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„Ich Rindvieh fahr’ mit dem Auto“

Verärgerter Rentner (66) baut mit zwei Promille Unfall: Gericht verhängt 3000 Euro Geldstrafe und 13 Monate Fahrverbot.

Wolfratshausen/Bad Tölz Der Angeklagte konnte sein Verhalten selbst nicht begreifen. „Ich bin Millionen Kilometer gefahren, hatte nie einen Unfall. Dass mir so was passiert“, stammelte der Rentner, als er vor Gericht noch einmal mit seiner Trunkenheitsfahrt konfrontiert wurde. „Einmal im Leben muss man wohl so blöd sein.“

Am 21. Februar dieses Jahres war der Mann aus dem südlichen Landkreis gegen 19 Uhr mit seinem Auto auf der Bundesstraße 13 zwischen Sachsenkam und Bad Tölz auf dem Weg nach Hause. Beim Abbiegen übersah er einen entgegenkommenden Ford Transit. Dessen Fahrer und Beifahrerin erlitten bei dem Zusammenstoß diverse Prellungen. Der Unfallverursacher war damals mit mehr als zwei Promille unterwegs, wie eine wenig später entnommene Blutprobe ergab.

Er habe an jenem Tag beim Rentner-Stammtisch zwei Weißbier getrunken, gab der Angeklagte in der Verhandlung zu Protokoll. Anschließend sei er nach Hause gefahren. Daheim habe es „ein bisschen Stress mit der Tochter gegeben“. „Ich dachte: Steigt’s mir doch ’n Wald nauf und bin wieder gefahren“, erzählte der 66-Jährige.

Seinen Ärger baute er bei einem Freund ab. Dort habe er sich „verhockt“. Geschätzte fünf Halbe später habe er sich eigentlich von einer Verwandten, die in der Nachbarschaft des Freundes wohnte, heimfahren lassen wollen. „Aber ich Rindvieh geh’ dann zum Auto und fahr’ doch selbst“, räumte der Mann schuldbewusst ein. Zu spät bemerkte er, dass der Alkohol ihm die Wahrnehmung etwas vernebelt hatte. „Zwei hab ich vorbeigelassen, den dritten aber wohl übersehen“, sagte er zum Unfallhergang.

„Sie waren mit einem ordentlichen Rausch unterwegs. Die Gefährdung, die von ihnen ausging, war erheblich. Da kann man drei Kreuzzeichen machen, dass es nur leichte Verletzungen gab“, hielt Richter Helmut Berger dem Angeklagten vor. Der zuckte mit leicht beschämtem Grinsen die Schultern: „Ja mei, ich kann mich nur entschuldigen für den ganzen Scheiß. So wie’s ist, ist es jetzt nun mal.“

Richter Berger verurteilte den Rentner zu 3000 Euro Geldstrafe (60 Tagessätze zu 50 Euro) und entzog ihm den Führerschein für noch 13 Monate. Weil er mit mehr als 1,6 Promille hinterm Steuer saß, muss der Verurteilte zudem die MPU (Medizinisch Psychologische Untersuchung, im Volksmund „Idiotentest“) bestehen, wenn er seinen Führerschein wieder erlangen will.

Rudi Stallein

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