Landwirte mit Leib und Seele: Familie Schwaiger mit Papa Hans und Mama Verena sowie den Kindern Magdalena, Johannes, Korbinian und Fabian.
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Landwirte mit Leib und Seele: Familie Schwaiger mit Papa Hans und Mama Verena sowie den Kindern Magdalena, Johannes, Korbinian und Fabian.

Landwirtschaft

Biobauernhof: Viel Platz für glückliche Kühe in der Jachenau

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Massagen, Freilauf, viel Platz: Auf dem Ortererhof in der Jachenau leben glückliche Kühe. Dafür gab es sogar eine Auszeichnung.

Jachenau – Die Nachfrage nach einem Platz bei der Massage ist groß. Gerade lässt sich eine Kuh von der sich automatisch drehenden Bürste genüsslich den Rücken schrubben. Die nächsten stehen schon Schlange. „Die Bürste läuft am meisten. Sie ist der Bringer“, sagt Hans Schwaiger. Der Landwirt erklärt, dass er im Stall Stroh gestreut und nicht, wie üblich, Gummimatten ausgelegt hat. „Als Bio-Bauernhof muss man das machen. Stroh ist besser.“ Auch die Dimension des Stalls ist gigantisch. 35 Kühe befinden sich momentan in diesem. Bei der Holzdecke hat Hans Schwaiger auf hohe Qualität gesetzt. „Im Sommer wirkt sich diese kühlend, im Winter wärmend aus.“ Im ganzen Stall gibt es keine Hindernisse, die Kühe können sich frei bewegen. Sie können auch bei schönem Wetter in den Freibereich.

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Die Schwaigers sind Haupterwerbs-Landwirte. Der Hof im Jachenauer Ortsteil Am Orth wurde bereits im 15. Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Mit im Haus leben neben Hans und Verena Schwaiger mit ihren vier Kindern auch die Großeltern. Diese kümmern sich auch um die Ferienwohnungen. Denn „Urlaub auf dem Bauernhof“ ist Am Orth ebenfalls möglich.

Ortererhof komplett auf „Bio“ umgestellt

In den vergangenen Jahren hat der Ortererhof auf „Bio“ umgestellt. Schon davor beteiligte sich die Familie Schwaiger am Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), das umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen fördert. Von dort zu „Bio“ sei der Schritt nicht mehr so groß gewesen.

Wellness-Kur für die Kuh: Die Tiere können sich im großen neuen Stall frei bewegen - und sich bürsten lassen.

Für die Umstellung wurde der Ortererhof mit dem Naturschutz-Förderpreis „Gemeinsam Boden gut machen“ von Alnatura und Naturschutzbund (Nabu) ausgezeichnet. Wie Hans Schwaiger schmunzelnd erklärt, gehe es im Prinzip darum, „dass so und so viele Hektar auf die ’gute Seite’ gebracht wurden“. Mit dem Preisgeld wurde der notwendige Umbau des Stalles finanziert. Um sich zu bewerben, mussten Verena und Hans Schwaiger ein Motivationsschreiben anfertigen und auch Abschlüsse vorweisen. „Da sind sie bei Nabu und Alnatura vorsichtiger geworden, nachdem ein Preisträger der letzten Jahre Insolvenz angemeldet hat.“

Tiere sind durch bergauf und bergab gehen vitaler

Zu den wichtigen Voraussetzungen gehört beispielsweise, dass kein konventionelles Getreide verfüttert wird, dass auf Weidehaltung gesetzt wird und dass auch die Kälber bald mit auf die Wiese können – zusammen mit den großen Kühen. „Die Kleinen lernen ja von den Großen.“ Ein großes Plus für die insgesamt 60 Stück Vieh der Schwaigers ist auch die Möglichkeit, einen Sommer auf der Alm zu verbringen. „Jedes Vieh ist mal oben“, sagt Verena Schwaiger. Die Vorteile seien, dass die Tiere vitaler seien, durch das viele bergauf und bergab. Auch seien sie widerstandsfähiger, weil sie mit dem raueren Klima zurechtkommen müssen. Zu jung aber dürften die Kälber nicht auf die Alm – denn dann könnten ihnen heiße Sommer oder kalte Winter extrem zusetzen.

„Der Preis ist eine Bestätigung für unseren Weg“

Bei Bio-Bauern kommt jedes Jahr ein Kontrolleur vorbei. Dazu gibt es unangekündigte Stichproben. Bei dem Futter, das die Schwaigers zukaufen, muss die Herkunft erkennbar sein. Teurer sei die Bio-Umstellung schon, sagt Verena Schwaiger. Vor allem in der Umstellungsphase. Da müsse man das teurere Bio-Futter zukaufen, könne die Milch aber noch nicht zu besseren Bio-Preisen verkaufen.

Trotzdem bereuen die Schwaigers es nicht. „Der Preis ist eine Bestätigung für unseren Weg“, sagt Hans Schwaiger. „Vielleicht auch eine Motivation für andere Landwirte.“ Denn der Weg stehe jedem offen.

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