklagte. Er ist in einen anderen Landkreis gezogen, geht einer geregelten Arbeit nach. Nur von den Joints kann er nicht lassen. „Ich reite mich jetzt sicher wieder rein“, ahnt der Mann, als er erklärt: „Ja, ich rauche Marihuana. Aber mehr nicht.“ Kein Ecstasy („das ist Junkie-Zeug“), kein Alkohol („der macht einen anderen Menschen aus dir“).

Seine letzte Verurteilung wegen Drogendelikten liegt einige Jahre zurück. Zuletzt kassierte er zwei Geldstrafen wegen Beleidigung. Anfang November 2015 hatte er seinen Frust verbal an Polizeibeamten („Verpisst euch, Scheißbullen, Arschlöcher“) ausgelassen. Als der Richter den Strafbefehl auszugsweise verliest, bricht seine Abneigung gegen die Gesetzeshüter wieder durch. „Tölzer Bullen sind alle korrupt“, zischt er. „Jetzt san ’s mal staad“, fordert der Richter energisch, bevor er den Angeklagten an seine letzte Strafe erinnert: 900 Euro (60 Tagessätze), weil er eine Jobcenter-Mitarbeiterin als „blöde Schlampe“ beschimpft hatte.

Für die angeklagten Fälle forderte die Staatsanwältin ein Jahr Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung, sowie 3600 Euro Geldbuße. „Ich hatte echt gehofft, das man mal ein Auge zudrückt. Dass man mal sagt: passt schon, und ich mit einem blauen Auge davonkomme“, so der Angeklagte.

Richter Helmut Berger verurteilte den 35-Jährigen wegen „seines überschießenden Geständnisses gerade noch mal“ zu einer Geldstrafe: 210 Tagessätze zu je 40 Euro – insgesamt 8400 Euro, zahlbar in kleinen monatlichen Raten. Das Gefängnis blieb ihm also erspart, rechte Freude strahlte der Mann jedoch nicht aus, als er den Gerichtssaal verließ.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Mittwochabend
Wenn Ferien ein Problem sind: Eltern erzählen
Für viele Eltern ist es nicht leicht, mit Urlaubstagen die gesamte freie Zeit der Kinder abzudecken. Betroffene aus dem Landkreis erzählen.
Wenn Ferien ein Problem sind: Eltern erzählen
Band Scorefor nimmt Löwen-Song „Söhne der Berge“ neu auf
Nach 14 Jahren gibt es eine Neuaufnahme des Songs „Söhne der Berge“. Das Lied der Sachsenkamer Punkrockband Scorefor ist eine Hymne für das Eishockey-Team der Tölzer …
Band Scorefor nimmt Löwen-Song „Söhne der Berge“ neu auf
Lenggrieser Magnus und Jonas bei TV-Show „Kika live - Trau dich“
Geschick, Teamgeist und Risikofreude sind gefragt bei der TV-Show „Kika live - trau dich“. Sechs Mädchen- und sechs Jungenteams stellen sich anspruchsvollen Aufgaben in …
Lenggrieser Magnus und Jonas bei TV-Show „Kika live - Trau dich“

Kommentare