Trotz Ausgangsbeschränkung wegen Coronavirus: volle Wanderparkplätze in Urfeld am Walchensee
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Die Wanderparkplätze am Kesselberg waren am Samstag voll.

Viele Ausflügler unterwegs

Appell in Corona-Zeiten zum Trotz: Wanderparkplätze im Tölzer Land gut gefüllt

Trotz Corona drängten Erholungssuchende am Samstag in den Isarwinkel und an den Walchensee. Stark frequentiert waren die Parkplätze an den Münchner Hausbergen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ganz klar: Die Leute taten nichts Verbotenes, sofern sie auf ihren Wanderungen den notwendigen Sicherheitsabstand einhielten und nicht in Gruppen unterwegs waren. Allerdings hatten im Vorfeld beispielsweise auch die Bergwachten dazu aufgerufen, nicht in die Berge zu gehen, um keine Rettungseinsätze auszulösen. Denn dabei können die Helfer eben nicht auf Distanz gehen. 

Relativ leer waren am Samstag allerdings nur die Parkplätze der (geschlossenen) Bergbahnen. Auf den Stellplätzen dominierten die Kennzeichen M und TÖL, aber auch viele STA, FFB und WM waren anzutreffen. Allerdings könnte es sich bei manchem Auto mit auswärtigem Nummernschild natürlich auch um den Firmenwagen eines Einheimischen gehandelt haben. Hier das Protokoll einer Rundfahrt. Die Kontaktaufnahme erfolgte mit Sicherheitsabstand und nur per Zuruf.

Auch der Wanderparkplatz nahe Schloss Hohenburg war ziemlich frequentiert.

9.55 Uhr, Parkplatz an der Talstation der Brauneckbahn: Nur wenige Autos stehen auf der Riesenfläche. Klar, im Ostaufstieg zum Brauneck liegt noch viel Schnee. Ganz anders sieht es auf dem Parkplatz auf der anderen Talseite bei Schloss Hohenburg aus: Der ist um 10.05 Uhr voll, in der ersten Reihe sechs Münchner, zwei Tölzer und ein Starnberger Kennzeichen. Die Insassen der Autos sind längst unterwegs. Verständlich: Die Touren auf Kampen, Seekar und Fockenstein sind relativ lang. Eine junge Mountainbikerin aus der Gegend kommt vorbei, ihr Ziel ist die Röhrlmoos-Alm. Ein ungutes Gefühl? „Nein“, sagt die Frau. „Ich brauche den Ausgleich, zu Hause fällt mir sonst die Decke auf den Kopf.“

Wanderer fühlen sich in der Jachenau sicherer als beim Einkaufen

Weiter geht’s durch die Jachenau. Im Tal richten Bauern ihre Weiden her und fahren Holz ab. Der zentrale große Parkplatz am „Schützenhaus“ unterhalb der Kirche ist fast voll, auch hier dominiert das M-Kennzeichen. Um 10.30 Uhr macht sich ein älteres Paar aus Lenggries auf den Weg zum Hirschhörndl: „Hier fühlen wir uns sicherer als beim Einkaufen“, sagen sie. Gleichzeitig macht sich ein junges Paar aus München an seinem VW-Bus mit getönten Scheiben zum Aufbruch fertig: „An der Autobahnausfahrt Holzkirchen hat uns die Polizei gestoppt“, berichten die beiden. Die Beamten wollten überprüfen, wie viele Personen im Fahrzeug sitzen. „Das ist notwendig“, glauben sie, immer noch gebe es Ignoranten.

Weiter auf der Mautstraße in Richtung Walchensee. Kurz vor Niedernach ist ein Streifenfahrzeug der Polizei unterwegs. Das Südufer ist gegen 10.50 Uhr fast menschenleer. Entlang dem neun Kilometer langen Straßenabschnitt nach Obernach parken keine 30 Fahrzeuge. Um 11.05 Uhr am großen Parkplatz der Herzogstandbahn: Ganze 25 Autos. Ein junges Paar aus Wolfratshausen bricht gerade in Richtung Heimgarten auf. Bedenken? „Überhaupt nicht“, sagen beide. Die junge Frau arbeitet im Krankenhaus Starnberg: „An meinem Arbeitsplatz ist die Gefahr, mich anzustecken, um ein Vielfaches höher“, meint sie.

Kesselberg ist der Hotspot des Ausflugs-Samstags in Corona-Zeiten

11.20 Uhr am Kesselberg. Hier sind fast alle Parkplätze voll, mit Abstand ist das der Hotspot der heutigen Rundtour. Ein Vater mit seiner zehnjährigen Tochter startet gerade in Richtung Herzogstand: „Da ist der Weg sehr breit, man kann gut Abstand halten“, sagt der Mann. Zwei Minuten später bricht ein Vater mit seinem Sohn in entgegengesetzter Richtung zum Jochberg auf. Dort geht’s über ein schmales Steigerl hinauf: „Bei Gegenverkehr weichen wir notfalls seitlich ins Gelände aus“, versichert der Vater.

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11.40 Uhr am kleinen Parkplatz Pessenbach. Eine Dreier-WG aus Germering will auf den Rabenkopf. „Wir hatten gedacht, auf diesen Berg gehen heute nur wenige.“ Doch da haben sie sich geirrt: Der Platz ist mit knapp 40 Autos total überfüllt. Im selben Moment kehrt ein drahtiger Königsdorfer von der Benediktenwand zurück. Eine deutlich längere Tour, oben liegt noch Schnee. „Ich bin um 5.40 Uhr gestartet“, berichtet er. „Auf der ganzen Tour ist mir niemand begegnet.“

Trotz Corona: 100 Autos stehen am Parkplatz der Waldherralm

Am Großparkplatz der Blombergbahn parken um 12 Uhr nur rund 30 Autos. Weiter geht’s zum Parkplatz der Waldherrnalm, Ausgangspunkt für Heiglkopf, Blomberg und Zwiesel. Mit fast 100 Autos der zweite Schwerpunkt. Eine Tölzerin kommt um 12.15 Uhr gerade alleine vom Heiglkopf zurück. „Das schenke ich mir heute zu meinem 31. Geburtstag“, sagt sie. Ein Fazit der Rundfahrt: Die Leute verhalten sich alle ausgesprochen vernünftig und diszipliniert, man sieht auch keine Gruppen. Hoffentlich sind alle wieder heil heruntergekommen.

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Rainer Bannier

In Bayern gelten Ausgangsbeschränkungen. Dennoch ist der Andrang - besonders bei gutem Wetter - von Ausflüglern auf den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen enorm. Einheimische trauen sich deshalb nicht mehr in den Supermarkt.

Markus Bail ist Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Auch für die Sanitäter ist die Corona-Krise mit hoher Belastung verbunden - ebenso wie mit hohem Risiko.

Es war nicht anders zu erwarten: Schon am frühen Vormittag herrscht am Vatertag dichter Ausflugsverkehr im Landkreis Miesbach. Die Polizei ist vorbereitet.

Dr. Tobias Reploh ist Kinderarzt in Bad Tölz. Anlässlich der Corona-Lockerungen in Schulen und Kindergärten gibt er Tipps für Eltern - und spricht über Symptome, die aufhorchen lassen sollten.

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