+
Wolfgang Hofmann in seinem Kasladen.

Amtsgericht hat entschieden

„Das ist kein Supermarkt“: Tage des Heilbrunner Kasladens sind nach Urteil  wohl gezählt

  • vonRudi Stallein
    schließen

Nach einem Urteil des Amtsgerichts dürften die Tage des Tölzer Kasladens in Bad Heilbrunn wohl endgültig gezählt sein.

Bad Heilbrunn/Wolfratshausen  Das Amtsgericht Wolfratshausen verurteilte Geschäftsführer Wolfgang Hofmann dazu, „die Nutzung des ehemaligen Supermarkts zum Lagern und Reifen von Käseprodukten sowie zur Veranstaltung von Seminaren und Workshops zur Herstellung von Käse zu unterlassen“„Das Gericht ist der Auffassung, dass die derzeitige Nutzung nach den Bestimmungen der Wohnungseigentümergemeinschaft unzulässig ist“, sagte Rosemarie Mamisch, Pressesprecherin des Amtsgerichts.

Bei der Nutzung der Räume als Käseladen handle es sich nicht um eine Nutzung als Supermarkt, wie es in der Teilungserklärung der Eigentümergemeinschaft festgehalten sei. „Im Gegensatz zum Supermarkt, der nach den allgemeinen Begriffsverständnis alle Lebensmittelgruppen des täglichen Bedarfs anbietet, beschränkt sich das Angebot des Käseladens auf eine bestimmte Produktgruppe“, zitiert Mamisch aus der Urteilsbegründung.

Urteil ging jahrelanger Streit voraus

Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit zwischen Hofmann und den Bewohnern von drei Eigentumswohnungen, die über dem Laden liegen, in dem seit April 2016 rund 200 Sorten Käse lagern und reifen. Die Nachbarn beschwerten sich über starke Gerüche und zogen vor Gericht. Hofmann seinerseits hatte es versäumt, bei der Vertragsunterzeichnung eine Nutzungsänderung, die für die Räume des ehemaligen Tengelmann-Markts erforderlich gewesen wäre, einzuholen. Der Gemeinderat lehnte die nachträglich beantragte Nutzungsänderung ab. Daraufhin zog Hofmann den Antrag zurück, was zur Folge hatte, dass das Landratsamt mangels Genehmigung die Nutzung untersagte.

Schon 2018 hatte das Amtsgericht Wolfratshausen Hofmann in einem Teilurteil die Nutzung des Supermarkts untersagt. In der Berufungsverhandlung verwies das Landgericht München II die Sache jedoch zurück ans Amtsgericht. Das entschied nun erneut wie zuvor.

Ladenbetreiber spricht von „täglichem Terror“

„Ich hatte mir was anderes erhofft“, sagte Hofmann auf Nachfrage. Er werde mit seinem Anwalt besprechen, wie es weitergehe. Erneut gegen das Urteil Berufung einzulegen, sei eine Option. Vier Wochen habe er Zeit, sich das zu überlegen. Andererseits verspüre er „wenig Lust noch zu bleiben, angesichts des täglichen Terrors, den Beleidigungen und Bedrohungen“, denen er in Bad Heilbrunn ausgesetzt sei. „Die Behauptung der Käse würde stinken, ist frei erfunden. Da sind angebliche Beweise manipuliert worden“, echauffiert sich Hofmann, der hinter den Anstrengungen der Kläger lediglich eine Absicht sieht: Das Gewerbe muss raus. „Diese Menschen nehmen beim Einzug erst mal einen Mangel bewusst in Kauf und versuchen dann, ihn wegzuklagen“, sagt Hofmann, der sich dabei an manchen Kuhglocken-Streit erinnert fühlt. Durch seinen Laden werde die Nachbarschaft jedenfalls deutlich weniger belastet, als durch den früheren Supermarkt.

Hofmann bemüht sich um neuen Standort

Um einen neuen Standort bemühe er sich seit Längerem. „Es steht auch konkret etwas in Aussicht“, so Hofmann. Allerdings habe die negative Berichterstattung auch dazu beigetragen, dass „der eine oder andere Interessent abgesprungen ist.“

Für den Fall der Zuwiderhandlung droht das Gericht in seinem Urteil Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250 000 Euro ersatzweise Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten an. Im Urteil wurde zudem angeordnet, „dass die im Kunststofffenster im Erdgeschoss nebst Fenstertüren zu beseitigen und „Fenster aus Holz ohne Öffnungsmöglichkeit und ohne Türe einzubauen sind“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lenggrieser Bürgermeisterwahl: SPD hat Termin für Nominierung
Nach dem Tod von Bürgermeister Markus Landthaler muss in Lenggries in zwei Monaten neu gewählt werden. Die Grünen haben als erste einen Kandidaten benannt. Jetzt gibt es …
Lenggrieser Bürgermeisterwahl: SPD hat Termin für Nominierung
Selbstbewusster Mittelpunkt des Stadtteils: Tölzer Kirche Heilige Familie wird 60
Genau 60 Jahre ist die Kirche „Heilige Familie“ in der Tölzer Karwendelsiedlung alt. Gefeiert wird das am 11./12. Juli.
Selbstbewusster Mittelpunkt des Stadtteils: Tölzer Kirche Heilige Familie wird 60
Reichersbeurer Gymnasiasten lassen „Lebenssaft fließen“
Schüler des Reichersbeurer Max-Rill-Gymnasiums spenden gemeinsam Blut. Die Aktion scheint schon fast zur Tradition geworden zu sein.
Reichersbeurer Gymnasiasten lassen „Lebenssaft fließen“
Klangvolles Wiedersehen: Chöre im Tölzer Land proben wieder
Lange Zeit konnten sie sich nicht treffen und gemeinsam singen – doch mit den neuesten bayernweiten Corona-Lockerungen sind auch Chorproben wieder möglich. Während …
Klangvolles Wiedersehen: Chöre im Tölzer Land proben wieder

Kommentare