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Andere Länder, andere Sitten: An einem Straßenrand bei Budapest in Ung arn warnt ein ausgestopfter Hirsch die Autofahrer vor Wildwechsel. Foto: dpa

Straßenverkehr

Dank Reflektoren: Wildunfälle nehmen um fast 45 Prozent ab

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So unscheinbar die rechteckigen, blauen Reflektoren auch sind – seit sie im Landkreis zum Einsatz kommen, hat sich die Zahl der Wildunfälle drastisch reduziert. Aktuellstes Beispiel: Die Staatsstraße 2072 zwischen Leger und der Abzweigung Richtung Sachenbach.

Jachenau – Mit der Dämmerung wird es gefährlich auf der Staatsstraße 2072 zwischen Leger und der Abzweigung Richtung Sachenbach. Hier kommt vermehrt Hirschwild vor, ein Zusammenstoß zwischen Auto und Tier kann fatal enden. Denn Hirsche wiegen mit bis zu 90 Kilogramm sechs Mal mehr als ein Reh. Um solche Kollisionen zu vermeiden, wurde die zwölf Kilometer lange Strecke im August 2016 mit Wildreflektoren bestückt – mit Erfolg. Seitdem gab er nur einen Wildunfall, freut sich Hans Müller von der Jagdgenossenschaft Jachenau. Zum Vergleich: In den drei Jahren zuvor krachte es zehn Mal.

Die Wirkungsweise der Reflektoren ist so simpel wie effektiv: Fällt das Licht eines Autoscheinwerfers darauf, leuchten sie blau auf – jene Farbe also, die die Wildtiere am besten sehen, erklärt Josef Hesslinger, Sprecher des Kreisjagdverbands. Die Vierbeiner bleiben stehen, die Gefahr ist gebannt. Laut Hesslinger reduzieren die Reflektoren die Zahl der Unfälle um bis zu 80 Prozent. Das belegen auch Zahlen des Landratsamtes: Zählte die Untere Naturschutzbehörde 2011 noch 714 Zusammenstöße zwischen Wild und Mensch, waren es 2016 nur noch 317. Das ist ein Rückgang von fast 45 Prozent. Hesslinger zufolge kamen vor rund sechs Jahren die ersten blauen Reflektoren im Landkreis zum Einsatz.

In Hesslingers Jagd-Revier zwischen der Ausfahrt Bad Tölz-West und Stallau („Gasthof Wiesweber“) hat sich die Zahl der Wildunfälle dank der blauen Strahler halbiert. Auf dem Streckenabschnitt Stallau beispielsweise gab es früher pro Jahr im Schnitt 15 Kollisionen zwischen Mensch und Tier. Im vergangenen Jagdjahr (1. April 2016 bis 31. März 2017) waren es sieben.

Dass die Erfolgsquote im Revier „Oberfischbach“ nicht ganz so hoch ist wie in der Jachenau, hat laut Hesslinger einen Grund: Das Wild zieht es von der schattigen Blombergseite zum sonnigen Buchberg gegenüber, wozu es allerdings die viel befahrene Bundesstraße 472 überqueren muss. Auf der Buchbergseite finden die Tiere mehr Gras, weil der Schnee hier durch die Sonne schneller schmilzt. Aber: Je größer der Hunger, desto unvorsichtiger das Tier. Die Unfallgefahr steigt. Diese Regel gilt zum Beispiel auch für die Brunftzeit.

Viele Möglichkeiten, die Tiere von der Straße fernzuhalten, gibt es nicht. Neben den Reflektoren kennt Hesslinger nur den sogenannten „ADAC-Schaum“. Darin ist ein Stoff verarbeitet, der dem Urin von Wölfen nachempfunden ist. Allerdings muss diese sogenannte Geruchssperre zwei Mal im Jahr versprüht werden, bedeutet also einen relativ großen Aufwand für den jeweiligen Jäger.

Bei den Reflektoren reicht es, den Bestand regelmäßig zu überprüfen. Auf seinen Kontrollgängen hat Hans Müller allerdings festgestellt, dass immer wieder Reflektoren verschwinden. 100 Euro, schätzt er, kostet es jedes Jahr, die fehlenden Strahler zu ersetzen. Deshalb wandte sich Müller vor Kurzem an Andreas Eß von der Allianz Agentur Aiblinger in Bad Tölz und bat um finanzielle Unterstützung. Im Rahmen der Allianz-Umweltstiftung „Aktion Blauer Adler“ zahlte die Versicherung 500 Euro aus, um das Projekt zu fördern.

Insgesamt brachten Hans Müller und ein Helfer im Sommer 2016 rund 350 Reflektoren im Wert von 1680 Euro an den Pfosten entlang der Staatsstraße 2072 an. Die Kosten teilten sich die Gemeinde Jachenau (560 Euro) und die örtliche Jagdgenossenschaft (1120 Euro).

Allein auf die Wirkung der Wildreflektoren sollten sich Verkehrsteilnehmer laut Müller übrigens nicht verlassen. Die beste Möglichkeit, unfallfrei durch den Gefahrenbereich zu kommen heiße immer noch: angepasste Geschwindigkeit bei Dämmerung und in den Nachtstunden.

Sollte es doch zu einem Unfall kommen, rät Hesslinger, die Unfallstelle zu sichern und die Polizei zu verständigen. Die Beamten holen beispielsweise den zuständigen Jäger, wenn das Tier verletzt ist. „Wir erlösen es dann von seinem Leid“, sagt Hesslinger. Wichtig sei auch, sich dem Tier nicht zu nähern. „Das bereitet ihm Stress“, erklärt der Jäger. Außerdem bestehe die Gefahr, dass das Wild trotz einer Verletzung einen Fluchtversuch unternimmt – und noch einmal auf die Straße rennt.

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