Ein Selfie vor der Bergwelt: Derartige Erinnerungsfotos stellen kein Problem dar. Wer aber für Schnappschüsse der besonderen Art waghalsige Positionen einnimmt, gefährdet sich und auch die Natur. 
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Ein Selfie vor der Bergwelt: Derartige Erinnerungsfotos stellen kein Problem dar. Wer aber für Schnappschüsse der besonderen Art waghalsige Positionen einnimmt, gefährdet sich und auch die Natur. 

Wenn Schnappschüsse gefährlich werden

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Selfies – also Schnappschüsse von sich selbst – an unerschlossenen und besonderen Stellen in den Bergen werden immer beliebter. Die Gefahren für das eigene Leben und die negativen Auswirkungen auf die Natur sollten dabei jedoch nicht unterschätzt werden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Spektakuläre Freizeit- und Urlaubsfotos aus den Bergen ins Internet zu stellen, liegt voll im Trend. An sich würde auch nichts gegen ein Wander-Selfie vom Gipfel sprechen. Das Problem dabei ist, dass es auf Social-Media-Kanälen wie Instagram nahezu zum Wettbewerb geworden ist. Je höher und waghalsiger, desto mehr Klicks. Für derartige Schnappschüsse wird mittlerweile viel in Kauf genommen. Zuletzt machte eine Influencerin Negativ-Schlagzeilen, als sie für ein Foto in den Gumpen des Königsseewasserfalls im Nationalpark Berchtesgaden ihr Leben riskierte. Die Gumpen haben sich zu allem Übel zu einem Instagram-Hotspot entwickelt. Das sind Orte, die ein besonders beliebtes Fotomotiv darstellen. Ganz egal, wie gefährlich es ist, dort hinzukommen oder wie sehr man dafür in Naturschutzgebiete eindringt.

„Naturräume mittlerweile schon übernutzt“

Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), stellt auch im Tölzer Land schon Auswirkungen dieses Trends fest: „Es macht sich bemerkbar, dass viele bisher touristisch unerschlossene Naturräume hier mittlerweile übernutzt sind“, sagt er. „Wanderer kommen zunehmend an Plätze, die bisher nur wenige Einheimische kannten und zu denen auch keine Wanderwege führen. Das ist zum einen schädlich für die Natur und zum anderen auch sehr gefährlich“, sagt er. Es sei durch die Sozialen Medien zum Trend geworden, neue Naturräume zu erschließen. „Anscheinend ist es auch erst dann ein gelungener Tag, wenn man ein Selfie von sich an einem seltenen Ort ins Netz stellen kann“, sagt der BN-Chef.

Auch wenn Krönauer es befürwortet, dass sich Menschen gerne in der Natur aufhalten, warnt er davor, ohne gute Ortskenntnis in unbekannte Gebiete zu gehen. „Da bleiben Gefahrensituationen nicht aus. Viele sind sich dessen einfach nicht bewusst.““

„Bilder geben Ideen“

Robert Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern mit Sitz in Bad Tölz, sagt: „Es ist auffallend, dass mehr Unfälle an unerschlossenen Stellen, die eigentlich nur Ortskundige kennen, passieren.“ Wie oft der Auslöser solcher Unfälle der Drang nach einem besonderen Foto war, kann er jedoch nicht einschätzen. „Wenn die Bergwacht zu einem Unfall ausrückt, steht der Verunglückte im Vordergrund. Es ist nicht immer Zeit, genau nachzufragen, wie es dazu gekommen ist“, sagt er. Dennoch ist Ampenberger davon überzeugt, dass „Bilder Ideen geben“ und spektakuläre Bergfotos den Drang zum Besonderen und nicht selten Gefährlichen damit „befeuern“.

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Für die Wasserwacht Walchensee gab es erst kürzlich einen Einsatz aufgrund einer waghalsigen Aktion für den „perfekten Natur-Schnappschuss“. Eine Münchnerin stieg laut Wasserwacht für ein Foto am Walchensee-Hochufer an einer Esche auf einen Ast über dem Abgrund. Der Ast brach ab, die Frau stürzte in die Tiefe und auf die scharfkantigen Steine am Ufer. Die Frau zog sich schwere Verletzungen zu und musste mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht werden (wir berichteten).

„Am Herzogstand mehr Probleme als am Walchensee“

Generell beobachtet die Wasserwacht, dass sich Bilder „der bayerischen Karibik“ großer Beliebtheit im Internet erfreuen. „Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass man die bekannten Hotspots normalerweise ohne große Gefahr und ohne in Naturräume einzudringen erreichen kann“, so die Wasserwacht. „Am Herzogstand gibt es da wieder mehr Probleme.“

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