Ein Teil der Fällungen: Am Walchensee wurden einige Bäume und Sträucher umgeschnitten. Verkehrssicherungspflicht, sagt das Forstamt. Zu radikal, sagen die Naturschützer.
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Ein Teil der Fällungen: Am Walchensee wurden einige Bäume und Sträucher umgeschnitten. Verkehrssicherungspflicht, sagt das Forstamt. Zu radikal, sagen die Naturschützer.

Forstamt und BN haben verschiedene Ansichten

Baumfällungen am Walchensee spalten

  • Melina Staar
    VonMelina Staar
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Baumfällungen entlang von Wegen sind notwendig, sagt das Forstamt. Aber sie werden oft unsensibel vorgenommen, sagt der Bund Naturschutz. Aktuelles Beispiel, wie sich bei dem Thema die Geister scheiden, ist eine Fällaktion am Walchensee.

Jachenau – Wunderschön liegt er da, der Walchensee. Eingerahmt von bewaldeten Bergen ist er ein wahres Idyll. Einige Passanten jedoch störten sich in den vergangenen Wochen daran, dass etliche Bäume entlang des Weges zwischen Sachenbach und Niedernach gefällt wurden. Dies sei eine ganz normale Maßnahme im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht gewesen, sagt der Leiter des Tölzer Forstbetriebs, Rudolf Plochmann. Das heißt: Für Schäden, die von einem umfallenden Baum oder einem herabfallenden Ast verursacht werden, kann das Forstamt belangt werden. „Wir haben schon Geld gezahlt, weil Leute ihr Auto am Straßenrand geparkt hatten und bei einem Gewitter ein Ast abgebrochen ist und das Fahrzeug beschädigt hat“, sagt Plochmann.

Walchensee: Bäume entlang des Weges zwischen Sachenbach und Niedernach gefällt

Um dies zu verhindern, werden rechtzeitig morsche Bäume und Äste abgeschnitten. In einigen Fällen sei es aber zu aufwendig, einzelne Äste abzuschneiden, sagt Plochmann. Dann wird der ganze Baum gefällt. „Manchmal müssen Bäume, die in die Fahrbahn ragen, gefällt werden“, erklärt er. Denn der Weg sei ein Forstweg und müsse daher auch von forstwirtschaftlichen Maschinen benutzt werden können. Auch um das Ufer zu sichern, müssten ab und zu Bäume weichen. Denn die Wurzeln könnten das Ufer sonst destabilisieren, was wiederum für die Straße problematisch sein könnte.

Holz von Fällungen dient als Energieholz für Nahwärme

Auf der Seeseite sei vielleicht der Eindruck entstanden, dass viele Bäume auf einmal gefällt worden seien, sagt Plochmann. „Aber hier handelt es sich um alte und frische Baumstöcke.“ Eine ungewöhnlich große Fällaktion sei dies nicht gewesen. „Wir machen das ja nicht, um jemanden zu ärgern oder verzweifelt nach einer Beschäftigung suchen. Wir geben Geld dafür aus.“ Der Revierförster würde sich die betreffenden Bäume gründlich ansehen und sie entsprechend markieren. „Er schaut etwa nach Faulstellen.“ Bei manchen Baumarten gebe es eine relativ rasche Zersetzung. Diese müssten dann entfernt werden. Neue Bäume würden von selbst wieder nachwachsen. Es gebe ganz unterschiedliche Sichtweisen auf diese Art von Maßnahmen: „Manche sagen, bitte schneidet dort endlich aus, andere wollen, dass nichts gefällt wird.“ Allen recht machen könne man es nicht. Das Holz wird übrigens nicht einfach weggeworfen, so Plochmann, sondern dient als Energieholz beispielsweise für die Nahwärme.

Bund Naturschutz unglücklich über Baumfällungen am Walchensee

Für Friedl Krönauer von der Bund Naturschutz-Kreisgruppe ist jede Fällung eine zu viel. Das Ganze sei ein sehr kritisches Thema. Dass die Verkehrssicherungspflicht wichtig sei, sehe er ein. In seinen Augen hätten sich aber 90 Prozent der gesamten Fällung am Walchensee auf Sträucher und kleinere Bäume bezogen. Gerade diese seien Lebensräume für Vögel und verschiedene Insekten. Wenn man diese wegnehme, sei dies ein Verlust für die Artenvielfalt. Krönauer machte sich kürzlich selbst ein Bild vor Ort von den Fällungen. „In einem Fall war ich baff: Da wurde eine kerngesunde, niederwüchsige Buche gekappt.“ Bei dieser hätte nie die Gefahr bestanden, dass sie umstürzt. Bei einer danebenstehenden Buche hingegen seien die morschen Äste noch dran gewesen. Er vermutet, dass es hier bei den ausführenden Firmen an der Fachkompetenz gefehlt haben könnte. Die Staatsforsten hätten hingegen sehr gute Mitarbeiter, die sich gut auskennen. „Aber die Fällungen nehmen dann Dienstleister vor, die nicht unbedingt behutsam sind.“ In seinen Augen müsste hier viel sorgsamer vorgegangen werden. „Am Walchensee hat man sich bei diesem starken Eingriff nicht mit Ruhm bekleckert“, so Krönauer.

Ein weiteres Problem sei, dass nach Fällungen das ausgeschnittene Holz aufgetürmt wird und dann eine Weile erst einmal liegen bleibt. „Da gehen dann Singvögel rein, weil das für sie ein idealer Rückzugsort ist.“ Irgendwann komme dann der Dienstleister zurück und häckselt das Holz – ohne Rücksicht auf die Bewohner darin. „Das ist nur schwer zu ertragen“, sagt Krönauer. Der Naturschutz würde sich nicht gegen jede Baumfällung sträuben, diese seien manchmal notwendig. „Aber mit dieser Brachialität? Geht es nicht sensibler? Muss immer der Preis den Ausschlag geben?“ Es gebe auch wirklich gute Dienstleister, die fachlich richtig vorgehen. Krönauer wünscht sich bei dem Thema ein Umdenken zu mehr Fachlichkeit, denn das, was am Walchensee passiert sei, sei einfach „furchtbar“.

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