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Das mystische Cover macht Lust auf die Lektüre des Romans „Die alte Schuld“.

Buchvorstellung

Feuer gefangen

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Claudia Gudelius aus der Jachenau hat ihren achten Roman veröffentlicht. Darin thematisiert die Autorin die Hexenverfolgung im Werdenfelser Land.

Jachenau– Sie hat die Seiten gewechselt. Man könnte sagen, eher unfreiwillig. Normalerweise praktizierte Claudia Gudelius als freiberufliche Ärztin im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Doch diesmal war sie die Patientin. Ihre erste Hüft-Operation stand an. Sorgen machte sich die Jachenauerin, die mit Jost Gudelius, dem langjährigen früheren Kommandeur des Mittenwalder Gebirgsjäger-Bataillons 233, verheiratet ist, aber viel mehr um ein anderes Körperteil: ihren lockeren Schneidezahn. „Ihr müsst beim Intubieren aufpassen“, sagte sie zu Dr. Johann N. Meierhofer, dem Ärztlichen Direktor. „Sonst seh’ ich danach aus wie eine Hexe.“

Das war vor über 15 Jahren. Der Zahn blieb unversehrt. Während des Klinikaufenthalts und bei der Reha nutzte Gudelius die Zeit, sich mit der Werdenfelser Geschichte vertraut zu machen – und fing Feuer für ein dunkles Kapitel: die Hexenverbrennung. Nach einem Vortrag im Krankenhaus vor dem Personal ermunterte sie Dr. Meierhofer dazu, ein Buch über das Thema zu schreiben. Aus einem Vorschlag wurde Realität: „Die alte Schuld“ heißt Gudelius’ mittlerweile achter Roman, der nun erschienen ist. Er liefert Einblicke in eine Zeit, in der humpelnde oder mit der Heilkraft von Pflanzen vertraute Frauen verdächtigt und der Hexerei bezichtigt wurden. Ein fesselndes Werk auf 386 Seiten, das man nur schwer aus der Hand legen mag und am liebsten in einem Stück verschlingt.

Die Hexenprozesse von 1590 bedrohen Toni, eine Rosserin, die mit Pferd und Wagen vom Kloster Ettal über Mittenwald bis zum Brennerpass geht. Die junge Witwe lebt in Furcht vor der Folter und dem Scheiterhaufen, auf dem schon Bekannte einen grausamen Tod fanden. Toni, die in Wamberg bei ihrem lüsternen Schwiegervater Unterschlupf findet, ist anders als viele. Sie kennt sich mit Naturheilkunde aus. Ein gefährliches Wissen. Doch die Frau plagt vielmehr als Hexe gebrandmarkt zu werden: Auf ihr lastet eine Schuld, an die sie sich nicht erinnern kann.

Gudelius gelingt es mit Details, den Leser direkt ins Geschehen zu verfrachten, ihn bei seinen Emotionen zu packen und mitfühlen zu lassen. Ausführlich beschreibt die 65-Jährige die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten. Das Lokalkolorit kommt dabei keineswegs zu kurz. Die Autorin streift den Bozner Markt in Mittenwald, schildert den Alltag im Werdenfelser Land und nimmt den Leser mit auf einen Streifzug durch die Region. Gudelius hat gründlich recherchiert, wanderte viel auf den Strecken, die Toni zurücklegt. Für die Kenntnisse über Pferde und die damaligen Gegebenheiten holte sich Gudelius Rat auf Gestüten sowie beim Stadtarchivar. Die Hexenvorwürfe las sie in Gerichtsprotokollen von früher nach.

Obwohl der Roman im 16. Jahrhundert spielt, hat er nichts an Aktualität eingebüßt, findet die Jachenauerin, Sie zieht Parallelen zur Flüchtlingskrise – und der damit verbundenen „Angst vor Fremden“. Ein Thema, das die Asylhelferin bewegt und maßgeblich dazu beitrug, dass sie ihr Buch zu Ende brachte.

Das Buch „Die alte Schuld“

von Claudia Gudelius ist im Schneemann-Verlag erschienen; Preis: 11,90 Euro; ISBN 978-3-9819826-0-4.

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