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Verkehrschaos am Walchenseesüdufer: Die Gemeinde Jachenau strebt ein Gesamtkonzept an, um den Naherholer-Ansturm bewältigen zu können.

Gemeinderat setzt auf Gesamtkonzept

Besucherchaos am Walchensee: Diese Lösungen schlägt die Jachenau vor

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Der Besucheransturm hat den Walchensee zuletzt an den Rand der Aufnahmefähigkeit gebracht. Die Gemeinde Jachenau setzt zur Entspannung der Lage auf „Lösungen, mit denen alle leben können“. 

Jachenau– Parkchaos, Verstöße gegen das Grillverbot, reihenweise Müllhinterlassenschaften: Die Berichte über die Zustände vom vergangenen Wochenende am Walchensee-Südufer kommen für den Jachenauer Gemeinderat alles andere als überraschend. „Es war klar, dass es so wird, und es wird bestimmt auch nicht das letzte Mal so gewesen sein“, kommentierte 2. Bürgermeister Klaus Rauchenberger in der jüngsten Sitzung.

Die Gemeinde verfolgt derweil ihren Ansatz weiter, eine umfassende Lösung in einem „Walchensee-Gesamtkonzept“ anzustreben. Kurzfristig setzt Bürgermeister Georg Riesch nicht nur auf Bußgelder und Restriktionen, sondern will den Ausflüglern auch Angebote machen, um die Verkehrssituation zu entzerren.

Dazu schlug er im Gemeinderat zum Beispiel vor, im Gemeindebereich einen Wohnmobil-Parkplatz zu schaffen. Am Walchensee herrscht bekanntlich ein Nachtparkverbot – was wie berichtet viele nicht davon abhält, ihre Fahrzeuge trotzdem am Seeufer stehen zu lassen. „Wenn sie rausfahren, dann müssen sie aber irgendwohin“, sagte Riesch. Auch nicht ideal sei es aber, wenn die Wohnmobile dann überall im Ort stehen und unter anderem Wander-Parkplätze blockieren. 

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Der Wohnmobil-Parkplatz in Einsiedl sei unter der Saison meistens voll. „Wenn ich die Wohnmobile an bestimmten Stellen weghaben will, muss ich den Fahrern aber auch etwas anbieten“, so der Bürgermeister. Er regte daher an, eigene Stellplätze zu schaffen, wo die Wohnmobilisten gegen eine bestimmte, erhöhte Gebühr über Nacht stehen bleiben können – und nur das, also ohne eine Versorgungs- beziehungsweise Entsorgungsstation. „Der See zieht die Wohnmobilisten einfach an“, stimmte Korbinian Oswald zu, und Jost Gudelius jun. sagte: „Weghalten können und wollen wir sie nicht. Es sind ja auch Gäste.“ Auf einen Standort – ob nun auf Gemeinde- oder Privatgrund – für einen Wohnmobil-Parkplatz legte sich der Gemeinderat noch nicht fest.

Riesch möchte auch nicht, dass der Walchensee künftig vor allem „durch eine Rekordzahl an Verwarnungen und Bußgeldern“ für Furore sorgt. „Wir sollten Lösungen finden, mit denen jeder leben kann. Wir sind schließlich eine Tourismus-Region.“ So möchte Riesch auch wegen der Müllhinterlassenschaften keine allgemeine Kritik an den Gästen üben. Bei den allermeisten Ausflüglern sei durchaus ein Bewusstsein dafür da, die Natur sauber zu halten. „Natürlich gibt es Ausreißer, aber man darf auch nicht alle über einen Kamm scheren.“

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Ein „Patentrezept“ für den Walchensee werde sich wohl kaum finden lassen – aber mit vielen einzelnen Bausteinen werde sich etwas bewirken lassen, ist Riesch überzeugt. „Das geht aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Als nächster Schritt zu einem Gesamtkonzept ist jetzt ein zweitägiger Workshop geplant, zu dem laut Riesch etwa 40 Personen aus der Region zusammenkommen sollen: von Gemeinderäten über Anwohner, Handwerker, Tourismusvereine, Gastronomen und Gewerbetreibende bis hin zu Naturschützern und Vertretern von Behörden und des Forstbetriebs. Dabei soll ausgearbeitet werden, welche konkreten Probleme die Menschen in der Region sehen, wo sie hinwollen und welche Lösungen sie vorschlagen.

Riesch berichtete, dass er am vergangenen Wochenende auf einer Radtour durchs Allgäu eine ganze Reihe von Seen besucht habe. „Überall hat man Lösungen gefunden.“ Es gebe die Variante, dass man ein Seeufer gar nicht mit dem Auto erreichen kann, ebenso wie den Ausbau mit angelegten Badestellen sowie riesigen Park- und Campingplätzen. Letzteres „wollen wir hier sicher nicht, die Natürlichkeit soll erhalten bleiben“, so das Gemeindeoberhaupt. Andere Ansätze, wie eine verbesserte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch über den künftigen Radweg in die Jachenau (Spatenstich: 24. August) könnten hingegen Beiträge zu einer Verbesserung der Verkehrslage sein.

Der Bürgermeister berichtete den Gemeinderäten, dass ihm ein Angebot einer österreichischen Beraterfirma vorliege, die einen solchen Arbeitskreis moderieren könnte. Das Gremium gab ihm Rückendeckung für diesen Ansatz, wobei über die Kostenaufteilung noch „scharf zu verhandeln“ sei. Nach Rieschs Vorstellung könnte der Workshop im Herbst stattfinden, sodass bis Ende des Jahres Ergebnisse vorliegen.

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