Georg Riesch BürgermeisterJachenau

Jachenau bemüht sich um alte Forstrechte

Jachenau - Ist es ein historisches Unrecht oder eine nicht mehr abzuändernde Tatsache, dass der Gemeinde heute kein Quadratmeter des einstigen Klosterwalds gehört?

Die Jachenau ist zu 86 Prozent mit Wald bedeckt - nur ist kein Quadratmeter davon in Besitz der Gemeinde. Mittlerweile sind schon einige Jahre vergangen, in denen die Gemeinde zu klären versucht, ob ihr eventuell doch noch Flächen zustehen, die aktuell dem Staat gehören. „Wir haben bei der Forstrechtskommission einen offiziellen Antrag auf Ablösung der Flächen gestellt“, sagte nun Bürgermeister Georg Riesch in der Bürgerversammlung. „Demnächst wird eine Entscheidung fallen.“

Dass sich überhaupt über die Besitzverhältnisse im Jachenauer Wald diskutieren lässt, hat einen historischen Hintergrund. Im 18. Jahrhundert hatte das Kloster die Jachenauer Wälder nach Nutzern und Art der Nutzung aufgeteilt und einen Teil für der Gemeinde vorbehalten: die sogenannten Bann- und Wurhhölzer, die zum Beispiel für Uferverbauungen, Stege und Brücken verwendet werden durften oder Brennholz für die Armen liefern sollten. Mit der Säkularisation 1803 übernahm der Staat sämtliche Klöster und auch den Waldbesitz des Klosters Benediktbeuern. Es war der Beginn eines langen Streits um die Besitzverhältnisse. Für die anderen Gemeinden des Klostergebiets - Benediktbeuern, Bichl, Bad Heilbrunn und Kochel am See - wurde die Auseinandersetzung 1964 im sogenannten Teil- und Zinswaldgesetz beigelegt, nicht aber für die Jachenau.

Der Jachenauer Ortschronist Jost Gudelius, dem das Thema seit langem ein Anliegen ist, hakte in der Bürgerversammlung nach, an welchem historischen Besitzstand sich der aktuelle Antrag der Gemeinde orientiere - an der Klosterzeit oder dem Zustand um 1808 bis 1810. „Je nachdem, könnte er zu einer Ablöse von ein paar Euro führen oder dazu, dass die Gemeinde Flächen zugesprochen bekommt.“

Aus Rieschs Sicht spielen solche Details dagegen keine Rolle. „Diese Daten sind von historischem Wert, aber nach heutigem Recht gilt das alles nicht mehr“, sagte er. Dies hätten ihm in Gesprächen alle Landtagsfraktionen signalisiert. „Keiner will mehr daran rütteln oder eine Gesetzesänderung herbeiführen.“ Einziger Anknüpfungspunkt sei für ihn die Regelung aus den 1960er-Jahren. Damals habe der Jachenauer Gemeinderat beschlossen, sich anders als die anderen Klostergemeinden nicht mehr um die Forstrechte zu bemühen. Heute könne man dennoch auf die Gleichbehandlung verweisen. Der Antrag bei der Forstrechtskommission sei für ihn „der richtige Weg, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen“. Falle die Antwort nicht zufriedenstellend aus, könne die Gemeinde überlegen, ob eine Landtags-Petition oder eine Klage sinnvoll sei. „Aber momentan ist das kein Thema.“

(ast)

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