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Zum Abschied gab’s eine kleine Feier: Dabei bedankten sich Bürgermeister Georg Riesch (li.), dessen Vorgänger Kaspar Danner (2. v. re.) und 2. Bürgermeister Nikolaus Rauchenberger (re.) bei Georg Aschenloher.

Georg Aschenloher geht in Ruhestand

37 Jahre für die Bürger da – notfalls nachts

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Im Jachenauer Rathaus ist eine Ära zu Ende gegangen. Nach 37 Jahren in der Gemeindeverwaltung wurde Georg Aschenloher in den Ruhestand verabschiedet. Es war ein ganz besonderer Job, und Aschenloher füllte ihn auf unvergleichliche Art aus: als „Mädchen für alles“ in der kleinsten Gemeinde Bayerns.

JachenauEs war am 1. August 1980, als Georg Aschenloher seinen Dienst im Jachenauer Rathaus antrat. Nach dem Schulabschluss mit 14 – „wir waren der letzte Jahrgang mit acht Volksschuljahren“ – hatte er bei der Sparkasse in Lenggries eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und dort insgesamt fast zwölf Jahre gearbeitet. Das Jobangebot in der Heimat passte gerade in Aschenlohers Lebenssituation – zumal es mit einer Mietwohnung im 1. Stock über der Gemeindeverwaltung verbunden war und gerade das erste Kind unterwegs war. „In der Situation musste ich ein bisschen weiter denken.“

Der Berufsstart lief jedoch nicht ganz nach Plan. Sein Vorgänger Hans Orterer, der seit dem Krieg Geschäftsleiter gewesen war und ihn einarbeiten sollte, starb überraschend ein Jahr vor dem geplanten Ruhestand – und der junge Georg Aschenloher wurde ins kalte Wasser geschmissen.

Das Aufgabenspektrum im Jachenauer Rathaus umfasste die ganze Bandbreite der kommunalen Verwaltung. Aschenloher war unter anderem Kämmerer, personifiziertes Einwohnermeldeamt und Standesbeamter. Bis 2009, als die Standesamt-Aufgaben nach Lenggries abgegeben wurden, traute Aschenloher Paare im Rathaus – „nicht nur Einheimische, auch viele Urlauber wollten hier heiraten“, sagt er. In Erinnerung geblieben ist ihm zum Beispiel die Hochzeit von Jutta Gallus. Sie war für ihren friedlichen Widerstand gegen das DDR-Regime berühmt geworden, ihr Leben wurde unter dem Titel „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ mit Veronika Ferres verfilmt.

Mitten in der Nacht einen Ausweis ausgestellt

Mit drei Bürgermeistern arbeitete Aschenloher zusammen. 1980 war noch Benedikt Riesch im Amt, danach führte Kaspar Danner 18 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde, 2008 folgte ihm Georg Riesch nach. Drei sehr unterschiedliche Charaktere – „aber ich habe mich mit allen einwandfrei verstanden“, sagt Aschenloher.

Das ganze Geschehen in der Gemeinde mitzubekommen und jeden Jachenauer persönlich zu kennen: Das war es, was dem immer umgänglichen, geselligen Gemeindegeschäftsleiter an seinem Beruf besonders gefiel. Wenn es sein musste, half er den Bürgern auch schon mal außerhalb der Dienstzeiten weiter – er wohnte ja im selben Haus. „Einmal habe ich mitten in der Nacht einen Ausweis ausgestellt“, erzählt er. Der Antragsteller hatte seinem Bruder das Auto geliehen, der war damit weggefahren – leider mitsamt dem Ausweis des Besitzers, der doch am folgenden Morgen selbst in Urlaub fahren wollte.

Fast zeitgleich mit dem Ende von Aschenlohers Dienstzeit hat nun auch das alte Rathaus ausgedient. 1978 war die Verwaltung in das ehemalige Forsthaus eingezogen. Jetzt steht der Umzug in die „Post“ bevor. „Das ist der Lauf der Dinge“, meint Aschenloher ohne Wehmut. Wichtig ist ihm, dass er sein Wohnrecht behält.

Vor Langeweile braucht Aschenloher im Ruhestand keine Angst zu haben. Nach wie vor ist er in vielen Vereinen aktiv. Noch ist ungewiss, ob sich im Februar 2018 ein Nachfolger als Kassier im Schützengau Tölz findet, und die nächste Vorstandswahl in der Jagdgenossenschaft, bei der Aschenloher seit 35 Jahren Schriftführer ist, steht erst 2020 an. „Außerdem habe ich mir ein E-Bike angeschafft und im Winter will ich mich verstärkt der Heimatkunde widmen. Das“, sagt der 63-jährige dreifache Vater und Opa zweier Enkel, „war immer mein Hobby.“

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