+
Die Bergwelt per Mountainbike zu erkunden, wird immer beliebter. Es gibt aber auch den Ruf nach Regeln.

Leitantrag für Bezirksparteitag

CSU fordert Sperrzonen für Mountainbiker - Die Reaktionen gehen weit auseinander

  • schließen

Der Jachenauer Bürgermeister begrüßt den CSU-Vorstoß zu Sperrzonen für Mountainbiker. Doch es gibt auch Kritik: Bergradler fühlen sich an den Pranger gestellt.

Bad Tölz-Wolfratshausen– „Sperrzonen für Mountainbiker und E-Biker“ in den Bergen: Das fordert ein Leitantrag, der an diesem Samstag auf dem Bezirksparteitag der CSU diskutiert werden soll. Im Landkreis stößt der Vorstoß auf ein geteiltes Echo.

Keinerlei Verständnis für die CSU-Initiative haben die Inhaber des Lenggrieser Hotels Altwirt. Ursula und Robert Werner sind nicht nur selbst leidenschaftliche Mountainbiker, sondern haben sich auch geschäftlich auf diese Zielgruppe spezialisiert. Seit einigen Wochen verleihen sie erfolgreich geländegängige E-Bikes – ein Tourismus-Trend mit Zukunft, wie sie finden. „Denn das geht auch noch, wenn das Skifahren in unserer Gegend wegen des Klimawandels weniger gut möglich ist“, sagt Ursula Werner.

Furcht, dass der Mountainbiker zum Feindbild wird

Den CSU-Vorstoß findet sie „komplett inakzeptabel“, denn: „Verbote sind aus meiner Sicht generell der falsche Weg.“ Sperrzonen auszuweisen, widerspreche allen aktuellen Ansätzen, die es derzeit von verschiedenen Seiten gebe. Ob es nun der DAV mit seinem Mountainbike-Konzept, die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) oder auch der Tourismusverband Oberbayern sind: „Alle haben zum Ziel, ein gutes Miteinander in den Bergen hinzubekommen.“

Mit einer Diskussion über Verbote werde hingegen „eine aggressive Stimmung“ gegenüber einer bestimmen Gruppe geschürt, es werde ein Feindbild produziert. Dabei hätten 99 Prozent der Menschen doch genügend gesunden Menschenverstand, um eine tolerante Koexistenz in den Bergen hinzubekommen.

Lesen Sie auch: MTB-Fahrerin schiebt Bike an Alm in Jachenau vorbei - Wirt dreht durch

E-Bikes erleichtern es, in entlegene Gebiete zu fahren

Das Motto „Berge erleben mitnand“ propagiert aktuell die Kampagne „Fair Bike“, initiiert vom Verein Tourismus Oberbayern-München sowie den Tourismusregionen und -orten Oberbayerns. Auch die Chefin der Lenggrieser Tourist-Info, Ursula Dinter-Adolf hat die kleinen Faltblätter und Bierdeckel mit einigen Regeln für einen „nachhaltigen und respektvollen Umgang“ miteinander ausgelegt. „Es geht dabei um einen höflichen, freundlichen, rücksichtsvollen Umgang“, erklärt Dinter-Adolf. 

Mountainbiker sollen genauso dazu angehalten werden, ein Gatter wieder zu schließen, das sie vorher geöffnet haben, wie die Wanderer dazu, auch mal einen Schritt zur Seite zu gehen, wenn ein Mountainbiker sich mit gedrosselter Geschwindigkeit nähert. Solche Verhaltensregeln hält Dinter-Adolf für sinnvoll, und sie ist überzeugt: „Im Großen und Ganzen funktioniert es ja auch.“ Sie erinnert daran, dass es ja oft dieselben Menschen seien, die an einem Tag als Wanderer und am nächsten mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs sind. Ob Sperrzonen nötig sind, dazu will sich Dinter-Adolf nicht pauschal äußern.

Der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch hingegen bezieht klar Position. „Das ist genau das, was wir schon immer sagen“, unterstützt er den CSU-Vorstoß. „Es muss auch Tabuzonen geben.“ Es gebe Bereiche, in denen aus Rücksicht auf die Natur, die Grundbesitzer, die Waldbewirtschaftung oder auch, „damit die Wanderer sich bewegen können“, Mountainbiker außen vor bleiben müssten.

Lesen Sie auch: Radfahrer erleidet Herzinfarkt während Bergtour - Wanderinnen geben alles, ihn zu retten

Dabei stellt Riesch klar: „Wir wollen keinen verprellen und wegschicken und es geht auch nicht darum, unnötig Strafen zu verhängen.“ Dennoch: Regeln sind aus Sicht des Rathauschefs nötig – genauso wie etwa am Walchensee. „Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das ins Bewusstsein zu bringen, sonst bekommt man es später nicht mehr in den Griff.“

Lesen Sie auch: Dorfladen Jachenau: Mehr als Brot und Butter

Dem Leitantrag für den CSU-Parteitag mitformuliert hat der Stimmkreisabgeordnete im Landtag, Martin Bachhuber aus Bad Heilbrunn. „Und ich gehe davon aus, dass er eine breite Mehrheit erhalten wird“, sagt er. Seinen Angaben nach wurde bereits eine breite Basis von Interessengruppen miteinbezogen. Es sei nun einmal so, dass die Mobilität der Mountainbiker gerade durch die E-Bikes gewachsen sei. „Es ist leichter, auch in entlegene Gebiete vorzudringen.“ 

Lesen Sie auch: Neuordnung der Wasserrechte am Walchensee: „Historische Chance“ für mehr Ökologie

Da sei eine gewisse Lenkung nötig, um Ordnung, Schutz und Ruhezonen zu gewährleisten. Gleichzeitig wolle die CSU aber „keine Verbotspartei“ sein, betont Bachhuber. „Wir wollen keine großflächigen Kontrollen in den Bergen, sondern setzen bevorzugt auf Vernunft und Freiwilligkeit.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Größte Demo, die Bad Tölz je gesehen hat
Mit diesem Erfolg haben nicht einmal die Organisatoren selbst gerechnet: Rund 900 Teilnehmer kamen zur Klima-Demo am Freitag in Bad Tölz.
Größte Demo, die Bad Tölz je gesehen hat
Unbekannte Apfel- und Birnbäume entdeckt
Rund 250 Bäume mit unbekannten Apfel- und Birnbäumen sind bislang entlang der Alpenkette entdeckt worden. Das Ziel ist es, die Sorten zu erhalten.
Unbekannte Apfel- und Birnbäume entdeckt
Unfall auf Osterleite in Bad Tölz: Bub (12) verletzt, Radlerin verschwunden
Ein Bub, der mit dem Radl die Osterleite in Bad Tölz hinuntergesaust ist, kollidierte frontal mit einer anderen Radlerin. Nun sucht die Polizei nach der Frau.
Unfall auf Osterleite in Bad Tölz: Bub (12) verletzt, Radlerin verschwunden
Rosa oder lila-blau: Reiche Kartoffelernte auf dem Zwickerhof in Bad Tölz
Kartoffelanbau ist im südlichen Landkreis eher unüblich. Auf dem Acker von Martin Sappl im Tölzer Ratzenwinkel aber wächst und gedeiht das Knollengewächs.
Rosa oder lila-blau: Reiche Kartoffelernte auf dem Zwickerhof in Bad Tölz

Kommentare