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Stadtwerke

Gaspreis fällt – aber nicht für jeden

Bad Tölz – Die Beschaffungskosten sind niedriger denn je, doch die Kunden der Tölzer Stadtwerke profitieren nur bedingt. Ein Gespräch über den Gaspreis und Vergleichsportale.

Rege Kundenfrequenz herrscht in der Geschäftsstelle der Tölzer Stadtwerke an der Osterleite. Laut Geschäftsführer Walter Huber ist das Interesse an Beratung zu Strom- und Gastarifen groß. Zum Jahresende lesen die Kunden ihre Zähler ab – und beschäftigen sich schon von daher mit dem Thema. Nicht ganz zufällig schlagen genau jetzt Verbraucherschützer Alarm: Die aktuell sehr günstigen Beschaffungspreise für Gas würden von den Versorgern nicht ausreichend an die Kunden weitergegeben. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erklärt Walter Huber, warum der Gaspreis bei den Stadtwerken aktuell nicht sinkt, was er von Vergleichsportalen hält und wieso die Kunden in Wackersberg unter Umständen weniger zahlen als in Tölz.

Herr Huber, der Gaspreis ist auf Talfahrt, aber die Stadtwerke senken ihren Gaspreis derzeit nicht. Warum?

Im Grundversorgertarif und in unserem Tarif „Tölz Gas“ bleiben die Preise konstant. Als Stadtwerke sind wir verpflichtet, unser Gas auf Jahre im Voraus einzukaufen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wir mussten also zum Beispiel Anfang 2014 das Gas für 2015 besorgen – wie sehr es mit dem Preis bergab gehen würde, war da nicht abzusehen. Vorteile bei den Beschaffungskosten werden in diesen Tarifen von den gestiegenen Netzentgelten aufgefressen. Sehr wohl vom niedrigen Gaspreis profitieren aber die Kunden der 17er Oberlandenergie (ein Zusammenschluss der Gemeindewerke Murnau und den Stadtwerken aus Bad Tölz, Geretsried, Penzberg und Wolfratshausen, Anm. d. Red.). Diese GmbH wurde erst im Herbst 2015 gegründet und hat sich erst da ihr Gas beschafft. Sie bietet den günstigsten Preis im Oberland – der ist marktgerecht niedrig und bietet sozusagen ein Produkt aus demselben Laden.

Dann müssten die Stadtwerke-Kunden scharenweise zum 17er-Tarif wechseln.

Das tun auch nicht wenige. Man muss es sich halt überlegen. Beim Stadtwerke-Preis ist alles fix. Der 17er-Preis gilt dagegen immer zuzüglich der jeweils gültigen Steuern. Erhebt die Bundesregierung jetzt also plötzlich neue Steuern und Abgaben, kommen die für die 17er-Kunden obendrauf. Bei den Stadtwerken bleibt der Preis gleich. Beim Gas ist die Gefahr da weniger hoch als beim Strom.

Verbraucherschützer rufen dazu auf, Vergleichsportale im Internet zu nutzen und zu günstigen Anbietern zu wechseln. Ist das gut oder schlecht für Sie?

Dagegen ist nichts zu sagen: Ich habe keine Angst vor dem Wettbewerb. Die Vergleichsportale sind aber mit Vorsicht zu genießen. Sie sind nicht unabhängig. Der Anbieter, der eine bessere Provision zahlt, landet dort ganz oben. Wir sparen uns dieses Geld lieber und sind deswegen zum Beispiel bei Verivox oder Check 24 nicht vertreten. Außerdem vergleichen die Portale Äpfel mit Birnen. Es ist, als ob man eine gesetzliche Krankenversicherung mit einer privaten vergleichen würde, wenn man Stadtwerke den Tochtergesellschaften großer Stromkonzerne gegenüberstellt. Man muss zudem immer genau schauen, ob da Brutto- oder Nettopreise angegeben sind, wie die Vertragslaufzeit und die Preissicherheit sind. Wer einen günstigen Tarif abschließt, muss genau dahinter bleiben, denn eine Preiserhöhung, die bald darauf folgen kann, ist schnell übersehen. Wer sparen möchte, muss ständig nach dem Billigsten japsen. Es kann auch sein, dass eine Prämie versprochen wird – die aber erst am zweiten Tag des Jahres gutgeschrieben wird, wenn sich der Tarif schon wieder verändert hat. Die Kunden können gerne zu uns kommen und sich alles einmal durchrechnen lassen.

Beim Studium der Preise der 17er Oberlandenergie fällt auf, dass das Gas für Kunden im Stadtgebiet Bad Tölz teurer ist als außerhalb. Wie kommt das denn?

Das Netzentgelt, also praktisch die Spedition für den Gastransport bis zur Haustür, ist in Bad Tölz etwas höher als im Umland. Hier ist das Leitungsnetz nämlich besser und dichter, die Versorgungssicherheit dadurch höher. Wir hätten das nun entweder auf alle Kunden umlegen können, haben uns aber entschlossen, lieber gemeindescharf zu kalkulieren. Der Unterschied macht 0,5 Cent pro Kilowattstunde aus. Bei einem Standardhaushalt mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden sind das etwa 100 Euro im Jahr.

Fragen: Andreas Steppan

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